Vera Russwurm

Vera Russwurm

© ORF/ Hubert Mican

Stars

Vera Russwurm: "Aufhören, wenn es am Schönsten ist!"

Eine Ära geht zu Ende: Am 1. Dezember läuft die letzte Folge von "Vera" auf ORF 2. Wir baten die Talk-Queen deshalb zum Interview.

von

Manuel Simbürger
Manuel Simbürger

12/01/2023, 07:00 AM

Vom "Tritsch Tratsch"-Girl zur Ikone der österreichischen Fernsehlandschaft: Die Karriere von Vera Russwurm ist einzigartig. Es gibt wohl niemanden in Österreich, der/die die TV-Moderatorin und Journalistin nicht kennt.

Am 23. März 1995 ging sie mit ihrer ORF-Talkshow "Vera" an den Start, die ihr den Ruf der "Quoten-Queen" einbrachte: (Fast) Jede einzelne Ausgabe erreichte in den 90er-Jahren ein Millionen-Publikum, (fast) jede einzelne Ausgabe war am nächsten Tag Tagesthema. "Vera" war eines der letzten televisionären Lagerfeuer in Österreich. Nationale und internationale Stars nahmen auf Veras Coach Platz; die Interviews aller Art führte Russwurm mit Charme, Detailgenauigkeit und viel Einfühlungsvermögen. 

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Mit unterschiedlichen Talk-Formaten war Russwurm (heute 64 Jahre alt) in den letzten Jahrzehnten also ein Fixpunkt des ORF-Programms und einer der ganz großen Stars am Küniglberg. Nach 29 Jahren endet nun eine Ära: Die letzte Folge von "Vera" (seit 2019 läuft Russwurms Talk-Reihe wieder unter dem ursprünglichen Namen) wird vom ORF am 1. Dezember ausgestrahlt. Doch ist Veras Abschied vom ORF endgültig?

Darüber, über ihre Karriere und ihre Familie spricht die Kult-Talkerin im film.at-Interview.

Am 1. Dezember wird die letzte Folge von „Vera“ ausgestrahlt. Welche Gäste dürfen wir uns erwarten?

Vera Russwurm: Im Detail möchte ich die Gäste noch gar nicht verraten. Fest steht, dass die letzte Folge eine Gala wird, die den Namen „Vera Highlights“ trägt und auf fast 30 Jahre meiner Talkshow zurückblickt. Aktuell bin ich mit dem Sichten von Archivmaterial beschäftigt, was sehr spannend, aber auch sehr emotional ist. Es ist ein sehr zeitaufwendiges Projekt, das gleichzeitig aber auch wahnsinnig reizvoll für mich ist. Wen wir alles vor der Kamera hatten, welche Themen besprochen wurden – das ist einfach nur phänomenal und ehrlich gesagt sehr beeindruckend.

Werden Sie während der Gala wohl mit den Tränen kämpfen?

(lacht) Ich weiß es nicht, wirklich nicht. Lassen wir uns überraschen!

Wieso geht „Vera“ überhaupt zu Ende? War das Ihre Entscheidung oder die Entscheidung des ORF?

Ganz klar meine Entscheidung, das habe ich auch von Beginn an so kommuniziert. 29 Jahre lang eine wöchentliche Sendung mit Gästen zu produzieren, ist eine sehr lange Zeit. Ich wälze den Gedanken, mit „Vera“ aufzuhören, schon länger. Wenn die letzte Ausgabe ausgestrahlt wird, bin ich 64. Irgendwann wird es einfach Zeit, dieses Projekt abzuschließen – wieso also nicht zu einer Zeit, in der die Menschen meine Sendung noch gerne sehen und ich noch nicht gänzlich im Senioren-Alter bin? (lacht) Ich glaube an das Motto „Aufhören, wenn es am Schönsten ist.“

Was ich klar betonen möchte: Ich mache die Sendung nach wie vor mit großer Leidenschaft und die Entscheidung, damit aufzuhören, ist mir keinesfalls leicht gefallen. Gleichzeitig aber möchte ich zukünftig auch etwas weniger arbeiten. Ich habe ja vor vier Jahren – nach dem viel zu frühen Tod meines bisherigen Chefredakteurs Wolfgang Moser – zusätzlich die Leitung der Sendung übernommen, was mir zwar große Freude macht, aber natürlich auch sehr viel Arbeit ist.

