Kronen Zeitung: Tag für Tag ein Boulevardstück

 A/B/F 2002
Dokumentation 01.11.2002 58 min.
8.30
Kronen Zeitung: Tag für Tag ein Boulevardstück

Boergers Film ist das knapp einstündige Porträt eines spezifisch österreichischen Phänomens: der Neuen Kronenzeitung

Der Herausgeber und Chefredakteur sitzt gemeinsam mit einer jungen Redakteurin im Fond eines Automobils und sinniert: «Ich glaube, dass die Österreicher sehr tierfreundlich sind. Überhaupt gefühlsbetont, wissen Sie.» Der Wagen hält in der Einfahrt eines burgenländischen Tierheims; der Landeshauptmann und ein Fotograf stehen bereit. Hans Dichand verteilt Leckereien an die Vierbeiner, und Maggie Entenfellner lacht in die Fotolinse. Dann gerät der Landeshauptmann ins Sinnieren: «Na ja die Kronen Zeitung hat viel Macht in Österreich. Macht ist für mich ein neutraler Begriff.» Boergers Film ist das knapp einstündige Porträt eines spezifisch österreichischen Phänomens: der Neuen Kronenzeitung, der mit knapp drei Millionen Lesern proportional größten Tageszeitung der Welt. Die Frage, wen das außerhalb der Alpenrepublik interessieren soll, stellt sich erst gar nicht: Der Schock über Le Pens Wahlerfolg in Frankreich macht das Problem des rechten Populismus und seiner medialen Strategien wieder einmal (nach den Diskussionen um Haider und Berlusconi) zum Gegenstand hitziger Debatten. Spannend wird Borgers Film durch ihren Status als Außenstehende. Mit einem distanzierten, wenngleich präzisen Blick erforscht sie, frei von Polemik, das System «Krone» ein Imperium: eine Zeitung als Freund, Berater, Ombudsmann der kleinen Leute und nicht zuletzt als «ein Prisma, durch das sich der Erfolg des Populismus in diesem Land verstehen lässt». Zu Wort kommen unter anderen Landeshauptleute, ein Bischof, Dichand selbst, seine Redakteure und Kommentatoren (wie Andreas Mölzer und Wolf Martin), aber auch explizit kritische Geister wie Robert Menasse, Heide Schmidt und Erhard Busek. Der Film arbeitet sich in kurzen, pointierten Episoden vor: Kaffeehausgespräche mit Leserinnen und Lesern leiten über in die Chefetage des «Alten», der die Blattlinie erörtert. Die Telefone in der Tierecke laufen heiß, Leserbriefe kommen sackweise, während Politikredakteure die wahren Ausmaße der afghanischen Flüchtlingswelle prognostizieren. Fakten und Meinungen, Christianus fromme Bibelauslegungen und die «Frau von nebenan» die Topografie eines Landes, in dem Tragik und Realsatire eng beieinander liegen. (Michael Loebenstein)

Details

Hans Dichand
Nathalie Borgers
Edouard Papazian
Jerzy Palacz
Nathalie Borgers nach einer Idee von Lena Deinhardstein
POOOL Filmverleih GmbH

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Lustig und peinlich zugelich
    War wirklich ein toller Film! Stellenweise habe ich Tränen gelacht über das, was Dichant und seine redakteure verzapft haben. Die Flüchtlingswelle, die Tierecke und die "Frau von nebenan" und nicht zu vergessen die Kulturseiten, die die Kronenzeitung ja von anderen Boulevardblättern unterscheidet. Besonders lustig ist die "Altherrenrunde" in der Hofburg! Umbedingt anschauen!

  • Angucken solangs im Kino läuft.
    Der Herr Dichand wird sicher seine Gründe gehabt haben, den Fernsehsender ARTE nach der Ausstrahlung dieser Doku aus seinem blatteigenen Fernsehprogramm zu verbannen. Jedem das seine.
    Der ORF schließt ja kategorisch aus, diesen Film überhaupt je zu zeigen.
    Nützet also die Gelegenheit ¿ schauts Euch den Film im Kino an, solange es noch geht.

    Recherchieren wir gemeinsam mit der Osteuropa-Redaktion zum Thema "drohende Flüchtlingswelle",
    Weinen wir mit Maggie Entenfellner über das Tierleid in Österreich,
    schmökern wir mit Wolf Martin in Adolf-Hitler-Reden
    und besuchen wir mit Hans 'Ich-will-doch-gar-keine-Macht' Dichand den Bundespräsidenten.

    Empfehlenswert. Anschauen und lachen. Zhausgehen und grübeln.

  • Die Krönung
    Hallo Ihr Lieben, ich hab gerade einen super Film über unsere Kronenzeitung gesehen. Absolut empfehlenswert !

    Der Dichand und seine Kollegen sind echt super ! Die sind ja wirklich total offen und natürlich und stehen zu dem, was Sie machen.
    Da gehört wirklich Mut dazu.
    Wird im Votivkino um 19 und 20:15 gezeigt.
    Ich bin für diesen Film sehr dankbar, weiter so, liebes Krone-Team!