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05/04/2021

Halleluja! Die 10 besten Serien über Religion

Gott ist überall – auch da, wo man ihn nicht erwarten würde. In TV-Serien zum Beispiel.

von Manuel Simbürger

Wenn die Welt um uns immer chaotischer und komplizierter wird, dann wenden wir uns gerne dem Altbewährten zu, denn das gibt Sicherheit, beantwortet die Sinn-Frage und stärkt unser Urvertrauen, dass irgendwo, irgendwie, irgendwann doch alles gut werden wird.

Vielleicht lässt es sich so erklären, dass seit einigen Jahren das Thema Religion auch in TV-Serien boomt – und das, obwohl religiöse Fragen lange Zeit ein großes Tabu-Thema für Serienmacher*innen waren. Denn wer will sich schon einem Shitstorm aussetzen? Heute hat man diese Angst offenbar nicht mehr, im Gegenteil: Allzu gern werden ethisch-religiöse Themen in TV-Serien auch kritisch, ja gar provokativ behandelt, um alte Strukturen aufzubrechen und – let's face it – Aufmerksamkeit zu erregen. Es gibt aber genauso nach wie vor Serien, die Religion als das darstellen, was sie für viele Menschen ist: Halt und Schutz.

Überraschend ist die religiöse Offenbarung in der TV-Welt jedenfalls nicht: Es sind immerhin biblische Themen wie Urvertrauen, Loyalität, Liebe, Freundschaft, Frieden, Kasteiung, Bestrafung, Solidarität mit Aussätzigen, die Verbindung mit den Toten und nichts weniger als der Sinn der menschlichen Existenz, aus denen spannende und ergreifende Storys generiert werden. Die das Herz und der Motor von zeitlosen Geschichten sind.

Die 10 besten Serien über Religion:

Supernatural (2005-2019)

Die epische übernatürliche Odyssee der Winchester-Brüder taucht ab der vierten Staffel ganz tief in das Alte und Neue Testament ein, wenn sich Dean und Sam plötzlich in einem Krieg gegen Erzengel wiederfinden, selbst zur Hülle dieser werden, als moderne Version von Kain und Abel herhalten müssen, den Himmel neu aufmischen und Propheten zur Unterstützung ins Boot holen. Und wenn eine ganz große Liebe zwischen einem aufsässigen Engel und einem Dämonenjäger entsteht.

Gott selbst ist in "Supernatural" ein nerdiger Buchautor, der Gefallen daran findet, mit den Schicksalen von Menschen (allen voran jenen von Sam und Dean) aus reinem Vergnügen zu spielen, mit der eigenen Schwester im Clinch liegt und der einfach abhaut, wenn er genug hat. Am Ende der langen Reise wird Gott sogar zur gefährlichsten Bedrohung der Brüder – und der Menschheit.

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Preacher (2016-2019)

Gott kommt auch in der anarchistischen Krawall-Serie "Preacher" ganz und gar nicht gut weg: Er nimmt sich eine Auszeit und lässt die Menschen im Stich – ganz nach dem hier gar nicht so sprichwörtlichem Motto: Hinter mir die Sintflut! 

Jesse, der Priester mit dem unwiderstehlichen Bad-Boy-Charme, macht sich daraufhin mit seiner schießwütigen Ex-Freundin und einem drogenabhängigen Vampir auf die Reise, um Gott und sich selbst wieder zu finden. Dabei stellt sich unter anderem heraus, dass der Allmächtige SM-Fan ist und Motorräder liebt.

Blasphemie in grellen, blutigen Bildern.

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Braunschlag (2012)

Braunschlag ist eine verschlafene Marktgemeinde im Waldviertel an der tschechischen Grenze – ein Ort, wo sich Hase und Fuchs Gute Nacht sagen. Bürgermeister Tschach und der erfolglose Disco-Besitzer Pfeisinger wollen aber, dass der Rubel rollt – also täuschen sie gemeinsam kurzerhand eine Marienerscheinung vor. Die Idee geht auf, das Örtchen ist plötzlich in aller Munde – sowohl bei Pilgern, als auch bei der Presse. Kompliziert wird es, als nicht nur die eigenwilligen Dorfbewohner*innen, sondern auch die katholische Kirche Probleme macht ...

