© Netflix

News
08/06/2019

Die 9 besten Serien 2019 bei Netflix und 1 galaktische Enttäuschung

Top & Flop: Unsere Serien-Lieblinge auf Netflix und die größte Enttäuschung des bisherigen Jahres.

Netflix hat in diesem Jahr wieder mit Hochdruck für Serien-Nachschub gesorgt. Zwar sind nicht alle Serien auch echte Netflix-Originale, manche hat der Streaming-Gigant "nur" in anderen Ländern für den exklusiven Vertrieb bei uns eingekauft. Aus Sicht des Zuschauers macht das aber keinen Unterschied. Aus der Fülle von Serien-Stoff haben wir uns 10 neue oder fortgesetzte Serien herausgepickt: 9 haben uns im bisherigen Serienjahr begeistert, eine hingegen müssen wir widerwillig, aber doch als – ohne Übertreibung – galaktische Enttäuschung abhaken.

 

TOP

 

Serien-Review: "Stranger Things 3"

STRANGER THINGS, Staffel 3

Seit dem Ende von "Game of Thrones" ist die Mystery-Serie wohl die populärste noch laufende TV-Serie der Welt. Das wundert nicht wirklich, denn dank gelungenem Genre-Mix und perfektem Retro-Style versammelt Netflix mit der Serie die Generationen ab (offiziell) 16 Jahren vor dem Fernseher. Stranger Things" bietet auch in der dritten Staffel " noch immer Fun, Action und Spannung auf höchstem Binge-Watching-Niveau, auch wenn die Story ein wenig dünner wird.

Hier ist unser detaillierter Review der dritten Staffel:

SEX EDUCATION, Staffel 1

Otis Milburn (Asa Butterfield) ist 16 Jahre und ein eher schüchterner Typ. Ganz anders als seine tolerante Mutter (Gillian Anderson), die als erfolgreiche Sextherapeutin ihr Geld verdient. Dass Otis bei so einer Mutter einige Komplexe abbekommen hat, wundert nicht. Aber die Profession der Mama hat auch Vorteile: Otis ist wahrscheinlich die Jungfrau mit der meisten Sex-Erfahrung auf dem Planeten – in der Theorie, versteht sich. Sein Talent zur einfühlsamen Sex-Beratung fällt an der Schule der coolen Maeve (Emma Mackey) auf – und schon ist eine Geschäftsidee geboren: Diskrete Sex-Beratung von Schülern für Schüler.

Dabei bricht "Sex Education" gekonnt mit bekannten Klischees, die wir aus Serien und Filmen kennen. Die anfangs genretypisch angelegten Charaktere erlangen bald eine authentische Tiefe, auch dank der hervorragenden Besetzung. Das Thema Sex wurde in einer Serie selten so gelungen behandelt wie in dieser achtteilige Dramedy, die stets den richtigen Dreh zwischen Humor und Ernsthaftigkeit findet. Serien-Spaß mit einem hohen Binge-Watching-Faktor!

 

LOVE, DEATH & ROBOTS, Staffel 1

Die Animationsserie für Erwachsene besteht aus 18 Kurzfilmen, die eine jeweils abgeschlossene Geschichte erzählen. Die Science-Fiction-Geschichten stammen von verschiedenen Autoren und sind auch in unterschiedlichen Animationsstilen umgesetzt. Manche Episoden sind besser als andere, aber das ist oft auch eine Geschmacksfrage. Thematisch kreist die Handlung immer um eines oder mehrere der im Titel vorgegebenen Themen. Jedenfalls ist Netflix mit "Love, Death & Robots" eine erfrischend kurzweilige Anthologie-Serie gelungen, die Lust auf mehr Animationsfilme macht und auch das Interesse an japanischen Anime-Filmen wecken kann.

