Kurz davor ist es passiert

 A 2006
Dokumentation 05.10.2007 72 min.
6.40
Kurz davor ist es passiert

Eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem globalen Phänomen des Frauenhandels, basierend auf realen Erzählungen betroffener Frauen.

Kurz davor ist es passiert untersucht das globale Phänomen des Frauenhandels und die Mechanismen und Machtsysteme, welche diese moderne Form der Sklaverei quer durch alle Gesellschaftsschichten ermöglichen. Anja Salomonowitz wählt einen ungewöhnlichen Zugang zum Thema: Ihr Film basiert auf den realen Erzählungen von Opfern, aus denen die Regisseurin ein semidokumentarisches Drehbuch erarbeitet hat. Die Geschichten werden nicht von Schauspielern und Schauspielerinnen, sondern von Menschen nacherzählt, die mit den Ereignissen und Orten des Films in einer Beziehung stehen könnten, sei es als unbeteiligt Mitwissende, sei es als Beteiligte auf beiden Seiten des Gesetzes. Ein Film über falsche Versprechungen, Ausbeutung, Schuld, Gewalt und Enttäuschung. Der Film bringt die Erzähllogiken von filmischer Fiktion und Dokumentation in ständig neue Beziehungen zueinander: Stilisierte Bilder geben Einblicke in den Alltag eines Grenzbeamten, eines Bordellkellners, einer Nachbarin, einer Konsulin und eines Taxifahrers. Die Sequenzen sind zu konstruiert, um dokumentarisch zu sein, der Alltag wird zum Filmischen verfremdet - die Menschen, Orte und Situationen sind aber real. Die Oberfläche der Bilder wird von anderen Geschichten durchbrochen, die als Texte rezitiert werden. Alle Orte, die der Film zeigt, kommen in den realen Geschichten der Frauen vor. Sie erzählen von Wirklichkeiten, die geschehen sind, und die an den Orten, die gezeigt werden, geschehen hätten sein können. Indem das Dokumentarische, das Konstruierte, das Narrative sich ständig gegenseitig unterlaufen, entsteht der Effekt einer doppelten Verfremdung, die jegliche Identifikation mit den Protagonisten verweigert. Damit arbeitet der Film die Momente der Verstrickung des Alltäglichen mit den Geschichten des Frauenhandels heraus. (Nora Sternfeld)

(Text: Viennale 2006)

Details

Anja Salomonowitz
David Salomonowitz, Florian Richling
Jo Molitorisz
Anja Salomonowitz
Polyfilm

Kritiken

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User Kritiken

  • {{{ SELECTION }}}
    Anja Salomonowitz hat bereits mit "Das wirst du nie verstehen" (V'03) einen sehr eindrucksvollen und persönlichen Dokumentarfilm vorgelegt - die drei portraitierten Frauen stammen alle aus Samomonowitz' Familie.
    Das neue Werk ist eigentlich semi-dokumentarisch, die wahren Geschichten von Frauen, die Opfer von "human trafficking", also Menschenhandel, geworden sind, werden in Spielsequenzen nacherzählt, ein bemerkenswerter Zugang.
    Salomonowitz ist nur eine der jungen Dokumentarfilmemacherinnen, die dieses Jahr bei der Viennale vertreten sind. Ebenfalls in der {{{ SELECTION }}}: Andrina Mracnikar ("'Der Kärntner spricht deutsch'", ja die doppelten Anführungszeichen sind Absicht!)

    Re:{{{ SELECTION }}}
    Naja, gut gemeint und sicherlich auch innovativ Geschichten auf diese Art zu erzählen. Nichts desto trotz ist das ganze leider alles andere als fesselnd, ganz im Gegenteil. Die emotionslos aufgesagten, wie abgelesenen Sätze, laden eher zum weg- denn zum hinhören ein, das ganze wird schon nach wenigen Minuten furchtbar mühsam und nervig. Für einen Kurzfilm hätte das auf die Art möglicherweise gereicht, aber einen abendfüllenden Spielfilm draus zu machen war meiner Ansicht nach eher kein eso gute Idee... Die Preise seien ihr vergönnt, aber man würdigt hier wohl eher ein "politisch korrektes Werk", als einen gelungenen Film. Nichts für ungut bitte...