"Herr der Ringe" als TV-Nachfolger von "Game of Thrones"?

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"Herr der Ringe" als TV-Nachfolger von "Game of Thrones"?

Bevor "Game of Thrones" zum Serienhit und TV-Phänomen wurde, war " Herr der Ringe" das Nonplusultra im Fantasy-Genre. Nun haben Amazon, Netflix und auch HBO im Zuge der Suche nach einem "Game of Thrones"-Nachfolger den Fantasy-Klassiker wieder im Visier. Dabei handelt es sich um ein kostspieliges Unterfangen. Denn nur die TV-Rechte allein – noch ohne Kosten für Entwicklung und Produktion der TV-Serie – liegen in einer Größenordnung von kolportierten 200 bis 250 Mio. $. Ob sich diese Investitionen auch rechnen, ist fragwürdig.

Amazon und Netflix im Bieterwettbewerb um TV-Rechte

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Der Bieterwettbewerb findet laut einem Bericht von Deadline Hollywood zwischen Amazon und Netflix statt. "Game of Thrones"-Sender HBO sei wegen der selbst von Brancheninsidern als "wahnwitzig" bezeichneten Kosten bereits aus dem Rennen. Die Kalkulation sieht so aus: Das "Herr der Ringe"-Franchise ist bereits durch insgesamt sechs Kinofilme abgesteckt und einem weltweiten Publikum bekannt. Zudem sollen die TV-Rechte, über die verhandelt wird, limitiert sein und nicht alle "Herr der Ringe"-Charaktere umfassen. Daher scheint es fragwürdig, ob sich die gigantische Investition lohnt. Denn zu den Kosten für die TV-Rechte kommen dann noch Produktionskosten zwischen – für eine Serie auf dem Niveau von "Game of Thrones" – 100 bis 150 Mio. $ hinzu. Pro Staffel! Die Entwicklungskosten noch gar nicht gerechnet.

Ungeachtet dessen scheint vor allem Amazon wild entschlossen zu sein, eine Fantasy-Serie auf "Game of Thrones"-Niveau zu produzieren. Das Mandat dafür kommt laut Deadline Hollywood direkt von Amazon-Chef Jeff Bezos. Doch ob sich gerade diese Investition lohnt? Bezos müsste alleine für die TV-Rechte beinahe so viel Geld auf den Tisch legen wie 2013 für den Erwerb der "Washington Post". Und das ohne Erfolgsgarantie! Denn wie ein Blick auf die Liste der 12 teuersten TV-Serien aller Zeiten zeigt: Selbst die teuersten TV-Produktion können sich als veritable Flops herausstellen.

Fantasy Deluxe: J.R.R. Tolkien vs. George R. R. Martin

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Die Literaturvorlagen von "Herr der Ringe" und "Game of Thrones" galten bis zum eindrucksvollen Beweis des Gegenteils als unverfilmbar. Zuerst gelang Peter Jackson mit seiner "Herr der Ringe"-Trilogie im Kino das vermeintlich Unmögliche: Der erste Film"Der Herr der Ringe: Die Gefährten"wurde 2001 beim Filmfestival von Cannes vorgestellt. Es war der Auftakt zu einem globalen Kinophänomen. Die drei Filme haben in den Jahren 2001 bis 2003 die Kinocharts dominiert und zusammen fast drei Mrd. $ eingespielt. Der dritte Teil"Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs"(2003) gewann 11 Oscars, darunter "Bester Film" und "Beste Regie". Es entwickelte sich eine lebendige Fan-Community.

Nicht zuletzt dürfte wohl der überwältigende Erfolg von "Herr der Ringe" auch dazu beigetragen haben, dass HBO die Verfilmung der Fantasy-Bücher von George R. R. Martin in Angriff nahm. Und auch HBO bewies ein goldenes Händchen: Die TV-Serie hat sich seit 2011 zur Cashcow des TV-Senders entwickelt. "Game of Thrones" bricht seither regelmäßig Quoten- und Download-Rekorde und ist zum weltweiten Publikumshit avanciert. Und auch bei den Kritikern kann die Serie punkten: 2016 erhielt "Game of Thrones" 12 Emmy Awards, darunter die Auszeichnung als "Bestes TV-Drama". Insgesamt hat keine TV-Serie über die Jahre mehr Emmy Awards gesammelt als "Game of Thrones".

Erwin Schotzger

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