Vor der Linse: Wie kommt eine Oscar-Nominierung zustande?

Eine stilisierte Darstellung der Übergabe einer goldenen Trophäe.
Jedes Jahr werden weltweit tausende Filme mit hunderten SchauspielerInnen produziert, doch nur wenige von ihnen ergattern eine Oscar-Nominierung.

Die Oscarverleihung ist für viele Stars zweifelsohne der große Höhepunkt ihrer Karriere, doch wie kommt eine Oscar-Nominierung überhaupt zustande? Wir erklären es euch.

9000 Mitglieder

Die Oscar-Akademie besteht aus rund neuntausend Mitgliedern, die in 17 Kategorien darüber entscheiden, welche Filme für die Oscars nominiert werden. Die Mitglieder sind etablierte Filmschaffende, die in der ganzen Welt tätig sind, wobei jene aus den USA den größten Teil ausmachen. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie sich ein Film für die Auswahl bei den Oscars qualifizieren kann:

Der einfachste Weg ist eine Einladung von der Akademie, darauf dürfen oft die bekannteren Filme hoffen. Für die meisten Filme gibt es jedoch einen komplexen Auswahlprozess, für den gewisse Kriterien erfüllt werden müssen. Amerikanische Filme müssen zum Beispiel im Jahr vor der Oscarverleihung für einen bestimmten Zeitraum in den US-Kinos gezeigt worden sein.

Für Filme, die in der Kategorie bester internationaler Film konkurrieren, darf jedes Land einen Film ins Rennen schicken. In zehn Kategorien werden vorher Shortlists veröffentlicht. Darauf befinden sich zehn bis 15 Filme, die es in der engere Auswahl geschafft haben und somit einen Schritt näher zu einer Nominierung gelangt sind.

Geordnete Stimmabgabe

Aus dem Pool der antragsberechtigten Filme wählen die Oscar-Mitglieder die Nominierungen aus, wobei jeder Fachbereich gesondert über die Nominierungen in seinem Berufsfeld entscheidet. Das bedeutet, dass die Nominierung für beste Regie nur von RegisseurInnen und jene für beste Kamera nur von Kamerapersonen getroffen wird.

Jedes Mitglied darf fünf FavoritInnen abgeben, von denen die Akademie schließlich die Nominierungen ermittelt. Nur in der Kategorie bester Spielfilm, dürfen zehn Kandidaten genannt werden und alle Mitglieder der Akademie sind hier stimmberechtigt.

Eine goldene Oscar-Statue vor einem dunklen, roten Hintergrund.

Festivals und Preise

Nachdem die Nominierten feststehen, dürfen alle Mitglieder über die Vergabe der begehrten Trophäen mitentscheiden. Es hat sich in der Branche inzwischen etabliert, dass es gewisse Parameter gibt, die einen Film zum Oscarfavoriten machen können.

US-Produktionen versuchen seit einigen Jahren, die Weltpremieren ihrer ambitioniertesten Filme im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig unterzubringen. Das Festival findet Anfang September statt und hilft den jeweiligen Produktionen bei der medialen Aufmerksamkeit. Wer dort den Hauptpreis gewinnt, darf in den meisten Fällen auch zumindest auf eine Nominierung bei den Oscars hoffen.

"Joker" beispielsweise wurde 2019 in Venedig mit dem "Goldenen Löwen" ausgezeichnet und wurde schließlich elf Mal für den Oscar nominiert (erhalten hat er schließlich zwei). "The Banshees of Inisherin", eine großartige schwarze Komödie mit Colin Farrell und Brendan Gleeson, erhielt 2023 den Preis für das beste Drehbuch in Venedig und war nun für neun Oscars nominiert.

Oscar-Kampagnen

Neben der Festivalstrategie gibt es auch Millionen Dollar teure Oscar-Kampagnen, um die Gunst der Mitglieder zu erhaschen. Da nicht alle Auswahlberechtigten alle nominierten Filme anschauen, versuchen Studios und ProduzentInnen enorme Aufmerksamkeit durch teure Werbekampagnen für ihre Filme zu generieren. Das führt leider dazu, dass der ein oder andere Oscar nicht unbedingt an den oder die Beste geht, sondern das finanziell besser ausgestattete Filme das Feld dominieren.

Nichtsdestotrotz ist die Oscarverleihung ein Spektakel der Sonderklasse und rückt Filme ins Rampenlicht, die im Trubel der Blockbuster ansonsten untergehen könnten.