Poll

 A/D/Estland 2010
Drama, Romanze, Kriegsfilm / Antikriegsfilm 06.05.2011 ab 14 129 min.
7.00
Poll

Die romantische Geschichte eines jungen Mädchens, das kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs auf einem Gut im Baltikum einen verletzten Anarchisten versteckt und sich gegen ihre eigene Familie stellt.

Juni 1914. Die 14-jährige Oda von Siering kehrt zu ihrer Familie an die baltische Ostseeküste zurück, eine entlegene Provinz des Zarenreiches, in der Deutsche, Russen und Esten einander misstrauisch belauern.

Oda begleitet die sterblichen Überreste ihrer Mutter, mit der sie bis zu deren Tod in Berlin lebte. Auf Poll, dem Gut der adligen deutschbaltischen Familie, trifft das temperamentvolle und etwas altkluge Mädchen auf eine Gesellschaft, die inmitten eines porösen Idylls ihrem Zusammenbruch entgegengeht. Ihr Vater Ebbo, ein verschrobener Arzt und Hirnforscher, widmet sich fanatisch seinen von der akademischen Lehre missachteten Studien; ihre somnambule Tante Milla ist in eine Affäre mit dem schroffen Verwalter Mechmershausen verstrickt; Cousin Paul, junger Kadett der russischen Armee, macht der herablassenden Verwandten ungeschickt den Hof.

Als Oda zufällig einen von zaristischen Truppen schwer verwundeten estnischen Anarchisten in einem verlassenen Nebengebäude findet, entscheidet sie aus einem romantischen Impuls heraus, ihm zu helfen. Obwohl die Entdeckung des namenlosen Verletzten, der sich nur "Schnaps" nennt, dramatische Konsequenzen für ihre Angehörigen und sie selbst haben könnte, verbirgt sie ihn mitten auf dem Gut Poll, um ihn heimlich gesundzupflegen.
In der Hitze des estnischen Sommers spitzen sich die Konflikte auf dem Gut Poll unausweichlich zu, bis es um nichts weniger geht als um Leben und Tod.

In dem Ensemblefilm spielen neben Paula Beer, Edgar Selge, Tambet Tuisk, Jeanette Hain und Richy Müller auch die österreichischen Schauspieler Susi Stach, Erwin Steinhauer und Michael Kreihsl.

"Poll" wurde im Rahmen des Filmfestivals Rom der Sonderpreis der Jury verliehen.

Details

Paula Beer, Edgar Selge, Tambet Tuisk, Jeanette Hain, Richy Müller
Chris Kraus
Annette Focks
Daniela Knapp
Chris Kraus
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ab 14

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Geheime 'Schnapspflege'
    Regisseur Chris Kraus hat in seinen Film ganz schön viel hineingepackt. Herausgekommen ist ein aufwendiges Gesellschaftsporträt mit Hausmusik und Badeszenen vor dem 1. Weltkrieg am Rande des kaiserlichen Reiches oder wie ein Besucher sagt ‘Poll liegt am Arsch der Welt, aber an einem schönen Arsch.‘ Hier leben Deutsche, Russen, Balten in angespannter Ruhe miteinander. Der Fokus wechselt von einer Vater-Tochter Beziehung zu einem Abenteuerroman mit historischem Ambiente, inklusive einer unglücklichen Liebesgeschichte.
    Tochter Oda hält die Ereignisse in ihrem Tagebuch fest. Alle Personen laden irgendwie Schuld auf sich. Der Vater (Edgar Selge) macht makabre Experimente, seine Frau (Jeanette Hain) betrügt ihn mit dem Gutsverwalter (Richy Müller) und Oda (grandiose Neuentdeckung Paula Beer) versucht heimlich einen verwundeten Anarchisten, den sie ‘Schnaps‘ nennt, zu retten. Der Kriegsbeginn beschleunigt und klärt die Verhältnisse und so steigt die Spannung bis alles in Flammen aufgeht. Es ist der Untergang einer Gesellschaft, die ihre Zukunft bereits hinter sich hat. Damit wird aber auch ein Allgemeingültigkeitsanspruch erhoben, der die historische Wahrheit von dieser unbekannten Schriftstellerin Oda Schäfer obsolet werden lässt. Chapeau vor Kamerafrau Daniela Knapp. Der dumpfe Ton der Dialoge ähnelt bisweilen mit seinen unartikulierten, gebellähnlichem Lautfetzen an eine Art Höhlensprache. Aber sonst ganz toll.