Serien-Review: "Star Trek: Picard", Staffel 1, Episode 1

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Serien-Review
01/27/2020

"Star Trek: Picard": Auf der Suche nach dem Vermächtnis von Data

Jean-Luc Picard ist zurück – und mit ihm ein realistischeres "Star Trek"-Universum, das die Kultserie direkt in das neue Serien-Zeitalter beamt.

von Erwin Schotzger

Beinahe zwei Jahrzehnte nach seinem letzten Auftritt in "Star Trek: Nemesis" (2002) ist Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) wieder zurück. Aber er ist nicht mehr derselbe Picard, den wir aus der Serie "Star Trek: The Next Generation" (1987 bis 1994) kennen. Der Idealist und Menschenfreund ist alt und müde geworden. Wir schreiben die Sternzeit 2399 und der Sternenflotten-Admiral ist schon seit 14 Jahren nicht mehr im Dienst. Er hat sich auf sein Weingut in Frankreich zurückgezogen, wo er mit Zhaban (Jamie McShane) und Laris (Orla Brady) lebt. Die beiden Romulaner sind die Wirtschafter, Haushälter und die guten Seelen des Château Picard. Sie kümmern sich liebevoll um den alten Mann.

Doch bevor wir weiter in die Tiefen der erste Folge von "Star Trek: Picard" vordringen: SPOILER-ALARM! Wer die Episode "Gedenken" (OT: "Remembrance") noch nicht gesehen hat, sollte an dieser Stelle unverzüglich die Spoiler-Schutzschilde hochfahren!

 

Die Schatten der Vergangenheit

Picard wird von Albträumen geplagt. Das mag auch daran liegen, dass er an diesem Tag sein erstes Live-Interview seit seinem Rückzug aus der Sternenflotte gibt. Es ist der Jahrestag der Hobus-Supernova, die vor rund 14 Jahren den Planeten Romulus und große Teile des Romulanischen Imperiums zerstört hat. Picard will mit dem Interview offenbar an diese galaktische Katastrophe erinnern. Denn vor 14 Jahren hätte eine Rettungsflotte auf Initiative und unter dem Kommando von Admiral Picard bei der Evakuierung der von der Supernova bedrohten Welten helfen sollen. Doch dazu kam es nicht.

Wieso erfahren wir im Live-Interview (und im Detail auch in einer späteren Episode). Zwar hätte es beim Interview nur um die Supernova gehen solle, aber die Interviewerin hält sich nicht an die Vereinbarung. So erfahren wir, dass die damals in der Sternenflotten-Werft Utopia Planitia in Bau befindliche Rettungsflotte bei einem verheerenden Angriff zerstört wurde. Die Attacke auf den Mars ging von "abtrünnigen Androiden" aus, die nicht nur die Raumschiffe und die Werft zerstörten, sondern auch den Mars verwüsteten. Es gab damals über 92.000 Todesopfer. Diese Attacke führte zum Verbot von Androiden in der gesamten Föderation. Eine Maßnahme die Picard für einen Fehler hält. Bis heute ist nicht bekannt ist, warum diese Androiden den Mars attackiert haben. Darüber hinaus führte diese Attacke jedoch auch dazu, dass die Unterstützung bei der Evakuierung der Romulaner nicht zustande kam. Dieser Rückzug aus der Verantwortung dürfte der Hauptgrund sein, warum sich Picard damals aus der Sternenflotte zurückgezogen hat. Bis heute plagen ihn Albträume von der Attacke auf den Mars, die er offenbar selbst miterlebt hat.

Mit ihren Provokationen erreicht die Interviewerin ihr Ziel: Verbittert klagt Picard die damalige Entscheidung an und meint, dass die Sternenflotte seither nicht mehr die Sternenflotte sei. Damit macht er sich (wie sich später noch herausstellen wird) bei der Sternenflotte keine Freunde. Auch seine Belehrungen und Hinweise auf die Geschichte scheinen nicht gut anzukommen.

Status der Föderation: realistisch, aber nicht düster

Seit der Androiden-Attacke hat sich die Föderation eindeutig verändert. In der einst offenen und idealistischen Föderation der Planeten scheint es isolationistische, ja möglicherweise sogar rassistische Tendenzen zu geben. Für die Interviewerin scheinen etwa romulanische Leben weniger wert zu sein. Androiden gelten seit der Attacke in der Öffentlichkeit als gefährliche Killermaschinen.