 

MATRJOSCHKA, Staffel 1

Das Murmeltier lässt grüßen: In der amüsanten Dramedy "Russian Doll", so der Originaltitel, durchlebt die New Yorkerin Nadia Vulvokov (Natasha Lyonne) die Nacht ihres 36. Geburtstages immer wieder. Denn jedes Mal, wenn Nadia stirbt, startet sie aufs Neue in der Nacht ihrer Geburtstagsparty, vor dem Spiegel auf der Toilette. Nach einer kurzen Panikphase macht sich die griesgrämige Frau auf die Suche nach dem Grund für ihre festgefahrene Situation. Daraus wird für Nadia ein Selbstfindungstrip, der dem Publikum acht Episoden voller schwarzem Humor beschert. 

 

TITANS, Staffel 1

Die DC-Superheldenserie "Titans" ist kein Netflix-Original wie "The Umbrella Academy", sondern eine Produktion von DC Universe, die Netflix außerhalb der USA anbietet. Im Mittelpunkt stehen die aus den Comics bekannten "Teen Titans", die Teenage-Superhelden von DC. Trotzdem ist "Titans" eine ziemlich düstere und gewalttätige Serie. Rund um Dick Grayson, dem ehemaligen Robin, formiert sich eine Team. Neben Starfire und Beast Boy spielt vor allem die jugendliche Superheldin Raven eine zentrale Rolle. Obwohl die Serie von Greg Berlanti produziert wird, der für weichgespülte Superhelden-Seifenopern wie "Arrow", "The Flash" und "Supergirl" oder auch die Teenie-Kultserie "Riverdale" bekannt ist, hat uns die erste Staffel durch die gute Charakterentwicklung und spannende Zusammenführung des Teams überzeugt. Eine zweite Staffel ist bereits in Planung.

 

POSE, Staffel 1

Im Mittelpunkt der Serie über die New Yorker Ballroom-Kultur in den 80er-Jahren steht die Rivalität zwischen der Transfrau Blanca (MJ Rodriguez) und ihrer ehemaligen Mentorin Elektra (Dominique Jackson). Blanca gründet das "House of Evangelista". Die "Häuser" der Ballroom-Kultur, einer Subkultur der LGBT-Gemeinschaft, treten bei Wettbewerben, den sogenannten "Balls", gegeneinander an, bei denen es unter anderem um Tanz geht.

Die Serie des US-Senders FX stammt von Ryan Murphy und Brad Falchuk, deren TV-Ästhetik bereits durch Serien wie "Nip/Tuck", "Glee", "American Horror Story" und American Crime Story" hinreichend bekannt ist. Kenner dieser Serien wird es daher nicht wundern, dass "Pose" seine Geschichte teilweise recht holprig und lückenhaft erzählt, aber visuell eine Augenweide ist. Der glamouröse Stil sowie der mit Pathos vorgetragene Konflikt zwischen Mainstream und Subkultur machen diese Serie zu einem TV-Erlebnis.

 

HOW TO SELL DRUGS ONLINE (FAST), Staffel 1

Der 17-jährige Moritz Zimmermann ist ein ziemlicher Nerd: Schmächtig, schüchtern und ein Computer-Freak. Als seine hübsche Freundin Lisa eine "Beziehungspause" einlegt und plötzlich auf den gutaussehenden Ecstasy-Dealer der Schule steht, tickt der Nerd völlig aus. Eher ungewollt steigt er ins Drogengeschäft ein. Vom Liebeskummer abgesehen hat er nun auch noch eine stattliche Menge Ecstasy am Hals, die er schleunigst loswerden muss - vor allem um seine Schulden beim Großdealer zu bezahlen. Dabei kommt ihm das Online-Shop-Konzept seines besten Freundes Lenny zugute, der ein noch besserer Programmierer ist als Moritz selbst. Da heutzutage sowieso jeder online einkauft, basteln sich die beiden Nerds einen einen Online-Shop für Ecstasy im Darknet.

Eine jugendliche Version der Kultserie "Breaking Bad" ist die lustige Geschichte aber nicht, die übrigens von einer wahren Begebenheit inspiriert ist. Vielmehr ist die dritte Netflix-Serie aus Deutschland (nach "Dark" und "Dogs of Berlin") eine gelungene Coming-of-Age-Komödie über Freundschaft, die nebenbei auch über jugendliche Kommunikationsgewohnheiten und die Gefahren des Internets erzählt. Die sechs Episoden der ersten Staffel wurden von der Bilduntonfabrik produziert, die durch die TV-Show von Jan Böhmermann bekannt wurde. Eine zweite Staffel ist bereits fix.

