The Sound of Insects - Record of a Mummy

 CH 2009
Drama, Independent, Avantgarde 88 min.
film.at poster

Im tiefen Winter findet ein Jäger in einem abgelegenen Waldstrich die Mumie eines etwa 40-jährigen Mannes. Aufgrund der minuziösen Aufzeichnung des Toten stellt sich heraus, dass der Mann im vorhergegangenen Sommer Selbstmord durch Verhungern begangen hatte. The Sound of Insects ist Peter Liechtis radikale Annäherung an einen fiktionalen Text des japanischen Autors Shimada Masahiko, welcher wiederum auf einer wahren Begebenheit beruht. Der Mann, dessen mumifizierte Leiche in einer aus Plastikplanen geformten kleinen Hütte gefunden wurde, hatte sein Tagebuch im Schoß liegen, in das er Tag für Tag die Veränderungen seines Körpers und seines Geistes notierte. Unerwartet lange dauerte offenbar der Prozess des Verhungerns, über sechzig Tage begleitet der Film den Text mit manchmal hypnotischen, manchmal suggestiven, meist meditativen Bildern und einer durchkomponierten Soundspur aus Geräuschen und Musik. Liechti hat seinen Film auf fünf Ebenen organisiert: Der Prolog wirkt wie der Beginn eines Fernsehkrimis, ein paar Polizeiautos stehen am Waldrand, eine Bahre wird aufgeladen. Dann gibt es den Blick von innen auf die Plastikplane des improvisierten Sterbehospizes: opak, belegt und berieselt mit Tannennadeln, Blättchen, Regentropfen. Dazu die Waldbilder, großartig, tiefenscharf, geheimnisvoll. Zwei weitere Ebenen bestehen aus angedeuteten Gedankenbildern, Visionen, Archetypen, sowie einer Art Erinnerungsstrom aus dem urbanen Lebensraum des Mannes. The Sound of Insects ist kein Dokumentarfilm, sondern ein mit gesuchten, gemachten dokumentarischen Bildern gebautes Gesamtkunstwerk. Peter Liechtis stets sehr persönlich gehaltene Filme sind zwar verankert im Dokumentarischen, entwickeln aber meist einen musikalischen Gedankenfluss. The Sound of Insects gehört zu seinen bisher perfektesten Filmen. (Michael Sennhauser)

(Text: Viennale 2009)

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Peter Liechti
Matthias Kälin, Peter Liechti
Peter Liechti

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