Diese Entwicklung ist ein Spiegel der politischen Entwicklungen in den USA und anderen Ländern des Westens, dessen fiktionale Entsprechung die Föderation ja immer war. Damit relativiert "Star Trek: Picard" den einst idealistisch überhöhten Ansatz der alten "Star Trek"-Serien (vielleicht mit Ausnahme von "Deep Space Nine"). Das macht Sinn, weil eine ähnlich idealistische Darstellung der Föderation heute sicherlich als unrealistisch, naiv oder sogar satirisch wahrgenommen werden würde. Aber die neue Serie zeichnet auch kein so düsteres Bild der Föderation wie zuletzt "Star Trek: Discovery".

 

Nostalgische Verknüpfung mit alten Serien gelingt gut

"Star Trek: Picard" ist voller Easter-Eggs für Trekkies. Das war natürlich zu erwarten. Aber die neue Serie verknüpft Charaktere und Ereignisse aus den alten Serien gut mit der aktuellen Geschichte. Darüber hinaus wird die Trekkie-Nostalgie auch mit einer gelungenen Detailverliebtheit bedient. So heißt der Hund von Picard Nummer eins. Auch der Einstieg in die Serie mit dem Song "Blue Skies", gesungen von Bing Crosby, und das Pokerspiel mit Data ist eine Reminiszenz das alte "Star Trek".

Doch zu all der Nostalgie kommen auch viele moderne Elemente hinzu, die "Star Trek: Picard" sehenswert machen. Anders als in den alten Serien gibt es auch andere Schauplätze. Bald taucht ein seltsames Mädchen bei Picard auf. Ihr Name ist Dahj (Isa Briones) und wir haben zuvor gesehen wie sie von einer Ninja-artigen Elitetruppe angegriffen wurde, die ihren Freund getötet hat. Bei der Attacke wird etwas in der jungen Frau aktiviert. So verfügt sie plötzlich über eindrucksvolle Fähigkeiten zur Selbstverteidigung. Darüber hinaus erinnert sie sich an Jean-Luc Picard, so als ob sie ihn schon lange kennen würde. Sie sucht daher bei Picard Schutz und Zuflucht. Vergeblich. Bei der nächsten Attacke der Killer, die sich als Romulaner herausstellen, stirbt Dahj.

Zuvor hat Picard jedoch festgestellt, dass Dahj ein perfekter Android ist. Sie sieht genauso aus wie die junge Frau, die Data vor 30 Jahren auf dem Gemälde namens "Tochter" gemalt hat. Bei seinen Nachforschungen im Daystrom-Institut trifft Picard auf Dr. Agnes Jurati (Alison Pill), eine Expertin für hochentwickelte Synthetik. Von ihr erfährt Picard, dass ihr Mentor, Bruce Maddox, ein Verfahren namens "fraktales neuronales Klonen" entwickelt hat. Mit dieser Methode wollte Maddox aus einem einzigen positronischen Neuron von Data einen perfekten, empfindungsfähigen Androiden konstruieren. Doch nach dem Tod von Data ist Maddox verschwunden.

Dr. Jurati verrät Picard auch, dass die Androiden mit diesem Verfahren immer paarweise geklont werden. Es gibt muss also irgendwo eine zweite Dahj geben.

In den letzten Minuten springt die Handlung zu einem verlassenen Borg-Würfel, der als "romulanische Rückgewinnungseinrichtung" bezeichnet wird. Dort trifft der gerade eintreffende Romulaner Narek (Harry Treadaway) auf die Wissenschaftlerin Soji, die exakt wie Dahj aussieht.

Beginn einer spannenden Suche nach dem Vermächtnis von Data

Damit beginnt eine spannende Geschichte in einem sehr veränderten "Star Trek"-Universum, die ein wenig an "Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock" erinnert. Darüber hinaus finden wir uns aber auch in einer Föderation wieder, in der offenbar einiges in die falsche Richtung gelaufen ist. Zudem ist offensichtlich, dass eine Verschwörung im Gange ist, denn wie sonst ist es möglich, dass romulanische Geheimagenten auf der Erde unerkannt aktiv sind und sogar eine tödliche Attacke ungestraft ausführen können.

Die erste Folge von "Star Trek: Picard" ist der Auftakt für eine spannende Jagd nach den Mördern von Dahj und der Beginn einer Suche nach dem Vermächtnis von Data.

 

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