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Szene aus "The Menu" mit Ralph Fiennes

© 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Filmkritiken

"The Menu": Wenn ein Chefkoch zum letzten Abendmahl lädt

Eine dunkle Satire auf den elitären Koch-Zirkus und die feine Gesellschaft lässt Ralph Fiennes zu Hochform auflaufen.

von Franco Schedl

11/17/2022, 07:30 AM

Man nehme gefährlich vor sich hinköchelnden Wahnsinn, der mit enttäuschten Hoffnungen durchsetzt ist, füge jede Menge an schwarzem Humor hinzu und schmecke das Ganze noch mit einer Prise Genialität ab. Das sind die besten Voraussetzungen für das Zustandekommen des Drehbuchs zu diesem Film.

Chefkoch Slowik (Ralph Fiennes) befehligt auf einer entlegenen Insel einen zahlreichen MitarbeiterInnen-Stab. Seine Angestellten fühlen sich alle als große Familie, beherrschen das Ernten, Fermentieren, Gelieren und Dekantieren aus dem Effeff und setzen alles daran, die Geschmacksknospen von zahlungskräftigen KundInnen mit möglichst ausgefallenen Kreationen zum Erblühen zu bringen.

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Dunkles Küchen-Geheimnis

Wer wirklich hungrig ist, sollte wohl eher eine andere Adresse wählen, da sich die Anreise zu diesem Lokal als sehr zeitraubend erweist. Wem der Sinn aber nach etwas ganz Besonderem steht, ist in dieser elitären Gesellschaft herzlich willkommen.

Für den satten Preis von 1250 Dollar pro Kopf liefert der Küchen-Exzentriker ein Rate-Menü: Indem sich die GästInnen jeden einzelnen Gang auf der Zunge zergehen lassen, sollen sie herausfinden, unter welchem Hauptthema der geschmackvolle Abend steht. Und da wir uns in einer Horror-Komödie befinden, wird das Küchen-Geheimnis nicht sehr erfreulich sein.

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Koch-Guru einer Gourmet-Sekte

Zu Slowiks gläubigen VerehrerInnen zählt beispielsweise Feinschmecker Tyler (Nicholas Hoult), der in Begleitung seiner Freundin Margot (Anya Taylor-Joy) mit zwölf weiteren GästInnen angereist kommt. Die junge Frau weiß nicht so recht, was sie auf dieser angeblich köstlichen Expedition erwartet.

Als sich Margot dann in Gegenwart des seltsamen Koch-Gurus wiederfindet, der eine regelrechte Gourmet-Sekte gegründet hat und jeden neuen Gang mit lautem Händeklatschen ankündigt, beginnt ihr etwas mulmig zu werden und sie geht bald auf Konfrontationskurs. Ob ihr das gut bekommt, ist eine andere Frage. Aber auch den anderen GästInnen stehen spätestens ab dem dritten Gang einige böse Überraschungen bevor.

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Fiennes als böser Küchenmagier

Ralph Fiennes brilliert hier in Gestalt eines wahrhaft teuflischen Küchenmagiers der Haute Cuisine, den man sich besser nicht zum Feind machen sollte. Aber das ist schwieriger als man denkt, denn es reicht bereits, als Schauspieler in einem einzigen schlechten Film mitgewirkt zu haben, um sich seinen Unmut zuzuziehen.

Slowik hat nach eigener Ansicht ein Leben voller Lügen geführt und möchte das nun durch große Ernsthaftigkeit wieder gutmachen – koste es, was es wolle (und das kann in diesem Fall das Leben sein).

Nicholas Hoult schlüpft einmal mehr in die Rolle eines schrulligen und ziemlich labilen Charakters, während sich Anya Taylor-Joy in dieser passiven Gesellschaft der geschockten GästInnen als einzige die Fähigkeit des klaren Denkens und der schnellen Reaktionen bewahrt.

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Augen-Schmaus

Hungrig ist man bei diesem Film wohl eher nicht geworden, aber auf jeden Fall muss man das Gesehene erst einmal gründlich verdauen, denn unsere Augen haben genügend geboten bekommen. Eines ist sicher: Regisseur Mark Mylod, den wir vor allem als Serien-Regisseur aus "Game of Thrones", "Succession" und "Shameless" kennen, zählt bestimmt nicht zu den FreundInnen der Molekularküche. Doch was will uns sein Werk eigentlich bieten?

Ist es ein reiner Horror-Film, der uns den Rachefeldzug eines durchgedrehten Kochs vorführt, werden womöglich zugleich tiefgründige existentielle Fragen behandelt – oder bleibt das Ganze eine gewaltig ausufernde Satire auf die moderne Küche? Für welche Alternative man sich auch entscheidet – ich neige zu einer Mischung aus allen drei Möglichkeiten, wobei die Satire manchmal etwas zu aufdringlich die Oberhand gewinnt  –, wird man "The Menu" auf jeden Fall folgendes zugestehen: Die Handlung überrascht uns stets aufs Neue und es ist unmöglich, vorherzusagen, was als nächstes passieren könnte.

Oder steckt womöglich gar eine Fastfood-Kette als AuftraggeberInnen für diesen Film? Denn vergessen wir nicht: Ein schöner, üppiger, saftiger, klassischer American Cheeseburger kann hier durchaus zum Lebensretter werden.

4 von 5 mit der Pipette hingeträufelten Hauptgerichten.
 

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Ralph Fiennes und Anya Taylor-Joy versprechen Nervenkitzel, garniert mit einer Prise feinstem Humor.

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