Le Coup Du Berger

1956

Avantgarde

Das Thema von Le coup du berger ist einfach wie eine Mathematikaufgabe. Daher auch der Titel, der dem Vokabular der Schachspieler entliehen ist [Schäferzug]. Dies könnte ebenso gut die Inhaltsangabe eines Schwanks oder einer italienischen Komödie sein, dennoch, es gehört unter Vermischtes: Eine junge Frau erfindet eine Ausrede, um vor ihrem Mann das Tragen des Pelzmantels zu rechtfertigen, den sie von ihrem Liebhaber bekommen hat. Sie gibt den Mantel in einem Koffer bei der Gepäckaufbewahrung ab und behauptet, den Abholschein zufällig in einem Taxi gefunden zu haben. Um ihrer Lüge noch mehr Wahrscheinlichkeit zu verleihen und den Mann, den sie betrügt, zu kompromittieren, lässt sie den Koffer von ihm selbst abholen. Als sie das Paket öffnet, ist der Mantel verschwunden. In der letzten Sequenz des Films wird die junge Frau verstehen, wer sie getäuscht hat.

Ich weiß, dass Rivette musikalische Bezüge allen anderen vorzieht, und es wäre kein Fehler, zu seinem Film eher eine Partitur von Strawinsky zu zitieren als einen Film. Trotzdem, wer diesen Redakteur der «Cahiers» kennt, muss erstaunt sein über die Affinität, die er zu Fritz Lang hat. Ich beschränke mich hier allein auf die Probleme, die die Personen des Films stellen, von denen auf den ersten Blick keine sympathisch ist: Da ist zunächst der Geliebte, der gibt und nicht versteht. Er schafft die Forderung, und dann organisiert sich alles um die junge Frau. Claire ist für ihren Liebhaber, was ihr Ehemann für sie selbst ist. Die drei Personen existieren nur in Bezug zueinander und rechtfertigen sich durch eine Art moralischer Übereinstimmung. Und dann gibt es schließlich noch die andere, diejenige, die den Tausch sanktioniert: Man weiß nicht, wie gerissen sie ist, aber alles deutet darauf hin, dass sie die Bedingungen dieses Kuhhandels festgelegt hat.

Viennale ´02

  • Schauspieler:Virginie Vitry, Jean-Claude Brialy, Anne Doat, Jacques Doniol-Valcroze, Jacques Rivette, Jean-Luc Godard, François Truffaut, Claude Chabrol

  • Regie:Jacques Rivette

  • Kamera:Charles Bitsch

  • Autor:Jacques Rivette

  • Musik:François Couperin

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