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Filmkritik
05/03/2018

„Jupiters Moon“: Fliegender Flüchtling über Budapest

Der neue Science Fiction Film vom ungarischen Regisseur Kornel Mundruczo richtet sich nicht nur gegen die Politik Orbans.

von Oezguer Anil

Als der syrische Flüchtling Aryan Dashni (Zsombor Jeger) die ungarische Grenze überquert, wird er von einem Polizisten erschossen. Der junge Mann bleibt eine Weile liegen, doch dann passiert etwas Unglaubliches: er beginnt zu schweben. Er erhebt sich mehrere Meter in die Lüfte und fällt wieder zu Boden. In einem Flüchtlingscamp entdeckt der Arzt Gabor Stern (Merab Ninidze) die besonderen Fähigkeiten von Aryan. Er schmuggelt ihn aus dem Lager hinaus und nutzt seine übernatürlichen Kräfte um Geld mit ihm zu verdienen. Als die Polizei hinter das Geheimnis des Flüchtlings kommt, beginnt eine Hetzjagd durch Budapest.

Kleines Budget, großes Kino

Trotz einem vergleichsweise niedrigen Budget von 4 Millionen Euro, schafft es der ungarische Regisseur Kornel Mundruczo einen packenden und visuell atemberaubenden Science Fiction-Thriller zu erzählen. Die Dreharbeiten zu „Jupiter’s Moon“ fanden zwar in Ungarn statt, doch das Ergebnis vermittelt das Gefühl eines Hollywood Blockbusters. Die hervorragende Kameraarbeit von Marcell Rev sorgte auch schon international für Aufsehen. Der junge Kameramann wurde für die neuste HBO Produktion mit Al Pacino engagiert und dürfte in den nächsten Jahren endgültig den Sprung nach Hollywood schaffen.

Politisch

„Jupiter’s Moon“ hat jedoch mehr als nur schöne Bilder zu bieten. Die politisch höchst brisante Handlung schafft es, das Flüchtlingsthema in einen Kontext zu stellen, der nicht mit Begriffen wie „Gut“ oder „Böse“ operiert, sondern den Zuseher dazu zwingt, selbst Position zu beziehen. Die Widersprüchlichkeiten, die Mundruczo abbildet, nehmen den Figuren jeglichen Pathos. Obwohl die Hauptfigur ein muslimischer Flüchtling und gleichzeitig eine Art Engel ist, entscheidet sich der ungarische Regisseur gegen eine kitschige Darstellung von menschlichem Leid.

Überflieger in Ungarn

Kornel Mundruczos neuster Science Fiction-Hit ist ein weiter Beweis für die Qualität des ungarischen Kinos. Mit dem Cannes- und Oscar-Erfolg von Laszlo NemesSon of Saul“ und dem Berlinale-Sieg von Ildiko EnyedisKörper und Seele“ produzieren unsere Nachbarn ein breites Spektrum an Filmen, die von Genre bis Kriegsdrama reichen. „Jupiter’s Moon“ feierte seine Premiere im Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes wo er auf unterschiedlichste Kritiken stieß. Wir können euch den Science Fiction-Hit jedoch wärmstens weiterempfehlen.

9 von 10 Luftsprüngen

Ein junger syrischer Flüchtling entwickelt eine seltsame Fähigkeit, nachdem er beim illegalen Grenzübertritt nach Ungarn angeschossen wurde.