Kafka geht ins Kino

 F/D 2002
Dokumentation 
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«Im Kino gewesen. Geweint.» Vier Worte, die Gemeingut geworden sind wesentlicher Bestandteil des Denkens und Schreibens über Kino hier zu Lande, der Reflexionen über Film und Emotion, von Identitätsstiftung und Selbstvergessen vor der Leinwand. Franz Kafka hatte die Worte notiert, Hanns Zischler hat sie uns in Gedächtnis gebracht, lakonisch, aber mit Nachdruck. Viele Jahre hatte er an seinem Buch «Kafka geht ins Kino» (1996) gearbeitet, hat die verstreuten Äußerungen des eifrigen Kinogängers Kafka zu Kinostunden und -sekunden gesammelt, hat die Filme aufgespürt, auf die Kafka sich bezog sofern Kopien davon überhaupt noch vorhanden sind. Er hat eine Vorstellung vermittelt davon, wie Kafkas Schreiben vom Kino beeinflusst war, ohne dass das Kino ständig als Bezugspunkt sichtbar sein müsste. Ein Buch, das ihn immer noch beschäftigt, das auch für uns zum treuen Begleiter geworden ist. Nun hat Zischler einen Film gemacht über seine Arbeit mit Kafka. Kein Film ist das geworden, der das Buch illustriert, sondern er öffnet es zu einer neuen Runde im Spiel der Erinnerungen. «Hinter Kerkermauern sind die großen Archive», setzt der Film ein, «was sie bewahren, ist kostbar, fragil, vom Verfall bedroht.» Man sieht die Bodleian Library in Oxford, die Cinémathèque Française in Paris eine Annäherung an die Handschriften, die alten Filme. Ein Palimpsest nennt Zischler den Film, ein Werk also, in dem viele Schichten sich übereinander lagern, und keine von ihnen ist von der anderen abzulösen. Der Film ist in ständigem Fortgang begriffen, ohne dass sich ein Eindruck von Gehetztsein aufdrängen würde. Der Autor Kafka löst sich auf im Geflecht der Städte und Sätze, man streift mit ihm durch Raum und Zeit. Am Anfang verschwimmt der durch den Schneidetisch laufende Filmstreifen und taucht wieder auf als Mittelstreifen einer Straße, als Lampenkette am Straßenrand. Es geht nicht um Kafka bei diesem Flanieren, nicht als singuläre Gestalt. Es geht um einen erträumten Kafka, um die unerhörte Weise, wie er Leben und Träumen verband. (Fritz Göttler)

Details

Hanns Zischler
Hanns Zischler
Hanns Zischler
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