Liverpool

 Argentinien/F/NL/E/D 2008
Drama, Independent, Avantgarde 84 min.
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Wer La libertad oder Los muertos von Lisandro Alonso kennt, der weiß, dass der junge argentinische Regisseur immer wortkarg erzählt, dass hier das Entscheidende ganz nebenbei in kleinsten Gesten enthüllt wird. Und dass seine der klassischen Kinomoderne verpflichteten Geschichten um einsame Männern kreisen, die weite Reisen unternehmen: in die Provinz, ins argentinische «Heart of Darkness». Liverpool zeigt Farrel, einen etwa 45-jährigen Mann. Er ist Matrose, am Anfang sieht man ihn bei der Arbeit auf einem Containerschiff. Als der Hafen erreicht ist, geht er an Land; sein offenbar sämtlicher Besitz passt in eine große Reisetasche. Wie ein entlassener Sträfling - die Hauptfigur von Los muertos - reist er durchs Land, das immer bergiger und kälter wird, schließlich verschneit: Patagonien. Man glaubt zu spüren, dass ihn etwas belastet, dass die Spannung wächst; die Abwesenheit von Glück oder Erleichterung ist offenkundig. Die Reise führt in Kneipen und Hotels. Ein Hauch von Kaurismäki liegt in vielen Szenen, sowohl durch ihre Lakonie, aber noch mehr in ihrer Inszenierung. Doch im Gegensatz zu Kaurismäki sind bei Alonso die Tragödien nicht hinter etwas versteckt, was man als absurden Humor begreifen und abtun könnte. Denn was sich enthüllt, als der Mann ankommt, kurz dableibt und dann wieder abreist, ist eine Tragödie. (Rüdiger Suchsland) Lisandro Alonso zählt zu den eigensinnigen Köpfen des Weltkinos. In Liverpool greift er noch einmal Motive aus seinem bisherigen Oeuvre auf: ein einsamer Mann, ein Kosmos aus einfachen, alltäglichen Handgriffen, die Wortkargheit, die Suche. Doch wo Alonso in seinen bisherigen Arbeiten die üppigen grünen Landschaften der Pampa oder des argentinischen Nordostens filmte, wo er Sex rau in Szene setzte und das Schlachten echter Tiere ohne Schnitt verfolgte, nimmt er sich jetzt, in den verschneiten, bergigen Weiten Feuerlands, zurück. Seine Sensibilität für Farbe, für Licht, für Rhythmus und Details kommt dadurch umso besser zur Geltung. (Cristina Nord)

(Text: Viennale 2008)

Details

Juan Fernandez (Farreb| Giselle Irrazabal (Analia), Nieves Cabrera (Trujillo)
Lisandro Alonso
Flormaleva
Lucio Bonelli
Lisandro Alonso, Salvador Roselli

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