Inlandsreport Spezial: Die letzten Männer

 A 1994
Independent, Dokumentation 60 min.
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Neokolonialismus und die Krise traditioneller Männlichkeitsentwürfe sind abstrakt als »Facetten der Globalisierung« beschreibbar; im TV-Film DIE LETZTEN MÄNNER (1994) erscheinen sie sehr konkret im Alltag jenes Herren, der sich eine thailändische Braut per Versand kommen lässt. Die Wartezeit verbringt er mit Karateübungen und dem Öffnen und Aufwärmen von Konservennahrung - maskuline Action-Routinen, die Seidls Montage in beunruhigende Nähe zueinander setzt.
Bei Seidl sind alle Männer letzte Männer, krisenhysterisch in ihrer Physis und letztklassig im Umgang mit Frauen. Aber über ihr »zum Problem gewordenes Gender« hinaus sind sie auch Exemplare des »letzten Menschen«, der - auch das ein Nietzsche-Motiv - am längsten lebt, weil er sich aus der Geschichte ausgeklinkt und nun endlos freie Zeit zur Verfügung hat. Seidls skeptischer Blick auf das gattungshaft Menschliche als etwas Gestelltes und Zwanghaftes findet oft zu eindrucksvollen Bildern für eine technologisch umklammerte Humanität: Von der in Schlagergedudel ablaufenden Mechanik des Herzens zum dosenfutterbetriebenen Karate-Kampfroboter als buchstäbliche Junggesellenmaschine; von den an die zyklische Motorik ihrer Griller und Betonmischer angekoppelten Reihenhäuslern bis zu Models, die - eingespannt in Fitnessgeräte - über spirituelle Selbstbefreiung plaudern, frönt der Maschinenmensch seinem Spaß. (Drehli Robnik)

Details

Karl Schwingenschlögl, Rudolf und Carmen Hausmann, Franz und Conchita Klausner
Ulrich Seidl
Ulrich Seidl

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