Im Reich der Sinne

 J/F 1976

Ai no corrida

Drama, Romanze, Erotik 109 min.
6.60
Im Reich der Sinne

Oshimas Film ist ein hochsensibler, nahezu abstrakter Essay über körperliche Liebe und die widersprüchliche erotische Beziehung der Geschlechter.

1936, im Jahr des niedergeschlagenen Aufstands kaisertreuer Offiziere, dessen Ausgang Japan immer weiter, in immer mehr Kriege treiben sollte, entmannte die Hausbesorgerin Sada ihren Arbeitgeber und Liebhaber Kichi im Erdrosselungstod. Dann wandelte sie mit dem schlappen Stück Muskel, wie in einem anderen Leben, durch die Gegend, bis man sie aufgriff. Abe Sada wurde zum Inbegriff eines absoluten Eros aus Tausenden von Jahren, einer japanischen Weiblichkeit, deren Wurzeln zurückreichen bis zu den ersten Schamaninnen. Oshima reduzierte (anders als Tanaka Noboru und Obayashi Nobuhiko in ihren schönen Filmen über Abe Sada) alle Zeitbezüge in der Ausstattung und im historischen Kolorit auf ein Minimum: nichts sollte der Symbolweite dieser Geschichte im Wege stehen, nichts davon ablenken, dass hier der Ritus von Liebe und Tod zelebriert wird. Was Im Reich der Sinne weniger zur Verfilmung einer historischen Anekdote als zur kinematografischen Gestalt des Todestriebes selbst macht. (R.H.)

(Text Österreichisches Filmmuseum)

Details

Fuji Tatsuya, Matsuda Eiko, Nakajima Aoi, Seri Meika, u.a.
Nagisa Ôshima
Minoru Miki
Hideo Itoh
Nagisa Ôshima

Kritiken

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User Kritiken

  • Tödlicher Sex
    Was in den 70er Jahren als Porno galt, der verboten wurde, schockiert uns vielleicht heute immer noch wegen der gewagten Kameraeinstellungen im Genitalbereich. Doch jetzt fokussieren wir unsere Aufmerksamkeit mehr auf das intellektuelle Konstrukt von Nagisa Oshima. Er beschreibt die Entwicklung einer sexuellen Obsession. Die Schreie der Lust werden immer mehr von den Schreien der Schmerzen überdeckt. Gewalttätigkeit kommt hinzu. Logischerweise kann dann die letzte und höchste Lust erst bei gleichzeitig eintretendem Tod empfunden werden. Die Frage, die man sich dabei allerdings stellen kann, ist die: Überwiegt nicht der natürliche Überlebenswille des Menschen gegenüber dem Wunsch nach ultimativem Lustgewinn. Oshima gibt eine fürchterlich blutrünstige Antwort, obwohl er sie kurz davor noch durch einen Verfremdungseffekt abmildert. Egal, was man von dem gewagten Kunstwerk hält, unbestritten sind seine optischen Qualitäten.