Liebe 1962

 I/F 1962

L' Eclisse

Drama 123 min.
7.90
Liebe 1962

Eine Frau irrt durch Rom auf der Suche nach einem Mann, nach sich selbst oder nach gar nichts

Kurze Begegnungen mit Männern machen ihre Einsamkeit umso deutlicher; am Ende wird sich die Sonne für einen Moment verfinstern, ohnehin scheint in den Straßen Roms nur mehr Dunkelheit zu herrschen. Einer der Kultfilme der 1960er Jahre handelt von der Auflösung sozialer Beziehungen, und konsequent bringt Antonioni die Figuren schließlich zum Verschwinden. Monica Vitti irrt durch Rom, als wäre es ein modernes Ninive kurz vor dem göttlichen Strafgericht. Eine «Logik des Verschwindens» wollen Experten in all diesen unerklärlichen und unerklärten Vorgängen ausmachen, wenn Personen genauso unmotiviert plötzlich auf der Bildfläche erscheinen wie einige Handlungsfäden sich im Nichts verlieren. Selten denkt man diese «Logik» allerdings zu Ende, und selten verschafft man sich Klarheit über deren Prämissen, die aus der literarischen Moderne stammen. Wie ein Erzähler, der sich zu weit in die eigenen Geschichten hineinwagt und unversehens selbst miterzählt wird, folgt die Kamera einem Geschehen, das vom Verschwinden handelt, wie von dem, was zurückbleibt. Nirgends ist das beklemmender zu sehen als in den letzten sieben Minuten von LEclisse. Monica Vitti ist mit Alain Delon an einer Hausecke verabredet, und wir warten. Wind zerzaust die Bäume, ein Trabrennfahrer, ein Linienbus passieren die Szene, eine Zeitung verkündet: «Der Friede ist schwach.» Dann verfinstert sich die Sonne. (Bert Rebhandl)

(Text: Viennale 2004)

Details

Moniva Vitti (Vittoria), Alain Delon (Piero), Francisco Rabal (Riccardo), Louis Seigner (Ercoli), Lilla Brignone (Vittorias Mutter)
Michelangelo Antonioni
Giovanni Fusco
Gianni Di Venanzo
Michaelangelo Antonioni, Tonino Guerra, Elio Bartolini, Ottiero Ottieri

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Sonnenfinsternis & Fragezeiche
    Das ist Arthouse hoch drei. Der deutsche Titel ist in Bezug auf den Inhalt des Films ebenso nichtssagend wie der des Originals. Folgt man erstaunt der angedeuteten Handlung, ist man auch nicht schlauer. Piero (Alain Delon) und Vittoria (Monica Vitti) begegnen sich, verfolgen sich, küssen sich endlich, schlafen vielleicht miteinander. Aus!
    Es ist die brillante Sinnlosigkeit des Lebens. Obwohl es die Börse gibt, lebt man an ihr vorbei. Wozu gibt es sie eigentlich hier?
    Eine Erkenntnis ist, dass Alain Delon Italienisch kann, Monica Vitti schaut gekonnt ins Leere und zickt etwas rum. Wenn man sie etwas fragt, sagt sie ‘Ich weiß nicht‘.
    Bindungsunfähigkeit, Bindungsunwilligkeit, innere Leere, die Menschen sind wandelnde Eisklötze. Mütter verzocken sich. Die Welt ist ein Chaos, in dem sich die Sonne verfinstert. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen ohne auf einen Sinn zu treffen.
    War so die Liebe 1962? Dann wären wir wohl ausgestorben.
    Ich kann hier dem großen Antonioni nicht ganz folgen. Gut, das glatte Ambiente fällt auf. Mancher erkennt einen verklausulierten Existenzialismus. Dann passt wieder die Sinnsuche nicht. Das Leben bewegt sich reglos und ziellos im Kreise. Das ist ein Bilderbogen der Ratlosigkeit, die Inkarnation eines Fragezeichens.