"Braunschlag" ist eine tiefschwarze, gesellschaftskritische Komödie von David Schalko mit Robert Palfrader und Nicholas Ofczarek in den Hauptrollen, die politische Korruption, katholische Bigotterie, die Kirche und Scheinheiligkeit gnadenlos durch den Satire-Kakao zieht. Trifft nicht nur mitten ins heimische Herz, sondern stellt auch kokett die Frage: Ist es Sünde, wenn du (scheinbar) keine andere Wahl hast?

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The Young Pope (seit 2016)

Eine Serie, die im Vatikan für viel Aufsehen sorgte, dort insgeheim aber vielleicht auch für so manche Bingewatching-Abende sorgte: Der saucoole Jude Law spielt den saucoolen (fiktiven) Papst Pius XIII, seines Zeichens nicht nur der jüngste, sondern auch der erste US-amerikanische Mann auf dem Papststuhl. Das wäre alles noch halbwegs okay, wenn Papst Pius XIII nicht solch ein Ungustl wäre, der mehr an sich selbst und an weltweiter Macht als an weltweiter Hilfestellung interessiert ist. Dafür vertritt er erzkonservativ alte Traditionen, predigt nur mit dem Rücken zum "niedrigen Volk" gewandt.

Der Vorstand der katholischen Kirche als sexy und stylisher junger Mann, der sich inmitten religiöser Machtspielchen befindet, diese teils gar selbst befeuert. Das ist fesselnd, bitterböse, prätentiös und wirklich witzig.

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Messiah (2020)

Ein Mann behauptet, Jesus zu sein, sprich: der Sohn Gottes. Kann das sein? Ja, wenn es nach seinen zahlreichen Anhänger*innen geht, denn diese beschwören, dass er tatsächlich Wunder vollbringen kann. Auch die internationalen Medien interessieren sich für den charismatischen Kerl. CIA-Agentin Eva Geller nimmt sich der Sache an und den Mann genauer unter die Lupe: Ist er ein Hochstapler – oder steckt wirklich Göttliches hinter der Sache?

Im Handlungsverlauf werden die Perspektiven unterschiedlicher Personen verwoben, was "Messiah" noch zusätzlich Spannung und Komplexität verleiht. Im Kern ergründet die Thrillerserie die Macht von Einfluss und Glauben im Zeitalter sozialer Medien. Um Verwirrungen vorzubeugen, betont Netflix, dass die Serie nicht auf wahren Ereignissen beruht. 

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The Good Place (2016-2020)

Eleanor ist kein guter Mensch: Sie stiehlt, sie lügt, sie manipuliert, sie fährt betrunken Auto. Trotzdem landet sie nach ihrem – irrwitzigen – Tod im "Good Place", sprich: im Himmel. Kann nicht sein, denkt sich Eleanor – und Recht hat sie: denn es liegt eine Verwechslung vor. Das behält sie aber für sich und macht es sich im "Good Place" bequem, ohne an ihrem Charakter zu arbeiten. So einfach geht das natürlich nicht: Mit Michael bekommt sie einen Mentor, der ihr hilft, zu einem besseren Menschen zu werden – denn dafür ist es nie zu spät, auch nach dem Tod nicht ...

Die knallbunte und innovative Fantasy-Comedy-Serie mit Kristen Bell (wunderbar wie immer!) und Ted Danson überrascht mit moralischer Tiefe, wirkt aber niemals allzu belehrend, denn dafür steht der freche Humor doch zu sehr im Fokus. Genau deshalb lässt man sich auch gern auf die zahlreichen ethischen, moralischen und philosophischen Fragestellungen ein, mit denen "The Good Place" oft und kreativ spielt. Leichtfüßig, aber niemals oberflächlich!

