Die Spielregel

 F 1939

La Règle du jeu

Drama 107 min.
8.10
Die Spielregel

Eine breit angelegte Exposition macht mit einer bunten Palette von Charakteren bekannt, die sich später auf dem Landsitz des Marquis de la Chesnaye zur Jagd und sommerlichen Vergnügungen zusammenfinden. Da ist der von mechanischen Spielzeugen faszinierte Marquis selbst, der seiner Geliebten Geneviève den Abschied geben möchte, da ist Christine, seine Frau (Nora Gregor), eine Österreicherin, die in der französischen Haute Volée immer ein wenig fehl am Platz wirkt und mit dem heftigen Begehren des Flugpioniers Jurieu erst recht nichts anzufangen weiß, da ist der ewige Clown Octave (Jean Renoir), der überall dabei ist und nirgends hingehört. So kann ein munterer Reigen erotischer Irrungen und Wirrungen beginnen, an dem neben vielen anderen Gästen auch die zahlreichen Dienstboten des Landsitzes Teil haben. Während des großen Sommerfestes wird der Reigen für einen fatalen Moment zum Totentanz, doch gleich heißt es: Schwamm drüber. Das Spiel geht weiter. Die «flatterhaft ehrliche Art», mit der die aus Österreich vertriebene Nora Gregor ihre prekäre Lebenssituation zu bewältigen suchte, sei zur entscheidenden Inspiration für La Règle du jeu geworden, erinnert sich Renoir. Und in der Tat steht die Figur der Christine zwar nicht im Vordergrund, aber doch im Zentrum eines Spiels, an dem sie selbst nur halbherzig beteiligt scheint. So gibt sie die Folie ab, auf die die Anderen ihr Begehren, ihre Ansprüche und ihre Unsicherheiten projizieren können, und so entsteht ein Film, der über seinen zeitkritischen Gehalt hinaus auch dramaturgisch und stilistisch Maßstäbe gesetzt hat.

(Text: Viennale 2008)

Details

Nora Gregor, Marcel Dalio, Roland Toutain, Jean Renoir, Mila Parély, Paulette Dubost, Gaston Modot, Julien Carette, Odette Talazac
Jean Renoir
Roger Desmormières, Joseph Kosma (Mozart, Monsigny, Chopin, Saint-Saens, E. Rosi, Salabert, V. Scotto, Johann Strauss u.a.)
Jaques Lemare
Jean Renoir, Carl Koch

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Eine Jagdgesellschaft
    Dieses Portrait einer Gesellschaft ist, obwohl es aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammt, immer noch ziemlich aktuell. Wir sehen das Ende der Aristokratie vor dem 1. Weltkrieg mit der typischen Zweiklassengesellschaft, wobei Machtart und Teile der langen Dialoge des Klassikers heute noch ihre Berechtigung haben. Stellenweise screwball comedy, dann wieder auch Verwechslungskomödie führen alle Beteiligten zu größeren Erkenntnissen über sich selbst. Loyalität der Domestiken ist ebenso selbstverständlich wie ehrenrührige Prügeleien der hohen Herren. Die Rolle, die Regisseur Renoir hier spielt, bringt am Ende sogar noch eine überraschende Wende mit fatalen Folgen. Zuvor gab es mehrfach Grund zum Schmunzeln bei dem ewigen Bäumchen-wechsel-dich-Spiel. Es gelten bei der Jagd wie in der Gesellschaft allgemein gewisse Regeln. Sie bieten Schutz und dienen der standesgemäßen Selbstbehauptung. So ist wohl auch das Ende zu verstehen.