Malina

D, A, 1990

DramaLiteraturverfilmung

Min.125

Das ist schon eine eigenartige Konstellation: Da ist Ingeborg Bachmanns (einziger) Roman, ein trotziges Dokument zur Absurdität der Weiblichkeit in unserer Welt, dargestellt in einem langen, quälenden Prozess der buchstäblich entflammenden Folge von Tod und Wiedergeburt bis zur endgültigen Selbstauflösung. Da ist Elfriede Jelineks Drehbuch: «Ich glaube, dass Frauen Kunstproduktion buchstäblich mit ihrem Leben bezahlen.» Und da ist Werner Schroeter, eines der bizarreren Talente des deutschen Films, ein unbescheidener Inszenator von Emotionsopern, Passionsgeschichten von Menschen, die scheitern, wenn sie ihr Recht auf Leben über das Todesmaß des «Normalen» einfordern. Aus ihrem Zusammentreffen ist ein Film für die Schauspielerin Isabelle Huppert entstanden, bei deren Präsenz der ehrfürchtige Schauer noch die hinterste Kinoreihe erreicht. Malina ist ein erstaunlich disziplinierter Film geworden. Die Frau - sie hat wie im Roman auch im Film keinen Namen - ist Schriftstellerin. Sie lebt in Wien mit einem Mann namens Malina zusammen, der ihr Halt und Alltagsvernunft gibt. Eines Tages trifft die Frau auf Ivan und stürzt in eine maßlose, ausschließliche Liebe, an der sie nur zerbrechen kann. Während sie immer deutlicher erfährt, dass der Mann solche radikalen Gefühle nicht erwidern kann, wird sie immer mehr Gefangene ihrer Träume und ihrer Wohnung in Wien, in der sie ständig Briefe und Manuskripte in Flammen setzt. Am Ende ist Malina nicht mehr ihr Beschützer, sondern vielleicht ihr Mörder. Schroeters Kamera (geführt von der bewundernswerten Elfi Mikesch) richtet sich unnachsichtig auf das Verfallen eines menschlichen Wesens, das durch einen absoluten Anspruch des Gefühls auf eine ebenso absolute Einsamkeit zurückgeworfen wird. Sie solle lernen, das Leben wie ein Spiel zu nehmen, rät ihr Ivan. Sie solle Ivan töten, meint Malina. Beides ist für die Frau undenkbar. Ihr bleibt bloß ein Verschwinden, das nur der Tod sein kann. Vermutlich konnte nur Isabelle Huppert dieser Kamera und dieser Geschichte standhalten. (Georg Seeßlen)
(Text: Viennale 2008)

  • Regie:Werner Schroeter

  • Kamera:Elfi Mikesch

  • Autor:Elfriede Jelinek nach dem gleichnamigen Roman «Malina» von Ingeborg Bachmann (Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main, 1971))

  • Musik:Bernhard Fritsch

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