"The Good Place" kannst du auf Amazon Prime kaufen. 

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The Path (2016-2018)

Das junge Ehepaar Sarah und Eddie ist Mitglied einer fanatischen Religionssekte. Mehr soll an dieser Stelle gar nicht verraten werden, denn das Grauen entfaltet sich in diesem düsteren und eigentlich nihilistischen Drama nach und nach. Es geht um Missbrauch, Abhängigkeit, blinden Glauben. Die Serie nimmt sich viel Zeit, die Sinn-Frage nach dem menschlichen Tun und der menschlichen Existenz zu beantworten. Wenn der hart erarbeitete Glaube plötzlich zusammenbricht und man wirklich alles in Frage stellt, bleibt am Ende oftmals als Ziel nur noch das Nichts. Hallt lange nach.

"The Path" gibt es auf Amazon Prime zu kaufen. 

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American Gods (2017-2021)

Götter auf der Suche nach Gläubigen: In dieser bildgewaltig-psychedelischen Fantasy-Serie knabbern die alten Götter daran, dass sie an Macht verlieren, weil wir Menschen sie immer mehr vergessen. Was aber nicht heißt, dass wir in einer gottlosen Gesellschaft leben, im Gegenteil: das Archaische wurde ganz einfach ausgetauscht gegen Modernes, Neues, Trendiges. Egal ob Fernsehen, Social Media, Filmstars oder der Kapitalismus – wir Menschen haben uns neue Götter geschaffen. Die Folge: Ein Krieg zwischen Alt und Neu.

"American Gods" ist herrlich absonderlich, fulminant inszeniert und beweist wie nur wenige andere Serien unerschütterlichen Mut zum Kontrollverlust. 

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Rectify (2013-2016)

Mit 18 Jahren wird Daniel Holden zum Tode verurteilt: Er soll seine damals 16-jährige Freundin vergewaltigt und ermordet haben. Rund 20 Jahre später wird er dank entlastender DNA-Tests aus der Todeszelle entlassen. 

Auf den ersten Blick hat "Rectify" nur sehr wenig oder gar nichts mit Religion zu tun. Im Kern geht es in dieser Dramaserie aber um Themen, die auch im Glauben eine große Rolle spielen: Schicksal, Vergebung, Vertrauen, Hoffnung, Selbstfindung, persönliche Entwicklung und natürlich Erlösung durch Gott.

Ob Gut und Böse tatsächlich so klar voneinander zu trennen sind oder ob die Dualität von Hell und Dunkel uns Menschen nicht erst zu Menschen macht – auch diese Fragen schweben wie ein Damoklesschwert über der Serie. Das ergibt eine nachdenkliche und zutiefst selbstreflektorische Aura.

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The Handmaid's Tale – Der Report der Magd (seit 2017)

Die preisgekrönte Dystopie-Serie zeigt uns eine durch und durch verstörende Zukunft: Aufgrund einer Naturkatastrophe wurde der Großteil der Frauen unfruchtbar. Die Folge: Es bildete sich der totalitäre, christlich-fundamentalistische Gottesstaat Gilead heraus. Hier herrscht das Patriarchat, Frauen sind rechtlos, manche von ihnen – jene, die noch gebären können – werden in Ritualen vergewaltigt, um für "Nachwuchs zu sorgen". Unter dem Namen Gottes ist schließlich alles erlaubt. 

Eine verstörende und bedrückende Geschichte über Feminismus, aber auch der Selbstfindung und gläubiger Hörigkeit: "The Handmaid's Tale – Der Report der Magd" ist bis ins kleinste Detail durchdacht und überzeugt mit pointierter Sozialkritik und einem überzeichneten Sittenbild der patriarchalen Gesellschaft, in der wir leben. 

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