Full Metal Jacket

 USA 1987
Drama, Kultfilme, Kriegsfilm / Antikriegsfilm 116 min.
8.30
Full Metal Jacket

Stanley Kubricks großes Anti-Kriegs-Drama.

Alle großen Kriegsfilme - von Kon Ichikawas' Nobi bis zu Terrence Malicks' The Thin Red Line - zeigen den Krieg, indem sie die Frage stellen "Was ist der Mensch?" Full Metal Jacket stellt eine weitere Frage: Was macht aus Menschen kriegsfähige Soldaten?
Eine Doppelhorrorkammer: erstens das Ausbildungslager, die Fabrik der Soldaten; zweitens der Krieg, das Funktionieren der fabrizierten Tötungsmaschine Mensch. In der ersten Kammer findet Bildung statt. Soldatenbildung: Menschenverbildung.

Alles, was an adoleszenten, amerikanischen Wesen männlichen Geschlechts an Stolz und Sensibilität, Verantwortung und Denken erinnern könnte, wird im "Trainings-Camp" gebrochen, verwüstet, annulliert. Das Sprechen ersetzt durch Brüllen oder durch Plärren verblödeter Lieder in der Art von "This is my rifle, this is my gun; one is for fighting, one is for fun."
Die zur Tötungsgier umfunktionierte Libido wendet sich gegen den "Feind".

Zweites Schreckenskabinett: die Kaiserstadt Hue zur Zeit der Tet-Offensive. Statt Dschungel oder exotischer Bauten: nichts als die enervierende Mondlandschaft des Krieges. Sinnloses Einschlagen der Geschoße ins Fleisch. Unschöne, unflätige Tode. Zuletzt eine Volte, die die Absurdität noch absurder macht. Der Scharfschütze, der das Platoon dezimiert, ist eine vietnamesische Frau, eine schwarzhaarige Schönheit. Ihre Auslöschung wird zu einem qualvollen pornographischen Akt in der stumpfen Kette der anderen Pornographismen des Krieges. Danach ziehen die Soldaten fort, um irgendwo weitere sinnlose Taten zu verrichten oder sinnlos zu sterben. (Harry Tomicek)Filmmuseum

Details

Matthew Modine, Adam Baldwin, Vincent D'Onofrio, R. Lee Ermey
Stanley Kubrick
Douglas Milsome
Stanley Kubrick, Michael Herr, Gustav Hasford

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Stahlmantelgeschoss
    Einer der neun großen Filme über den Vietnamkrieg. Er gliedert sich in zwei Teile. Fast eine Stunde erleben wir eine Brüllorgie ungekannten Ausmaßes. Ausbilder Hartman (sic!) Lee Ermey in der Rolle seines Lebens schockiert mit erniedrigenden Beschimpfungen aus dem Fäkal und Analbereich und treibt Pyle (Vincent d’Onofrio) in den Selbstmord. Der erste Schuss!
    Im zweiten Teil sind wir mit Kriegsberichterstatter Joker (Matthew Modine) 1968 in Vietnam zur Zeit der TET-Offensive. Wegen seiner vorlauten Art wird er zur kämpfenden Truppe versetzt. Kubricks Minimalismus lässt quasi symbolisch nur ein Gefecht mit einer angeschossenen vietnamesischen Scharfschützin zu. Der Feind bekommt ein Gesicht. Option: liegenlassen oder Gnadenschuss? Rache für die gefallenen Kameraden!? Dieser Höhepunkt wird in die Länge gezogen. Die anderen beiden Frauen, die wir sehen sind Huren.
    Der Film hebt sich wohltuend von der Masse der Kriegsfilme ab. Hier ist es nicht nur die Ballerei, die die Klasse ausmacht, sondern auch das Hinterfragen. ‘Kämpfen wir hier wirklich für die Freiheit?‘
    Am Ende zieht eine singende Truppe vorbei an brennenden Häusern. Sie sind glücklich, überlebt zu haben.
    Abgerundet wird das Ganze Zeitfeeling durch die unterlegten Popsongs u.a. von Nancy Sinatra (‘These Boots Are Made For Walking‘) und Sam the Sham (Wooly Buly‘). Eine zeitlose Klasse für sich.