Verrückt in Alabama

 USA 1999

Crazy In Alabama

Komödie 09.06.2000 
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Ein aufwühlendes Comedy-Drama vor dem Hintergrund der Metropole Los Angeles und dem tiefen Süden der USA - das Regiedebüt des Star-Schauspielers Antonio Banderas.

Sommer 1965. Die Frauen Amerikas kämpfen für Gleichberechtigung, die schwarze Bürgerrechtsbewegung strebt ihrem Höhepunkt zu, Aufbruchstimmung erfasst das Land. Nur in den Südstaaten, im tiefsten Alabama, gehen die Uhren anders. Dort herrschen Rassismus und Vorurteile, wegen ein paar "Niggern" wollen viele Weiße ihre angestammten Privilegien nicht aufgeben.

Inmitten dieser ganzen Umwälzungen treffen wir die liebenswert exzentrische Lucille Vinson (Melanie Griffith). Sie hat es endlich geschafft, sich von ihrem gewalttätigen Ehemann zu befreien. Indem sie ihn kurzerhand ins Jenseits befördert hat. Seinen Kopf, luftdicht verpackt in einer Tupperware-Box, nimmt sie mit auf ihren Weg nach Hollywood, denn dort will sie sich ihren großen Traum erfüllen: als berühmter Fernsehstar Karriere machen.Crazy In Alabama ist ein aufwühlendes Comedy-Drama vor dem Hintergrund der Metropole Los Angeles und dem tiefen Süden der USA - das Regiedebüt des Star-Schauspielers Antonio Banderas.

Film.at - Review

Im Süden der Vereinigten Staaten gehen die Uhren anders, das wissen wir spätestens seit "Cookies Fortune". "Verrückt in Alabama" spielt gute 35 Jahre zuvor, und schwarze Jugendliche im öffentlichen Schwimmbad sorgen für einen Skandal in der weißen Bevölkerung. Dass Lucille ihren Mann ermordet, den Kopf abgetrennt und die solcherart verstümmelte Leiche in der Tiefkühltruhe entsorgt hat, regt dagegen niemanden wirklich auf.

Antonio Banderas Regiedebut ist ein Lichtblick im zeitgenössischen Komödiengenre. Eine wunderbar entspannte Kombination aus Südstaatendrama, schwarzer Komödie, schrillem Roadmovie und Gerichtssaal-Soapopera. Zwei parallel montierte Erzählstränge sorgen dafür, dass die Balance zwischen Drama und Komödie gelingt, ohne dass das eine an die andere verraten wird. Droht das tragische Geschehen rund um den ermordeten Jugendlichen Taylor Jackson in Rührselige abzugleiten, sorgen die Abenteuer der naiv-durchtriebenen Schelmin Lucille für Ausgleich. Gerät die Zeichnung der Figuren, die Lucilles Weg nach Hollywood säumen allzu karikiert, holen einen die Schicksale erdverbundenen Menschen des kleinen Städtchens in Alabama zurück auf den Boden.

Melanie Griffith gelingt das Kunststück, als reife Südstaatenschönheit Lucille zwar schrill und durchgedreht, aber dennoch glaubwürdig zu wirken. David Morse spielt ihren Bruder mit gelassener Souveränität, und der fünfzehnjährige Lucas Black als Peejoe ist schlichtweg professionell. Zu dieser hochwertigen Kernbesetzung gesellt sich noch Rod Steiger als mürrischer aber menschenfreundlicher Gentleman-Richter, die restliche Besetzung - allen voran Alt-Rocker Meat Loaf als Redneck-Sheriff - scheint eher einem Comic-Book entliehen zu sein, aber das verdirbt die Stimmung nicht.

In manchen glorreichen Momenten nähert sich die Geschichte einer surrealen Pantomime - etwa dann, wenn Elizabeht Perkins als abgehalfterter Filmstar Lucilles "Geheimnis" im wahrsten Sinne des Wortes "lüftet". Dann wieder werden tiefergelegene Ebenen des Komödiengenres bemüht, wenn ein durch Lucille und seine eigenen Handschellen an die Zellentür geketteter Polizist verzweifelt den Schrie "Lucille!" ausstößt, der den Auftakt zu Little Richards gleichnamigen Rock'n Roll Song gibt, in den eine Eidechse einstimmt, die am Straßenrand in einem Rinderschädel haust....

"Verrückt in Alabama" ist eine Gratwanderung zwischen verschiedenen Ebenen und verschiedenen Genres. Die Balance nicht zu verlieren ist hier das Wichtigste. Und wie im chinesischen Zirkus ist die Übung gelungen. Sehenswert.
HS

Details

Melanie Griffith, David Morse, Cathy Moriarty, Robert Wagner, Lucas Black, Meat Loaf, Amanda Aday, John Beasley, Sandra Seacat, Richard Schiff, Rod Steiger
Antonio Banderas
Mark Snow
Julio Macat
Mark Childress

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Familienunternehmen
    Also verrückt ist Melanie Griffith bestimmt nicht, weder in Alabama noch überhaupt. Der als Südstaatengroteske getarnte Film bietet wenig Groteskes. Es sind zwei Filme: einer, der das Problem Rassismus behandelt und einer der den ewigen Traum von ’A Star is Born’ leicht ironisch darbietet. Beide verbindet - so erklärt uns der Kommentar aus dem Off, dass es um Freiheit und Gleichberechtigung geht. Die der Farbigen und die der unterdrückten Ehefrau. Ersteres wird gezeigt, das zweite Thema ist zwar durchaus lobenswert, ist aber aus dem Film heraus nur schwer erkennbar.
    Die Hauptdarstellerin brilliert hier mal mit schwarzen Haaren in einer Rolle die Ehemann und Regisseur Antonio Banderas wohl für sie kreiert hat. Sie kann vor Gericht sogar mal auf die Gefühlsdrüsen drücken. Recht gute Unterhaltung mit passender Musik aus der Zeit.

