Schritte ohne Spur

 F/I 1959

A double tour

Krimi 110 min.
6.80
film.at poster

Chabrols erster Film in Farbe und ganz im Genre: die Verfilmung eines Stanley-Ellin-Krimis über eine bröckelnde bourgeoise Familie.

Der schwächliche Vater geht mit der neuen Nachbarin fremd, die dominante Mutter ist mit dem Aufrechterhalten der Fassade beschäftigt, die Tochter fügt sich, der Sohn ist verrückt.

Als die Geliebte des Vaters ermordet wird, fällt die falsche Harmonie endgültig in sich zusammen - was Claude Chabrol in die Form des Films übersetzt: "A double tour ist in zwei Bewegungen konstruiert, die zeitlich verkehrt angeordnet sind: Die zweite Rückblende erzählt, was in der ersten passierte." Der Film, in dem er Douglas Sirk am nächsten ist, bildet auch Chabrols erste Brücke zwischen Genre-Dekonstruktion und Mainstream.

Eine ausgesprochen ausgelassene Versuchsanordnung: Kameramann Henri Decaë darf sich mit fetter Farbsättigung der Provence-Landschaften und ausgeklügelten Kamerafahrten austoben, die Musik interveniert melodramatisch überdreht, und Chabrol weidet sich respektlos am Detail. (Christoph Huber)

Details

Jean-Paul Belmondo, Madeleine Robinson, Bernadette Lafont
Claude Chabrol
Paul Misraki
Henri Decaë
Claude Chabrol

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Mord mit Ansage
    Ein früher Film von Chabrol (1959), in dem bereits sein unbestrittenes Talent zum Vorschein kommt. Das Wichtigste neben dem Mord ist das soziale Umfeld, in dem er stattfindet. Die bürgerliche Moral wird in ihrer ganzen Doppelbödigkeit gegeißelt. Man beharkt sich heftig in dieser Familie und betrügt einander, aber wahrt immer die Kontenance nach außen. Von den Schauspielern beherrscht der junge Belmondo die Szene von Anfang bis Ende. Er beeindruckt nicht nur als Typ, sondern er hebt sich auch wohltuend vom übrigen Clan ab. Die Einstellung der Kamera verrät den Mörder bereits sehr früh. Trotz dieses Wissens folgen aber noch fesselnde Szenen, in denen einen die Darsteller überzeugen. So tut der Satz „Ich bin gekommen, um sie zu ermorden.“ auch der Spannung keinen Abbruch. Hier lässt sich der Altmeister noch Zeit für fast schmalzige Kuss- und Liebeszenen, während die Kamera immer wieder in das Blattwerk der Bäume verschwindet. Und wie so oft bei Chabrol löst die Polizei nicht den Fall sondern die Familie. Es ist einer seiner besseren Filme. Bissig, amüsant, interessant