 

QUICKSAND, Staffel 1

Die sechsteilige Crime-Miniserie aus Schweden erzählt von der verhängnisvollen Beziehung der 18-jährigen Maja Norberg (Hanna Ardéhn), die in einer Schießerei an einer Schule in einem elitären Vorort Stockholms endet. Maja wird als Mittäterin angeklagt. In Rückblicken erfahren wir, wie es – aus der Sicht von Maja – zu der Gewalttat kam und was genau passiert ist. Das Drehbuch des Crime-Thrillers hat Camilla Ahlgren, bekannt durch die großartige Krimiserie "Die Brücke", nach der Romanvorlage "Im Traum kannst du nicht lügen“ von Malin Persson Giolito geschrieben. Ein nervenaufreibender TV-Albtraum, auch und vor allem für Eltern!

 

THE UMBRELLA ACADEMY, Staffel 1

Die neuen Superhelden von Netflix kommen diesmal nicht aus dem Hause Marvel, sondern beruhen auf einer kultigen Comic-Vorlage des Dark Horse Verlages. Anfangs ist Geduld gefragt, denn zunächst glänzt die Netflix-Serie eher mit dem Retro-Design und der visuellen Detailverliebtheit, weniger mit Spannung oder Action. Das ändert sich erst in der Mitte der zehnteiligen Staffel. Dann nimmt die Serie aber deutlich an Fahrt auf und endet mit einem interessanten Cliffhanger.

 

FLOP

 

STAR TREK: DISCOVERY, Staffel 2

Die erste "Star Trek"-Serie nach langer TV-Abstinenz hat schon in der ersten Staffel die Trekkies polarisiert. Schon das Konzept, ein Prequel der der klassischen Originalserie, war nur auf den ersten Blick eine gute Idee. Die Umsetzung war höchst zwiespältig: Visuell großartig und auf der Höhe der Zeit (wenn man vom Aussehen der Klingonen einmal absieht), aber erzählerisch durchwachsen. Viele Trekkies beklagten die düstere Tonalität der Serie, aber wirklich störend waren die vielen Plot-Holes und der inkonsistente Erzählstil.

Die zweite Staffel begann vielversprechend. Die neuen (und schon wieder alten) Showrunner leisteten gelungene Aufräumarbeit und bügelten einige Fehler der ersten Staffel aus. Doch dann kam Alex Kurtzman (nach fünf Episoden) wieder als Showrunner zurück. Leider stellte sich bald heraus, dass Kurtzman das eigentliche Problem zu sein scheint: Plötzlich war die Serie wieder durchlöchert von absurden Plot-Holes und unlogischen Handlungen der Charaktere, die oft nur der Effekthascherei dienen. "Star Trek", immer das Paradebeispiel für Science-Fiction, wurde immer mehr zu einer Fantasy-Serie im Stil von "Star Wars". Statt Föderation und Sternenflotte stand immer mehr die Burnham-Saga im Mittelpunkt. Sogar einen "Luke, ich bin dein Vater"-Moment hat Kurtzman eingebaut, nur war der Rote Engel diesmal halt die liebe Mama Burnham. Oh mein Gott! Und der Mann wurde auch noch zum Mastermind des "Star Trek"-Franchise befördert.

Naja, Star Trek: Discovery" haben wir jedenfalls nach der zweiten Staffel als "galaktische Enttäuschung" abgeschrieben: Nur schön anzuschauen, aber grottenschlecht geschrieben. Unsere Hoffnung liegt nun ganz auf der kommenden Serie "Star Trek: Picard" (Kurtzman hin oder her).

P.S.: Die dritte Staffel von "Star Trek: Discovery" spielt 1000 Jahre in der Zukunft. Damit fallen auch die Beschränkungen eines Prequels durch den Serien-Kanon weg und es ergeben sich mehr erzählerische Freiheiten. Leider ändert das nichts am schlechten Story Telling unter Kurtzman. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!