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Filmkritik
01/30/2019

"The Mule": Opa Eastwood liefert Koks

Clint Eastwood tritt nach jahrelanger Pause wieder vor die Kamera und spielt einen Drogenlieferanten im Rentneralter.

von Franco Schedl

Da er in akuter Geldnot steckt, kommt dem drahtigen alten Earl Stone ein Auftrag gerade recht, bei dem er mit seinem verstaubten Ford ein Paket unbekannten Inhalts von A nach B bringen soll und dafür gutes Geld erhält. Weil das so gut geklappt hat, heuern ihn die bewaffneten Typen gleich erneut für weitere Transporte an. Erst allmählich wird ihm klar, dass er eigentlich Drogen für ein mexikanisches Kartell transportiert, und das leicht verdiente Geld könnte ihn in Lebensgefahr bringen. Zugleich ist ihm auch ein Drogenfahnder auf der Spur.

 

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Drehbuch mit Schwächen

Diesmal erzählt Eastwood nicht die Geschichte echter amerikanischer Helden (wie zuletzt in „Sully“ oder „The 15:17 to Paris“), doch der Fall des alten Drogenkuriers beruht ebenfalls auf einer wahren Begebenheit. Zum Glück hat ihn diese Stoffwahl dazu angeregt, nach sechsjähriger Pause wieder unter Eigenregie vor die Kamera zu treten. Er verleiht dem Opa, der in hohem Alter in die Kriminalität abrutscht, ein unverkennbares Profil und lässt die Entscheidungen des Mannes wirklich nachvollziehbar werden.  Leider überzeugt das Drehbuch von Nick Schenk („Gran Torino“, „The Judge“) aber nicht wirklich, weil es teils zu klischeehaft, teils zu oberflächlich bleibt und unbedingt noch eine eher rührselige Familienversöhnung und die große Reue des alten Sünders unterbringen will.

 

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Ein spätberufener Drogenkurier

Earl Stone geht inzwischen auf die 90 zu und war als Blumenzüchter sein ganzes Leben hindurch auf den Straßen der USA unterwegs, worunter sein Privatleben gelitten hat. Seine Tochter (Alison Eastwood) spricht zum Beispiel schon seit über 10 Jahren kein Wort mehr mit ihm, weil er damals ihre Hochzeit versäumt hat; und auch seine Ex-Frau (Dianne Wiest) kann, wenn sie erstmal in Fahrt kommt, ein langes Register von Earls Verfehlungen herunterbeten. Also genießt der schon etwas klapprige Mann lieber das Leben und den unverhofften Geldsegen in vollen Zügen, statt sich um seine Familie zu kümmern.

 

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Stars auf verlorenen Posten

Diese Rolle wurde Clint Eastwood regelrecht auf den Leib geschrieben und daher haben es alle anderen schwer, hier neben ihm aufzukommen – das gilt sogar vom namhaften Co-Star Bradley Cooper. Man kann sich unschwer vorstellen, dass Cooper bei diesem Rollenangebot blind zugesagt hat, weil er es als Ehre betrachtet, nach „American Sniper“ erneut mit Eastwood zusammenzuarbeiten. Wirklich tiefgreifend ist seine Figur in diesem Fall aber nicht und hinterlässt keine bleibenden Einrücke; der Drogenfahnder hätte von jedem X-Beliebigen gespielt werden können. Sogar als der Jäger dem Gejagten dann einmal, ohne es zu ahnen, direkt gegenübersitzt, will keine rechte Spannung aufkommen, denn das Gespräch dreht sich nur um altbackene Weisheiten. Die Angehörigen des Kartells wirken hingegen oft wie Schauspieler, die sich hart darum bemühen, als schwere Jungs durchzugehen, und Andy Garcia bietet die unfreiwillige Parodie eines mexikanischen Drogenbosses; doch auch Laurence Fishburne oder Michael Peña stehen hier auf relativ verlorenen Posten.

 

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Eastwood rules

Bei Eastwood reicht es dafür schon aus, mit anzuhören, wie er während der langen Autofahrten herzhaft zur Radiomusik singt, um uns in gute Laune zu versetzen. Die aufregendsten Szenen ergeben sich, wenn Earl in brenzligen Situationen seine Schlagfertigkeit beweisen muss, um Polizisten oder – noch gefährlicher – Drogenhunde an der Nase herumzuführen. Und es ist andererseits wiederum äußerst witzig, dabei zuzuschauen, wie der alte Herr von leichtbekleideten Animiermädchen umworben wird und sogar mit ihnen im Bett landet. Wenn das Geld stimmt, ist halt nichts unmöglich. (Aber im wahren Leben reicht vermutlich allein Eastwoods Name, um dasselbe Ergebnis zu erzielen.)

3 ½ von 5 morschen Knochen

Clint Eastwood kehrt nach jahrelanger Pause wieder in einer Hautprolle zurück und spielt einen Opa, der sich als Drogenkurier etwas dazuverdient.