Vorsicht Sehnsucht

 F/I 2009

Les Herbes Folles

Tragikomödie 20.08.2010 104 min.
6.30
Vorsicht Sehnsucht

Der Großmeister des französischen Beziehungskinos Alain Resnais inszeniert eine zunehmend verrückter werdende Annäherung zweier Menschen im fortgeschrittenen Alter.

Nach einem Schuhkauf wird Marguerite (Sabine Azéma) mitten in Paris die Handtasche entrissen. Ihre Brieftasche
findet der Pensionär Georges (André Dussollier). Er beginnt sofort, sich für diese Frau um die 50 zu interessieren, die
einen Pilotenschein hat und in einem Pariser Vorort lebt, wo sie mit einer Kollegin (Emmanuelle Devos) eine
Zahnarztpraxis leitet. In seiner Phantasie versucht er sich vorzustellen, wie sie lebt, wer sie ist, und er überlegt, um sie
kennen zu lernen, ihr die Brieftasche persönlich zu bringen. Schließlich gibt er sie aber doch bei der Polizei ab und
hinterlässt dort seine Telefonnummer. Marguerite bedankt sich telefonisch, legt aber keinen Wert auf ein persönliches
Treffen, was Georges nur um so mehr dazu bringt, sich ein Bild von ihr zu machen und sich in ihr Leben zu drängen.
Der gutbürgerlich situierte Georges wirkt geradezu besessen von dieser unbekannten Frau, auch seine eigene Frau
Suzanne (Anne Consigny) und seine erwachsenen Kinder beginnen sich zu wundern. Dann aber kommt es nach
einem Kinobesuch doch noch zu einem Treffen von Georges und Marguerite und obwohl beide sehr lebenserfahrenen
Menschen sind, geraten die Dinge völlig außer Kontrolle.

Der ironisch kommentierende Off-Erzähler, die präzis aufeinander abgestimmten,
parallelen Handlungsebenen, und die lustigen, aber eigentlich tragischen Missverständnisse und psychologischen
Verwicklungen, machen den Film zu einer altersweisen, aber keineswegs milden Komödie über unerfüllte Wünsche
und Lebensentwürfe.

Details

Sabine Azéma, André Dussollier, Anne Consigny, Matthieu Amalric u.a.
Alain Resnais
Mark Snow
Eric Gautier
Alex Reval
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Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Narrenkraut
    Eine kleine Geschichte erzählt Alain Resnais ganz großartig. Marguerite (Sabine Azéma) wird die Handtasche geklaut und George (André Dussollier) findet ihre Brieftasche. Daraus ergeben sich Irrungen und Wirrungen von Gefühlen der beiden auf einander zu und voneinander weg. Ihre Aktivitäten werden von einem Off-Kommentar begleitet, der in einfacher Sprache philosophischen Tiefgang erreicht. Resnais arbeitet wie immer mit Wiederholungen und Rückwärtsspulen.
    Um die fehlende Handlung etwas fülliger zu gestalten, wird George eine Ehefrau Suzanne (Anne Consigny) und Marguerite eine Freundin (Emmanuelle Devos) zur Seite gestellt. Beide befürworten die diversen Treffen der ‘Liebenden‘ bis hin zu einem gemeinsamen Flug. Das Ende ist bewusst kryptisch gehalten: Absturz oder ménage à trois? Kunstflug wegen offenem Hosenlatz? Dann eine kindliche Frage, die nichts mit dem Film zu tun hat (‘Wenn ich eine Katze wäre, dürfte ich dann Kroketten essen?‘). Es gibt halt Sehnsüchte. Jeder hat welche, normale und absonderliche.
    Ein etwas exzentrisch abgehobenes Ende, das man nur wegen der hypnotischen Schauspielkunst von Resnais Lieblingsdarstellern erlebt.

  • unbegreiflich
    habe den film beim fm4- gewinnspiel vor einer woche gesehen und fand ihn miserabel. habe gestern die standardbesprechung gelesen und ich bewundere geradezu wie gut man in einem so langen artikel so wenig aussagen kann. auffallend dass der film des Altmeisters darin nicht bewertet wurde. bitte, wer den film sieht, soll mir erklären, was ihn so auszeichnet oder zumindest so sehenswert macht.