  • 2 filme, 2 volltreffer
    film1 - CRAZY IN ALABAMA wirft zwei fragen auf. warum haengt antonio banderas seine schauspielerei nicht an den nagel und bleibt regisseur? und wann wird endlich allen klar was fuer ein schauspielerisches potential in melanie griffith steckt? antonio banderas hat viel von seinem entdecker pedro almodovar gelernt und dieser film zeigt wie gut er in der schule aufgepasst hat. der film hat einige handlungsstraenge und der regisseur dabei kein problem die geschichten zu einem einzigen lebendigen fluss zusammenzufuegen. aber es ist melanie griffith als lucille die aus diesem film ueber rassismus und den kampf der frauen etwas besonderes macht. die gebrochene und unberechenbare lucille ist auf der suche nach freiheit und melanie griffith macht das klar in jeder verdammten sekunde dieses wirklich gelungenen regie debut. film 2 - DIE MUSE hab ich leider nicht im kino gesehen. aber auch auf video war das komoediantische talent der sharon stone unuebersehbar. ich wuerde sogar soweit gehen und behaupten, dass dies ihre erste wirklich gute leistung ueberhaupt war. stone spielt eine muse, die ideenlosen drehbuchautoren aus hollywood zur inspiration verhelfen soll. die muse macht das aber nicht umsonst. gern laesst sie sich teuren schmuck schenken und auch ihre unterkunft bezahlen. albert brooks ist hier regisseur und hauptdarsteller und liefert eine astreine und ungemein frische komoedie
    ueber das leben eines drehbuchautors in hollywood ab. lang lebe die muse.

  • Nur die Freiheit zählt ...
    Die Aussage "Das Leben ist vergänglich - nur die Freiheit zählt" erreicht uns schliesslich nach 90 Minuten mäßigem Schmunzeln und schwachbrüstigem Seufzen. Man möge mich nicht falsch verstehen: Crazy in Alabama hat mir gefallen ... ja, durchaus. Das einzige was ich Mr. Banderas ankreide ist sein offensichtlicher Hang zur Schule von Rodriguez und Tarantino. Dabei kann er sich aber dennoch nicht ganz zum Trash durchringen und ringt mitunter mit einer Ernsthaftigkeit, die dann beinahe schon wieder lächerlich erscheint. Der Film ist alles andere als stilsicher, aber das kann man wohl auch nicht erwarten. Also folgt der Satz, der jeden Regie-Neuling zur Weißglut bringen muß ... "für ein Debut nicht schlecht".

  • Respekt vor Antonio....
    Das hätte ich Banderas nicht zugetraut - ein wirklich toller, einfühlsamer Film. Man kann hier wirklich eine uneingeschränte Empfehlung abgeben. Streckenweise wird der Film nahezu schon poetisch....eine ausführliche Kritik zu dem Film gibts übrigens auf http://beam.to/filmkritik....Schladi

  • Hier meine Filmkritik
    Zuallerst dachte ich mal: Antonio Banderas als Regisseur? (Teletubbies im Aufklärungsunterricht?).
    Kann das gut gehen? Und - naja - für einen ersten Versuch garnicht schlecht! Ich bin
    wirklich überrascht gewesen über die "Qualität" des Films. Eine nette Story, allerdings
    ein Haken: es sind eigentlich 3 Stories. Und das ist es auch, was diesen Film von einem
    wirklich tollen Film trennt. Offensichtlich hat da jemand versucht (ratet mal wer :-),
    möglichst viel Geschichte in einen Film zu pressen. Die 3 Handlungsstränge (Roadmovie/
    Flucht, Rassendrama, Gerichtssaaldrama) werden ohne Rücksicht auf Verluste als
    eigenständige, kleine Filmchen verkauft. Tja, dabei verlieren aber alle 3 Elemente
    einiges an Qualität. Und so sind die einzelnen "Themen" des Films (getrennt betrachtet)
    wohl nur als durchschnittlich zu beurteilen. Im großen und ganzen aber doch ein
    Film der (gewisse) Unterhaltung bietet (obwohl das allzu häufige hin-und-her-schalten
    zwischen den Handlungssträngen manchmal nervt). Die Schauspieler sind gut (PeJo
    sieht cool aus mit Augenklappe), die Synchronisation ist ziemlich schlecht, Kamera
    ist gut, Regisseur ist...hmm...engagiert. Aber wie gesagt, oft ist weniger mehr und
    ein schlechter Film ist es sicher nicht.

    (Meine Wertung: 6,5 von 10 Punkte)

  • Anregungen
    Ich hätte einige Anregungen zum Schreiben von User-Kritiken 1. Wörter wie "genial", "super", "Mist", "Scheiße" etc. sollten vermieden werden. 2. Ebenso vermieden werden sollten Phrasen wie "der beste Film, den ich je gesehen habe" oder "unbedingt anschauen" oder "hat mir gefallen". 3. Eine Kritik sollte mindestens drei Zeilen lang sein und nicht die Handlung nacherzählen. 4. Urteile sollten nach Möglichkeit begründet werden. 5. Was ein anderer schon gesagt hat, braucht eigentlich nicht noch einmal gesagt zu werden. Wer neun oder mehr Jahre in die Schule gegangen ist, sollte das alles beherrschen. Es gibt noch vieles zwischen "genial" und "Scheiße". Wer es richtig macht: Zum Beispiel coke oder Mr. T Fight Club. Und meine Wenigkeit versucht es auch. Alles Liebe!