Oberst Redl (1985)

 A/H/BRD 1985
Drama, Biografie 167 min.
7.70
Oberst Redl (1985)

Authentische Geschichte des einflussreichen k.u.k. Obersten, der seiner Homosexualität wegen zur Spionage erpresst wurde

István Szabós Version der Causa Redl basiert auf der freien Verwendung einer Reihe von literarischen Quellen der Autoren John Osborne, Egon Erwin Kisch, Robert Asprey, Stefan Zweig und Péter Dobai. Im Zentrum steht die Beschreibung jener Schichten, die die Geschicke des Reiches nach 1900 lenkten. Alfred Redl, aus einer ukrainischen Eisenbahnerfamilie stammend, macht Karriere in der Armee. Der Film porträtiert den psychologischen Hintergrund dieser steilen Karriere. Bereits als Junge preist Redl den Kaiser in einem Gedicht und als Offizierskadett nimmt er lieber an der von der Schule organisierten Namenstagsfeier zu Ehren des Herrschers teil als am Begräbnis seines Vaters. Er eifert der Aristokratenfamilie der Kubinyis voll Bewunderung nach, um seine Vergangenheit aus bescheidenen Verhältnissen zu verleugnen. Gefühlskalt konzentriert er seine Ambitionen darauf, den Herrschenden zu dienen. Seine Ergebenheit für das Herrscherhaus wird ihm aber zum Verhängnis. Er erkennt zu spät, dass er in die Falle eines vom Thronfolger selbst initiierten Komplotts getappt ist, wobei ihm vom Mentor mittels fingierter Beweise die Rolle des Sündenbocks bei der Schaffung eines kriegsbereiten Klimas zugedacht wurde ...

Details

Klaus Maria Brandauer, Armin Mueller-Stahl, Gudrun Landgrebe uva.
István Szabó
Zdenko Tamássy, Fryderyk Chopin u.a.
Lajos Koltai
Péter Dobai u.a.

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Das Ende
    Es ist nicht Istvan Szabos bester Film, was vielleicht mitunter auch an der Thematik liegen könnte. Aber zunächst beeindrucken den Zuschauer die grandiosen Bilder, die mit einem gewissen düsteren, morbiden Flair die Atmosphäre in der Endphase der k.u.k. Monarchie verdeutlichen. Abgesehen von den typischen Merkmalen jener Zeit wie dem Antisemitismus, dem Duell, den Privilegien einer Adelsgesellschaft, Standesdünkel, der mit der gewohnten Arroganz daherkommt, aber auch laszivem Sex und ausgiebigen Saufgelagen, steht ein Karrierist im Mittelpunkt. Klaus Maria Brandauer ist wie immer superb. Sein Ende ist eine schauspielerische Glanzleistung der Extraklasse. Er kann enttäuschten Ehrgeiz, tiefsitzenden Frust, Ausweglosigkeit und Hilflosigkeit ausdrücken, als für ihn eine Welt zusammenbricht. Ironischerweise erleidet seine Gallionsfigur Kronprinz Franz Ferdinand (Armin Müller-Stahl) ein ähnliches Ende, der Redl nach missglückte Aktion wie eine heiße Kartoffel behandelt. Im Gegensatz zu heute war damals Homosexualität ein anrüchiges Verbrechen. Redl wird uns bisexuell geschildert. Das verschlimmert seine Lager erheblich. Er, der ‘fast nie geschlafen, kaum gegessen und immer gearbeitet hat‘ fällt sich selbst zum Opfer. Szabo schafft es, dass man glaubt den finalen Schuss zu hören, noch bevor er fällt. Aber bis dahin strapaziert er unser Durchhaltevermögen durch lange Dialoge mit Fachsimpelei für Insider.