Die Zeugen (2007)

 F 2007

Les Témoins

Drama 115 min.
6.90
film.at poster

Der Film thematisiert die Zeitenwende in den Geschlechterverhältnissen, den Ausbruch von AIDS in den 80er Jahren.

Sarah und der Polizist Mehdi haben gerade ein Kind bekommen, für das ihnen noch kein Name einfallen will. Ihr Freund, der Arzt Adrien, hat sich verliebt in Manu, für den aber noch keineswegs ausgemacht ist, dessen Liebhaber zu werden. Er beginnt eine Affäre mit Mehdi. Unterdessen träumt Manus Schwester davon, in Paris eine Karriere als Opernsängerin zu beginnen. Manu erinnert an die Hauptfiguren aus Téchinés Ich küsse nicht und Alice und Martin: ein Junge aus der Provinz, dem die Großstadt erscheint wie eine Auster, die darauf wartet, von ihm geöffnet zu werden. Der Regisseur behandelt erstmals ein Thema, das ihm bislang fremd war: die Zeitenwende in den Geschlechterverhältnissen, der Ausbruch von AIDS in den 80er Jahren.

Manu hat sich infiziert. Die Dringlichkeit, auf der die Filmmusik Philippe Sardes besteht, ist nun eine andere, verzweifelte geworden. Sie begleitet die Schockwellen, die durch das kleine Gemeinwesen des Films wogen, das zusammengehalten wird von Freundschaft und Verantwortung, von Eifersucht und Wut. Eine Utopie wird hier konfliktreich gelebt, ein gegenseitiges Berühren, Verletzen und Trösten, das die sozialen und ethnischen Gegensätze, die Grenze zwischen Homo- und Heterosexualität überwindet.

(Text: Identities - Queer Film Festival 2007)

Details

Michel Blanc, Emmanuelle Béart, Sami Bouajila, Julie Depardieu, Jacques Nolot, u.a.
André Téchiné

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Bloß keine Zeugen
    André Téchiné, der Meister der psychologischen Tiefgründigkeit, will uns hier die Aids-Problematik vor Augen führen. Und dabei fährt er durch recht seichte Gewässer. Es geht natürlich homo- und heteromäßig zur Sache – bis die Krankheit ausbricht. Die Beteiligten durchleben Zurückweisung und Annäherung, wie in der Ehe von Sarah und Mehdi (Emmanuelle Béart und Sami Bouajila). Mehdi, der junge Vater ist auch noch bi. Es gibt etwas Todesangst aber auch Lebensgier (‘Wir vögeln uns in den siebten Himmel!‘). Am Ende stirbt zwar Manu (Johan Libéreau), ein Betroffener sang und klanglos, aber alles ist dann wieder F.F.E. Will uns das der Regisseur wirklich sagen? Uns den Zeugen? Zumindest unterstützen das die drei Kapitelüberschriften: Glückliche Tage, Krieg, der Sommer kehrt zurück.
    Das mit Aids ist wohl gar nicht so schlimm, man muss es nur richtig handeln, oder wie? Bloß keine Panik!? Alle machen weiter wie bisher und sind bumsfidel! Das wäre aber angesichts dieser immerwährenden Gefahr eine glatte Verharmlosung der Dinge.
    Auch die Darsteller fühlen sich nicht so richtig wohl in diesem Streifen. Kann ich verstehen. Sie verkaufen uns ein Stück Sahnetorte, das mit Senf gefüllt ist. Da mache ich von meinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. K.V.