Wird es ein endgültiger Abschied vom ORF?

Nein. Als ich im Augst bekannt gab, dass ich mit Jahresende mit der wöchentlichen Sendung „Vera“ aufhören möchte, kamen postwendend die Reaktionen seitens des Generaldirektors [Mag. Roland Weißmann; Anm.] und des Unterhaltungschefs [Alexander Hofer; Anm.] mit dem Vorschlag, einen anderen Weg gemeinsam einzuschlagen. Spezials-Sendungen zu zum Beispiel, da gibt es viele Möglichkeiten. Das mache ich sehr gerne und freu mich schon auf neue Projekte. Aber jetzt gibt es erst mal eine wohlverdiente Pause.

Ein Abschnitt endet, ein anderer beginnt, wie so oft im Leben?

Ganz genau. Ich habe für „Vera“, zum Beispiel mit den großen Primetime-Shows, die ich zuvor sowohl in Österrreich wie auch in Deutschland gemacht habe, aufgehört -  also diesen Abschnitt damals beendet. Und es war gut so. Es ist immer gut, wenn man die Möglichkeit hat, sein Leben selbst zu gestalten.

Zurückblickend: Hätten Sie gerne mehr Zeit mit Ihrer Familie [mit Ehemann Peter Hofbauer hat Russwurm drei Töchter; Anm.] verbracht?

Interessant, dass solche Fragen immer nur berufstätigen Frauen gestellt werden. Genau deshalb, um mehr Zeit für meine Familie zu haben, habe ich ja bis zum Tod von Wolfgang Moser die Chefredaktion meiner Sendung nicht selbst gemacht.  Aber damals, vor vier Jahren, war unsere jüngste Tochter bereits Zwanzig – somit hatte ich ab da auch mehr Zeit für meine beruflichen Tätigkeiten.

Im übrigen war ich nach der Geburt jedes Kindes jeweils ein Jahr daheim – sogar nach der Geburt meiner jüngsten Tochter während meinem laufenden VERA-Vertrag. Der damalige ORF-Generalintendant Gerhart Zeiler hatte zugestimmt, dass wer anderer die Talkshow für ein Jahr übernimmt. So kam es, dass Dieter Chmelar für ein Jahr lang „Vera“ war.   

Zurück zum Job. Sind Sie mit Ihrer ORF-Karriere rückblickend zufrieden?

Ich hatte sehr viel Glück. Ich bin entdeckt worden in einer Zeit, in der Fernsehen ein sehr starkes, einflussreiches und breitenwirksames Medium war. Ende der 1970er, Anfang der 80er gab es kein Privatfernsehen, kein Internet; das Fernsehen mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk war das Lagerfeuer für die Familie.

Es war ganz normal, dass Hauptabendsendungen damals zwischen zwei und drei Millionen Zuschauer hatten – Quoten, von denen man heute träumen kann, weil sich das Publikum auf verschiedene Sender bzw. Medien verteilt. Und am nächsten Tag war die Show Tagesthema. In dieser tollen TV-Ära bin ich groß geworden – und ja, ich bin mit dem Output meiner Laufbahn zufrieden.

Was man auch dazu sagen muss: Als ich anfing, gab es so gut wie keine jungen Frauen im Fernsehen, abgesehen von den Fernsehsprecherinnen und einer einzigen Nachrichtensprecherin [Annemarie Berté; Anm.]. Plötzlich kommt da eine 18-Jährige und mischt alles auf! (lacht) Bereits mit 25 hatte ich meine erste deutsch-österreichische Koproduktions-Show, einfach, weil es auch in Deutschland damals ganz wenige Show-Moderatorinnen gegeben hat – und in Österreich eben gar keine.

Wahrlich eine andere Zeit ...

Ich kann mich noch erinnern, dass es ein riesiges Thema war, als ich schwanger moderiert habe! Aber ich habe es immer mit dem Motto meiner Oma gehalten: „Schwangersein ist keine Krankheit!“ Heute ist eine schwangere Moderatorin überhaupt kein Thema, aber vor 30 Jahren hat das tatsächlich extrem polarisiert!

Sie haben also durchaus eine Vorreiterrolle im ORF inne.

