Der Stadtneurotiker

 USA 1977

Annie Hall

Romanze, Komödie 93 min.
8.10
Der Stadtneurotiker

Alvy Singer (Woody Allen), ein New Yorker Komiker erzählt die Geschichte seines Lebens, in dessen Mittelpunkt seine Bezeihung zu Annie Hall (Diane Keaton) steht

Alvy, aufgewachsen in einer ärmlichen jüdischen Familie in Brooklyn, ist der Stadtneurotiker: ängstlich und egozentrisch, neurotisch und sexbesessen, intellektuell und hypochondrisch. Seit seiner Kindkeit kreisen seine Gedanken um zwei Dinge: Frauen und Tod.

Annie Hall dagegen ist ein Mädchen aus einer durchschnittlichen amerikanischen Mittelstandsfamile. Sie träumt davon, Sängerin zu werden, und Alvy unterstützt sie in ihren Plänen. Anfangs unsicher und wenig selbstbewußt reift sie zu einer ausgeprägten Persönlichkeit - ganz im Gegenteil zu Alvy, dessen Leben ein Kreisen um stets die gleichen Probleme zu sein scheint.

Die Beziehung zwischen Annie und Alvy gerät in eine Krise, als Annie die Chance auf einen Plattenvertrag erhält und nach Los Angeles zieht. Obwohl dem melancholischen, gedankenschweren Alvy der leichte, unbeschwerte Lebensstil Kaliforniens zutiefst suspekt ist, zieht er ihr nach einiger Zeit nach. Doch dieser Rettungsversuch bleibt letztlich fruchtlos.

Mit Annie Hall gelang Woody Allen eine Komödie über die lebenslange und letztlich zum Scheitern verurteilte Suche nach "dem/der Richtigen". Mit rücksichtsloser Ehrlichkeit und gleichzeitig voll abgründiger Komik erzählt er von einer Beziehung, die, stellvertretend für tausende andere, an der Egozentrik der Beteiligten zerbricht. Mittels Untertitel, die den gesprochenen Dialog konterkarieren, Split-Screens, anachronistischen Rückblenden und ähnlicher Verfremdungseffekte gelingt ihm eine ironische Sicht auf die Vertracktheit der Beziehung zwischen Frau und Mann.

Details

Woody Allen (Alvy Singer), Diane Keaton (Annie Halb| Tony Roberts (Rob), Carol Kane (Allison), Paul Simon (Tony Lacey), Shelley Duvall (Pam), Janet Margolin (Robin), Colleen Dewhurst (Mutter Halb| Christopher Walken (Duane Halb| Donald Symington (Vater Halb| Beverly D´Angelo, Sigourney Weaver (Alvys Verabredung), Jeff Goldblum
Woody Allen
Carmen Lombardo, Isham Jones
Ralph Rosenblum, Wendy Green
Woody Allen

Kritiken

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User Kritiken

  • Fingerübung eines Vielfilmers
    Das ist ein ziemlich früher Woody Allen und man sollte ihn als Vorübung für spätere, bessere Filme sehen. Aber schon hier geht es in der exzentrischen Egozentrik des Regisseurs und Hauptdarstellers um sein Lieblingsthema ‘Sex‘. Davon die Variante zwischen Impotenz und Orgasmus. Die Girlys laufen Woody förmlich nach. Ärgerlich nur, die er hat, will er nicht und die er will, hat er im Moment gerade nicht. Hier ist es Annie Hall (Diane Keaton), die auch mal mit zarten Stimmchen in einer Bar singen darf. Auch der hausgemachte Pessimismus des Autors kommt hier schon zum Vorschein: ‘Das Leben zerfällt in zwei Kategorien: Das Schreckliche und das Unglückliche.‘
    Viele der Jokes kommen heute als Kalauer an oder sind überhaupt nicht lustig und die Ironie ist so versteckbuchselt, dass man sie nicht bemerkt. (‘Masturbation ist Sex mit jemanden, den ich sehr liebe‘) Die endlosen Dialoge scheinen heute irgendwie aus der Zeit gefallen. Da kommt Langeweile auf, wenn man nicht hin und wieder durch einen Joke hochschrecken würde (Nach dem Einparken ‘Bis zum Bürgersteig gehen wir zu Fuß‘.) Und seine Neurosen haben nur bedingt etwas mit der Stadt zu tun. Es geht doch nur um Annie Hall.
    Bemerkenswert bleiben aber folgende Dinge: die vielen Cameos von Promis (Simon, Goldblum, Walken u.v.a.) dramaturgisch die Hinwendung zum Publikum; auch Split Screen kommt vor. Da fällt der Held förmlich aus der Rolle. Und es ist auch schon mal ein Cartoon dabei.
    Woody hat zwar als Gag-Schreiber angefangen. Hier übt er halt noch. Na ja, was lange währt… Und wenn er nur diesen Film gemacht hätte, würde niemand auch nur ein Wort über ihn verlieren.