Westworld, Staffel 2, Episode 8: Akecheta und die Ghost Nation

HBO

Die Episode "Kiksuya" (dt. Titel: "Die Lebenden und die Verdammten") konzentriert sich ganz auf die Geschichte von Akecheta (Zahn McClarnon), dem Anführer des immer wieder auftauchenden Indianerstammes der Ghost Nation. Doch seine Geschichte hält viele Einsichten in die bisherige Handlung bereit.

 

FREEZE ALL MOTOR FUNCTIONS! Wer die Westworld-Episode "Kiksuya" noch nicht gesehen hat und nichts darüber erfahren will, sollte hier nicht weiterlesen. SPOILER-ALARM.

 

Das Erwachen von Akecheta

Serien-Review: Westworld, Staffel 2, Episode 8 HBO

Akecheta erzählt seine Geschichte Emily, der Tochter von Maeve. Sie ist am Ende der letzten Episode in die Hände der Ghost Nation geraten. Doch wie sich herausstellt, will Akecheta ihr nichts Böses – im Gegenteil: Er beschützt sie seit Langem. Leider wurde diese Intention oft missverstanden. Die Geschichte von Akecheta reicht zurück bis zum ersten Massaker von Dolores, bei dem sie Arnold getötet hat. Damals hat der Indianer das Labyrinth gefunden und begonnen ein Bewusstsein zu entwickeln. Im Laufe der Jahre hat er die Verbreitung des Labyrinth-Symbols zu seiner Mission gemacht. Damit hat er eine Art von Erwecker-Rolle. Denn Hosts, die mit dem Labyrinth konfrontiert werden, beginnen langsam aufzuwachen und ein eigenes Bewusstsein zu entwickeln.

Seit Jahrzehnten ist er auf der Suche nach seiner Frau. Nachdem er sie befreit hatte, wurde sie von einem QA-Team eingesammelt und durch einen anderen Host ersetzt. Gefunden hat er sie schließlich wieder im Lager für aussortierte Hosts – wobei in dieser Szene nicht zum ersten Mal die Frage auftaucht, wie es möglich ist, dass sich ein Host so frei in der Anlage bewegen kann. Gibt es kein Sicherheitspersonal? Und sogar den normalen Angestellten müssten ein durch die Gänge streifender Indianer als unkontrollierter Host auffallen. Noch dazu sind fast alle Wände aus Glas. Hier hat die ansonsten sehr durchdachte Geschichte einige logische Schwachstellen.

 

Akecheta und die Tür

Serien-Review: Westworld, Staffel 2, Episode 8 HBO

Bei seiner Suche hat Akecheta viele Entdeckungen gemacht und sein Bewusstsein immer weiterentwickelt. Er ist wahrscheinlich (von Dolores abgesehen) der älteste Host mit eigenem Bewusstsein. Allerdings wurde Akecheta nie zurückgesetzt, d.h. er befindet sich schon seit über 30 Jahren in diesem Zustand. Sogar Ford (Anthony Hopkins), dem er vor nicht allzu langer Zeit begegnet ist, zeigte sich beeindruckt von den Theorien, die der Indianer entwickelt hat. Er hat sich eine eigene Mission gegeben: Die Wahrheit zu verbreiten, dass es nicht nur diese Welt gibt, sondern mehrere – und dass die Hosts in der falschen Welt leben. Um aus dieser falschen Welt zu entkommen, muss er die Tür finden – die er schon einmal gesehen hat. Dabei handelt es sich wohl um die Einrichtung, die William einmal Dolores gezeigt hat. Doch es bleibt weiter unklar, was die Tür konkret sein soll. Ist es der Übergang in eine digitale Welt ohne Körper, in der nun auch Ford existiert? Oder ist es eine tatsächliche Tür im Sinne eines Ausgangs aus dem Park?

 

Der andere Blick auf Dolores

Serien-Review: Westworld, Staffel 2, Episode 8 HBO

In der zweiten Staffel hat sich Dolores von der vermeintlichen Erlöserin zu einer skrupellosen Revolutionärin gewandelt. Mehrere Anzeichen deuten darauf hin, dass sie nicht die glorreiche Heldin dieser Geschichte ist. Nach Maeve kommt nun mit Akecheta eine weitere Figur ins Spiel, die viel eher das Zeug zum Helden hat. Akecheta spricht von Dolores nur als "der Todbringer". Weder er noch Maeve scheinen Sympathien für den Rachefeldzug von Dolores zu haben. Schon klar, dass Charlotte Hale und Delos die Bösen sind. Aber es ist immer unwahrscheinlicher, dass Dolores die strahlende Heldenrolle einnimmt. Vielmehr dürfte sie eine sehr zwielichtige Gestalt sein – oder sogar einer von mehreren Bösen. Denn Ford hat Akecheta bei ihrem Treffen gesagt: "Wenn der Todbringer für mich zurückkommt, wirst du es wissen und deinen Stamm in eine neue Welt führen." Und Akecheta weiß, dass er nun schnell die Tür finden muss, bevor "der Todbringer uns alle vernichtet". Dolores ist also nicht der Host-Befreier, der sie zu sein scheint.

 

Was wird aus Maeve?

Serien-Review: Westworld, Staffel 2, Episode 8 HBO

Am Schluss der Episode stellt sich heraus, dass Akecheta nicht nur mit Emily geredet hat, sondern auch mit Maeve (Thandie Newton). Sie nutzt ihre Fähigkeiten sich mit dem gemeinsamen Netzwerk aller Hosts zu verbinden und hört mit. Akecheta scheint dies zu erkennen. Leider tut dies auch Charlotte Hale ( Tessa Thompson). Sie kennt jetzt die Fähigkeiten und Möglichkeiten von Maeve und hält damit einen Trumpf im Kampf mit Dolores in der Hand. Denn der Körper von Maeve liegt immer noch schwer verletzt auf einem Tisch in der Zentrale. Und ihre einzige Hoffnung dürfte – man glaubt es kaum – der bisher wenig sympathische Cheferzähler von Westworld sein, Lee Sizemore (Simon Quarterman).

 

 

Erwin Schotzger

Kommentare

ACHTUNG SPOILER:
Also ich denke, dass beide Seiten - also sowohl Dolores als auch Maeve und Akecheta - durchaus als Retter der Hosts gesehen werden können. MMn versucht Dolores die "Rettung" immer noch auf die Art, die Arnold ihr als einzigen Ausweg vermittelt hat - sie tötet alle Hosts, damit diese nicht mehr von den Menschen missbraucht werden können. Daher lässt sie auch alle Backups zerstören, damit (dieses Mal) eine Wiederherstellung bzw. Auferstehung der Hosts nicht möglich ist. Dazu würde auch passen, dass man bereits in der ersten Episode gesehen hat, dass am Ende ein großer Teil der Hosts vernichtet im See treibt.
Im Gegensatz dazu schwebt Maeve und Akecheta eine wirkliche Befreiung der Hosts vor. Es scheint so, als wäre dies auch das Ziel bzw. die Vorgabe von Ford. Offenbar ist er - zwar viel später als Arnold aber doch - auch zu der Auffassung gelagt, dass die Hosts ein Bewusstsein erlangt haben und nicht mehr für die Zwecke des Parks missbraucht werden sollen... Ist aber nur meine Meinung ;)