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Serien-Tipps
08/05/2019

Die 8 besten Serien 2019 bei Amazon Prime und 2 kleine Enttäuschungen

Top & Flop: Unsere Serien-Lieblinge auf Amazon Prime und die kleinen Enttäuschungen des bisherigen Jahres.

von Erwin Schotzger

Amazon Prime, hierzulande immer noch die Nummer eins in Sachen TV-Streaming, hat in diesem Jahr (im Vergleich zu Netflix) relativ wenig Serien-Nachschub geliefert. Aber Amazon verfolgt auch eine andere Strategie als Netflix, denn neben den Filmen und Serien im Amazon Prime-Abo bietet Amazon wie eine echte Online-Videothek auch Filme zum Leihen oder Kaufen an. Dadurch sind bei Amazon oft auch Serien online verfügbar, die beispielsweise schon vorher bei Sky oder anderen Sendern gelaufen sind. Mit den Amazon-Channels bietet die Streaming-Plattform außerdem Zusatzpakete wie z.B. die Serien des US-Senders Starz auf StarzPlay oder Spartenkanäle wie Horror, Arthouse oder Dokumentationen.

Bei den Serien war die Auswahl diesmal gar nicht so groß. Das sind unsere Lieblingsserien des bisherigen Jahres auf Amazon Prime, plus eine kleine und eine doch recht große Enttäuschung:

 

TOP

 

THE BOYS, Staffel 1

Superhelden – oder "Supes" wie sie in der Serie heißen – sind in dieser gelungenen Superhelden-Serie für Erwachsene ein Big Business für den dubiosen Konzern Vought. Die Helden sind dekadente Narzissten, die nur ihren eigenen Vorteil im Sinn haben. Ihre übermenschlichen Fähigkeiten werden professionell vermarktet. Immer wieder entstehen Kollateralschäden bei ihren Einsätzen, die vertuscht oder klein geredet werden müssen. Der Computer-Nerd Hughie (Jack Quaid) verliert bei so einem Vorfall seine Freundin. Doch dann taucht Billie Butcher (Karl Urban) in seinem Leben auf und bietet ihn eine Lösung an: Rache an den Supes!

Amazon könnte mit "The Boys" sogar das "Game of Thrones" der Superhelden-Serien gelungen sein, denn die erste Staffel baut gekonnt die Charaktere auf und treibt die Story bis zu einem atemberaubenden Cliffhanger voran. Wir können die zweite Staffel schon jetzt kaum erwarten.

 

FLEABAG, Staffel 2

Die britische Dramedyserie von Phoebe Waller-Bridge, die nicht nur die Drehbücher schreibt, sondern auch die Hauptrolle spielt, ist das zweite Serien-Highlight von Amazon Prime. Die Hauptfigur Fleabag hat eine Neigung zu Selbstgesprächen, von der auch das Publikum profitiert. Immer wieder wendet sie sich direkt an den Zuschauer, wenn es in ihrem Leben wieder einmal drunter und drüber geht. Ihr kleiner Laden geht nicht sehr gut, was aber bei ihrem eher minimalistischen Einsatz auch niemanden wundern dürfte. Und dann wäre da noch ihr – wohlwollend gesagt – salopper Umgang mit meist vergebenen Männern und dem Konsum von Alkohol.

Die zweite ist noch lustiger als die erste Staffel. Allerdings hat Waller-Bridge die Geschichte von Fleabag schon zu Ende erzählt. Die Serie endet mit der zweiten Staffel schon wieder.

 

KILLING EVE, Staffel 2

Die erste Staffel der Adrenalin-geladenen Agenten- und Krimiserie gipfelte in einem fulminanten Finale zwischen der britischen MI6-Agentin Eve Polastri (Sandra Oh) und der russischen Auftragskillerin Villanelle (Jodie Comer). In der zweiten Staffel geht das Katz-und-Maus-Spiel natürlich weiter, ebenso Action-reich, wieder gut gemacht, aber nicht mehr ganz so faszinierend wie noch in der ersten Staffel. Vielleicht wäre es klug gewesen, die Geschichte mit der zweiten Staffel zu Ende zu erzählen. Das passiert natürlich nicht. Im Gegenteil: Das Finale der zweiten Staffel bietet einen ähnlichen Cliffhanger wie schon die erste Staffel. Fans können sich also auf eine dritte Staffel freuen. "Killing Eve" ist im StarzPlay-Channel von Amazon Prime enthalten.

 

HANNA, Staffel 1

Die Actionserie basiert auf dem Kinofilm "Wer ist Hanna?". Die titelgebende Hauptfigur, ein Mädchen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, spielt Esme Creed-Miles. Ihr Vater Erik (Joel Kinnaman, bekannt aus der Netflix-Serie "Altered Carbon") zieht sie isoliert im Wald groß, um sie vor der Verfolgung durch dubiose Agenten zu schützen. Sein Scheitern bringt letztlich die Handlung in Fahrt. Spannender Thriller und Coming-of-Age-Drama in Einem.