In manchen Bereichen sicherlich. (überlegt) Ich war seit 1978 jedes Jahr mit zumindest einem (Show-)Format on air. Das ist meines Wissens schon einzigartig.

Als eine der ganz wenigen Frauen im ORF: Mussten Sie damals gegen Windmühlen ankämpfen, sich mit Fäusten behaupten?

Interessanterweise überhaupt nicht. Vielleicht liegt das daran, dass ich meine Tätigkeit vor der Kamera jahrelang nicht als Beruf gesehen habe. Ich habe es sehr genossen, auch wenn mich meine Uni-Professoren [Russwurm studierte Medizin und promovierte 1988; Anm.] deswegen nicht immer ernst genommen haben. Aber ob ich das Casting für eine Sendung schaffe, beispielsweise,  oder ob Kritiker über mich herfallen, das habe ich daher stets sehr locker genommen.

Ich habe noch nie darüber nachgedacht, aber aus Sicht der damals etablierten Männer kann es natürlich auch sein, dass man mich gar nie als Konkurrenz gesehen hat! Auch bezüglich sexueller Belästigung musste ich Gottseidank niemals negative Erfahrungen machen. Eigentlich erstaunlich, wenn ich heute zurückblicke ...

Ihr allergrößter Erfolg war die „Vera“-Talkshow in den 90er-Jahren. Es gab auch einige Kontroversen wie jene Folge, in der die Mutter von „Briefbomber“ Franz Fuchs zu Gast war ...

Da muss ich Sie korrigieren. Es gab zwar immer wieder Themen, die sehr kontroversiell aufgenommen wurden, aber sicherlich nicht die Folge mit Mutter, Vater und Bruder des Briefbombers Franz Fuchs. Im Gegenteil! Der „Kurier“ beispielsweise beschrieb diese Folge damals als „eine der Sternstunden des Fernsehens“ – und ja, das war es auch tatsächlich. Es kam zu einer Umarmung zwischen Opfern und Angehörigen von Franz Fuchs, was zu einer enormen Erleichterung bei der Fuchs-Familie geführt hat. Die Ofer hatten der Familie vergeben. 

Wie haben Sie diese Zeit, als „Vera“ Kultstatus hatte, persönlich erlebt?

Es war wirklich ein irrsinniger Hype, am Tag nach jeder Sendung gab es eine öffentliche Diskussion, manchmal über kleinste Kleinigkeiten! (lacht) Wir hatten über viele Jahre eine Durchschnittsquote von 1,2 Millionen – irre! „Vera“ war Talk of the Town und im Grunde eines der letzten Säulen des Fernsehens der 80er-Jahre, weil es die Menschen vor dem TV-Kastl versammelt hat.

Talk of the Town war die Show auch aufgrund ihrer Star-Gäste …

Ja, ganz sicher! Dadurch, dass wir so eine hohe Quote hatten, waren natürlich auch die Plattenfirmen daran interessiert, dass ihre Künstler bei uns auftreten – und das waren eben immer wieder auch Stars von Weltformat.

Ich habe den Eindruck, dass es heutzutage schwieriger geworden ist, große Stars zu bekommen ...

Es ist nicht schwieriger, sondern in Österreich – ohne Sponsor - schlicht unmöglich geworden. Das Medium Fernsehen war so stark, dass die Plattenfirmen einen Großteil der Kosten, die mit solch einem Gast einhergehen, übernommen haben.

Und uns und unser Publikum hat´s natürlich enorm gefreut, dass nur „Vera“ all diese großen Namen nach Österreich gebracht hat - das ist keiner anderen Sendung hierzulande damals gelungen. Heute braucht kein Weltstar mehr eine Fernsehsendung in Österreich, weil sie ohnehin im Internet ständig präsent sind und somit selbst ihre Produkte vermarkten können.

„Wetten Dass“ ...

... ist die einzige Sendung, die noch mit großen Namen punkten kann, aber nach der Finalausgabe wird auch diese Sendung Geschichte sein. Weil sich heutzutage niemand mehr eine dreistündige Show anschaut. Dafür ist die Zeit viel zu schnelllebig geworden, was auch die Art und Weise der Mediennutzung beeinflusst. Alles muss schnell schnell sein.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Russwurm!

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