Ridicule - Von der Lächerlichkeit des Scheins

 Frankreich 1996
Kostümfilm 
Ridicule - Von der Lächerlichkeit des Scheins

Der Belesprit gilt den Protagonisten in ridicule als Maß aller Dinge. Gemeint ist damit in
erster Linie die Fähigkeit, beim geistreichen Wortgefecht zu brillieren, mit dem sich der
Hofstaat in Versailles anno 1780 die Zeit vertreibt. Dieses dekadente Gesellschaftsspiel,
hinter dem immer wieder weitreichende, handfeste Konsequenzen wie Selbstmord, Duell
mit Todesfolgen und ähnliches lauern, folgt einem strengen, ungeschriebenen Reglement.

Im Unterschied zu anderen großen französischen Historienfilmen der jüngeren
Vergangenheit vereint Lecontes Film die Manierismen einer perfekt ausgeklügelten
Inszenierung auf gelungene Weise mit einem sehr modernen Beziehungs- und
Gesellschaftsstück und hat so - trotz des historischen Settings - mehr mit Eric Rohmers
Komödien und Sprichwörtern gemein als mit den Drei Musketieren. Text:Isabella Reicher,
Falter

Details

Charles Berling, Fanny Ardant, Jean Rochefort, Judith Godrèche u.a.
Patrice Leconte
Rémi Waterhouse

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken


  • Am Anfang erscheint einem der Film bei der Fülle der Figuren und Kostüme als Episodenhandlung. Der einleitende Schocker weist den Weg einer Sozialsatire. Man ist gefangen von der prächtigen Ausstattung und der Zungenfertigkeit der Franzosen. Ein Bonmot jagt das nächste und im Wettstreit der besten Repliken hat der verloren, der keine mehr parat hat. Hier kann man mit Esprit Eindruck machen, aufsteigen und in Saus und Braus leben. Die Gesellschaft benutzt das geistreiche Apercu als soziale Waffe, aber auch als Schutzschild für ein Leben in Langeweile und dolce farniente. Erst allmählich kristallisiert sich eine Lovestory heraus, die auf so völlig anderen Prämissen basiert, als die die am Hofe Louis XVI. herrschen: aus Wissenschaft und Forschung. Zwei Frauen stehen symbolhaft für beide Welten: die schöne Judith Godrèche, die allerhand gewagte Experimente macht und die erfahrene Kurtisane Fanny Ardant. So gelingt es Patrice Leconte die Allgemeinheit der Lächerlichkeit preiszugeben von der sich ein liebendes Paar absetzt. Gut gemacht und irgendwie anders.