Haben und Nichthaben

 USA 1944

To Have and Have Not

Literaturverfilmung, Kultfilme 99 min.
8.00
Haben und Nichthaben

Flag-Waver im Casablanca-Stil: Auf der französischen Insel Martinique verfolgt das Vichy-Regime gaullistische Untergrundkämpfer.

Der Amerikaner Henry Morgan (Bogart) lebt von der Vermietung seines Kabinenkreuzers an reiche Touristen und verhält sich I stick my head out for nobody politisch neutral, bis ihn das brutale Verhalten der Polizei gegenüber einer Amerikanerin dazu bringt, Partei für den Widerstand zu ergreifen. Recht frei nach Ernest Hemingways Roman überträgt Howard Hawks mit gelassenster Selbstverständlichkeit seinen Professionalismus in die Südsee: Der zynische Bogart (der nie so gut ist wie bei Hawks) engagiert sich dann doch für revolutionäre Waffenschieber, aber was bedeutet das neben Walter Brennans loyalem Trunkenbold, der immer wieder kryptisch murmelt «Have you ever been stung by a dead bee?», der schmierigen Atmosphäre von Hotellobbys und Nachtclubs irgendwo in einer Studiokaribik, den seltsamen Lichtmustern, die Bootsscheinwerfer bedrohlich und wundersam über spiegelnde Wasseroberflächen werfen, dem knappen Wortwitz, der die Gefühle der Charaktere mit größter Lässigkeit unterspielt und den sexuell konnotierten Wortgefechten der die Leinwand auffressenden Hauptdarsteller. «You know how to whistle, dont you? Just put your lips together and blow.» (Christoph Huber) http://www.brightlightsfilm.com/25/tohave1.html

(Text: Viennale 2004)

Details

Humphrey Bogart, Walter Brennan, Lauren Bacall, Dolores Moran, Hoagy Carmichael, u.a.
Howard Hawks
William Lava, Franz Waxman, «How Little We Know» von Hoagy Carmichael, gesungen von Lauren Bacall
Sidney Hickox
Jules Furthman, William Faulkner, Leigh Brackett, Whitman Chambers nach der gleichnamigen Vorlage von Ernest Hemingway

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Steve und seine Puppe
    Die Leute, die hinter diesem Klassiker stehen sind schon erste Sahne. Nicht nur die beiden Hauptdarsteller (Ehepaar Bogart/Bacall), sondern auch die Regielegende Howard Hawks und die Romanvorlage von Hemingway, sowie der Mitarbeiter am Drehbuch William Falkner.
    Der Film entstand kurz vor Ende des 2. Weltkrieges, der hier allerdings ebenso fern ist wie der genaue historische Hintergrund. Wir sind auf der französischen Insel Martinique. Hier agiert die Geheimpolizei der Vichy-Regierung. Und Bogey hilft natürlich den Nazi-Gegnern und bekommt die damalige Neuentdeckung Lauren Bacall. Dabei ist es eine herbe Love Story, in der es statt der üblichen genüsslichen Erfüllung nur einen Kuss gibt. Ihr erster Satz aus dem Nichts wurde zur Legende 'Anybody got a match?' Ist aber für den Kettenraucher Bogart durchaus symptomatisch. Und Bogey schaut der Kleinen dann auch ganz tief in die Augen. Überhaupt sind die Parallelen zu 'Casablanca' kaum zu übersehen. Dabei geht der optische Eindruck fast unter, den die schöne Frau des verwundeten Widerstandskämpfers Mme Hellene de Bursac (Dolores Moran) macht. Sie ist der eigentliche Vamp neben dem die Bacall wie eine trockene Wüstenrose wirkt.
    Der fast offene Schluss, der allerdings keine Befürchtungen aufkommen lässt, ist fast so kryptisch wie der Titel. Da darf spekulativ interpretiert werden: bezieht sich der Titel auf das Anglerglück eines Gastes auf Steves Boot, auf seinen gewährten und wieder einkassierten Krediten oder auf Steves ominösen Schulden?
    Sicher ist nur eins Walter Brennan spielt den sympathischsten Säufer der Filmgeschichte. Geht so. Nicht jeder Klassiker ist auch supergut.