Juventude em marcha (Colossal Youth)

 P/F/CH 2006
Drama, Independent, Avantgarde 155 min.
film.at poster

In Juventude em marcha begleitet Pedro Costa einen älteren Einwanderer von den Kapverdischen Inseln, Ventura, bei seinen Wegen durch einen Slum und ein Neubauquartier am Rande von Lissabon. Costas Film ist schroff, abweisend und ohne jedes kommerzielle Potenzial. Der portugiesische Autorenfilmer Costa arbeitet wie immer mit Laiendarstellern, die schon an seinen vorangegangenen Filmen mitwirkten. Die Einstellungen sind lang, die Kamera bleibt mit Ausnahme weniger Szenen reglos. Der Slum wird abgerissen, die Bewohner werden umgesiedelt, was der Film jedoch nicht zeigt, sondern über die Erzählungen der Figuren einfängt. Mit großer Geduld hört Costa diesen Geschichten zu. Wenn etwa die einst heroinabhängige Vanda - sichtlich von der Methadoneinnahme gezeichnet - davon erzählt, wie sie ihre Tochter zur Welt brachte, dann weiß man genau, warum kein Schnitt das Mäandern ihrer Sätze unterbricht: Die Dauer der Einstellung ist das Einzige, was Vandas Schmerzen gerecht werden kann. (Cristina Nord) Seit Jahren dreht Costa seine «Fiktionen» mit Lissabonner Obdachlosen von den Kapverdischen Inseln, die in minimalistisch strengen, schönen Video-Tableaus aus ihren Leben erzählen. Der Titel des neuen Films ist ironisch, die Jugend, die hier marschiert, ist alt: «adoptierte» Leidensgenossen eines wohnungssuchenden Slum-Bewohners. Aber trotz komischer Details und einer kompliziert surrealen Struktur bezieht das zweieinhalbstündige Epos seine Kraft aus dem Direktkontakt mit realer Misere. Das lange Zuhören, der Glauben an die Würde seiner Protagonisten trotz ihrer elenden Existenz, verleiht Costas Film eine rare Wirklichkeitsnähe. (Christoph Huber)

(Text: Viennale 2006)

Details

Vanda Duarte, Beatriz Duarte, Gustavo Sumpta, Cila Cardoso, Isabel Cardoso Alberto Barros «Lento»
Pedro Costa
Pedro Costa, Leonardo Simoes
Pedro Costa

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • {{{ SELECTION }}}
    Wer "Ossos" und "No Quarto da Vanda" bei der Viennale gesehen hat und davon berührt war, der wird auch bei Costas neuestem Film beeindruckt sein. Wieder wirkt es wie eine eigentümliche Kombination von Spiel- und Dokumentarfilm, wenn die Schicksale armer Einwanderer beleuchtet werden. Auch Vanda Duarte kommt erneut zu Wort und manchmal quälend lange Einstellungen fordern die "Sym-Pathie", das "Mit-Leiden" im wörtlichen Sinne vom Zuseher.
    Sicher kein angenehmer Film, aber ein umso eindrücklicherer und relevanterer.