 

ABSENTIA, Staffel 2

Für die ehemalige FBI-Agentin Emily Byrne (Stana Katić) ist noch lange nicht Schluss. Neue Fälle wecken die Aufmerksamkeit von Emily, neue Charaktere im Zusammenhang mit diesen Verbrechen werden eingeführt. Natürlich stellt sich heraus, dass diese neuen Fälle in Verbindung mit den sadistischen Experimenten an Emily stehen. Sie kehrt zum FBI zurück, um bei den Ermittlungen dabei zu sein. Die Spannung der zweiten Staffel baut sich sehr langsam bis zu einer schrecklichen Auflösung auf, die jedoch genügend Fragen für eine dritte Staffel offenlässt. Wer die erste Staffel des Crime-Thrillers mochte, wird auch mit der zweiten Staffel hochzufrieden sein.

 

GOOD OMENS, Staffel 1

Die Serie auf Basis des gleichnamigen Buches von Terry Pratchett und Neil Gaiman wurde ein wenig gehypt. Tatsächlich überzeugt die Geschichte über den hedonistischen Dämon (David Tennant) und den pingeligen Engel (Michael Sheen), die gemeinsam den bevorstehenden Weltuntergang verhindern wollen, eher durch das gute Zusammenspiel von Tennant und Sheen als seltsames Pärchen als durch die Umsetzung der Story als Serie. Hier wurde Potenzial vergeudet, aber dennoch ist die Serie für Fantasy-Fans einen Blick wert.

 

AMERICAN GODS, Staffel 2

Mit "American Gods" verhält es sich ähnlich wie mit "Killing Eve": Nach einer faszinierenden ersten Staffel geht die Geschichte auf einem ziemlich guten Niveau weiter, aber die anfängliche Faszination ist nicht mehr ganz so groß wie in der ersten Staffel. Bei "American Gods" kommt hinzu, dass die Mystery-Handlung zwar immer noch recht beeindruckend umgesetzt wird, aber die Serie erzählerisch irgendwann zum Punkt kommen sollte. Trotzdem ist auch die zweite Staffel noch sehenswert.

 

NOS4A2, Staffel 1

Die Mystery-Horrorserie des "The Walking Dead"-Senders AMC verfilmt das gleichnamige Buch (deutscher Titel: "Christmasland") von Joe Hill (hinter dem Pseudonym steht Joseph King, der älteste Sohn von Stephen King). Das englische Akronym "NOS4A2" (für "Nosferatu", englisch ausgesprochen) steht auf dem Nummernschild des schwarzen Rolls-Royce Wraith, Baujahr 1939, der von Charlie Manx gesteuert wird. Der unheimliche Mann, gespielt von Zachary Quinto (bekannt als neuer "Mr. Spock"), ist eine Art von Vampir. Nachts holt er sich Kinder, von deren Seelen er lebt. Die 18-jährige Vic McQueen (Ashleigh Cummings) nimmt den Kampf gegen den Vampir auf. Obwohl die Serie teilweise Klischees reitet und sich stellenweise nicht zwischen Horror-Mystery und Coming-of-Age-Drama entscheiden kann, überzeugt die Serie letztens durch die gute Besetzung, allen voran die beiden Hauptdarsteller Zachary Quinto und Ashleigh Cummings.

 

FLOP

 

FUTURE MAN, Staffel 2

Die erste Staffel der Hulu-Serie war ein atemberaubender Trip durch die Zeit voller cineastischer Easter Eggs, eine Hymne auf Trash-Movies und ein Freudenfest für Popkultur-Nerds. Es war ja irgendwie klar, dass die Mission von Josh Futterman (Josh Hutcherson) und seinen Freunden aus der Zukunft, Tiger (Eliza Coupe) und Wolf (Derek Wilson), noch nicht vorbei ist. Aber die zweite Staffel hält sich leider zu lange mit verworrenen Zeitreise-Handlungssträngen auf. Dem Humor fehlt oft die grenzgeniale popkulturelle Einbettung, dadurch wirken die Witze und Metaphern oft billig und aufgesetzt. Gemessen an der großartigen ersten ist die zweite Staffel daher eine kleine Enttäuschung für uns. Wir hoffen, dass die dritte und letzte Staffel diesen Eindruck wieder ausbügeln kann.

 

TOO OLD TO DIE YOUNG, Staffel 1

Star-Regisseur und Drehbuchautor Nicolas Winding Refn, bekannt für Kino-Meisterwerke wie "Drive", "Only God Forgives" und "The Neon Demon", hat sich also im Serien-Format versucht. Doch wer eine epische Erzählung erwartet (es ging wieder einmal um Rache), wird mehr als enttäuscht werden. Denn episch ist hier nicht die Erzählung, sondern vor allem die Ästhetik. Die visuelle Aufbereitung, also die Verpackung, dominiert hier ganz klar über den Inhalt. Was in einem zwei- bis dreistündigen Film mit Faszination als kunstvolle Darstellung wahrgenommen wird, verkommt in der zehnteiligen Serie schnell zur endlosen, zwar schön anzuschauenden, aber letztendlich inhaltsleeren Inszenierung. Die Kompromisslosigkeit, mit der Refn seine Kinoästhetik im Serien-Format durchziehen will, grenzt an unreflektierte Selbstverliebtheit. Uns war ziemlich schnell sehr langweilig – und das dürfte vielen so gegangen sein, denn eine zweite Staffel wird es nicht geben. Keine kleine, sondern die Serien-Enttäuschung des Jahres (nicht nur auf Amazon Prime beschränkt).