Die Träumer

 GB/F/I 2003

The Dreamers (I sognatori)

Drama, Independent ab 14 130 min.
7.20
Die Träumer

Bernardo Bertolucci erzählt eine zutiefst bewegende Geschichte von Politik und Kino, Rebellion und Sexualität, Passion und Protest.

Paris 1968: Zeit des Aufbruchs und der Utopie, der Hoffnung, die Welt verändern zu können. Aber auch Hochzeit der Cinéasten, die Abend für Abend wie süchtig in der Cinémathèque Francaise Filme aus dem alten Hollywood und der Nouvelle Vague verschlingen. Das wahre Leben findet auf der Leinwand statt! Als de Gaulles Kulturminister André Malraux den beliebten Leiter der Cinémathèque, Henri Langlois, entlässt, kommt es zu ersten Demonstrationen. Auch Theo (Louis Garreb| seine Zwillingsschwester Isabelle (Eva Green) und der junge, schüchterne Amerikaner Matthew (Michael Pitt) mischen sich unter die friedlich Protestierenden. Da die Eltern der Geschwister für ein paar Wochen ans Meer fahren, ziehen sich die Drei in die große Altbauwohnung im Quartier Latin zurück und beginnen ein harmloses Film-Ratequiz, das sich peu à peu in ein gefährliches Spiel um Lust und Begierde wandelt. Es gibt weder Tabus noch Pardon in dieser "Ménage à trois", die Träumer überschreiten die Grenzen bürgerlicher Moral, stellen in ihrer hermetisch abgeschlossenen Welt eigene Regeln auf. Ohne sich darum zu kümmern, was draußen passiert, lieben und quälen sie sich, entdecken die Freiheit der Sexualität, entblößen nicht nur ihren Körper, sondern auch die Seele. Erst ein Stein, der durchs Fenster fliegt, holt sie in die Wirklichkeit zurück. Zu jungen Erwachsenen gereift, verlassen das Haus und reihen sich spontan ein in die Demonstrantenschar, stürzen sich in den Straßenkampf. Unter dem Pflaster liegt der Strand...

Bernardo Bertolucci, einer der ganz Großen des europäischen Kinos erinnert sich an die ihn und eine ganze Generation prägenden Monate in Paris und erzählt eine zutiefst bewegende Geschichte von Politik und Kino, Rebellion und Sexualität, Passion und Protest.

Details

Michael Pitt, Louis Garrel, Eva Green, Robin Renucci, Anna Chancellor, Florian Cadiou u.a.
Bernardo Bertolucci
Fabio Cianchetti
Gilbert Adair
Concorde Filmverleih
ab 14

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Drei in Paris 1968
    Isabelle (Eva Green) und Theo (Louis Garrel) sind quasi siamesische Zwillinge, im Kopf zusammen gewachsen. Sie freunden sich mit dem biederen, etwas genanten Amerikaner Matthew (Michael Pitt) in Paris an. Es ist 1986, auf den Straßen finden Studentendemonstrationen statt. Die drei verbringen einige Tage miteinander; lesen, diskutieren, kiffen und baden gemeinsam. Was zunächst noch als ein sadistisches Spielchen durchgehen könnte, entwickelt sich zur sexuellen Befreiung durch einen Tabubruch: öffentlich gemachte Sexualität: onanieren und deflorieren.
    Der Zeitgeist der 68er wird exakt wiedergeben durch s/w Originalaufnahmen von “Außer Atem“, Musik von Clapton und Hendrix, Diskussion über den Krieg in Vietnam oder Mao. So bleibt letztlich die damals oft gestellte Frage offen: Veränderung durch Liebe oder Gewalt...“
    Ein echter Bertolucci eben, sehr freizügig, aber nicht pornographisch. Anschaulich überzeugende Hommage an das Kino. Zum Abspann singt die Piaf “ Non je ne regrette rien…“ Schmunzel, schmunzel…

  • Sehr empfehlenswert!
    Obwohl der Film nicht viel Handlung hat - die drei Akteure verlieren sich immer mehr in ihrer Traumwelt aus Film, Sex und Gefühlsverstrickungen - kommt keine Minute Langeweile auf. Zu atmospärisch dicht, zu packend die Darstellung der Charaktere.

    Die Beziehung der drei und damit die Handlung ist außergewöhnlich, dennoch kommt alles absolut glaubwürdig und schlüssig 'rüber.

    Hier zeigt sich die Meisterschaft von Bertolucci. Während andere Beziehungsdramen mit künstlerischem Anspruch - wie sie das europäische Kino in den letzten Jahre in einigen Ausführungen hervorbrachte - trotz Sexszenen bald Langeweile aufkommen lassen, zeigt der Altmeister dem Regienachwuchs noch mal wie's geht.

    Die Darstellung des Endes des Films auf film.at (Pressetext?) kann ich nicht nachvollziehen: "Erst ein Stein, der durchs Fenster fliegt, holt sie in die Wirklichkeit zurück. Zu jungen Erwachsenen gereift, verlassen das Haus und reihen sich spontan ein in die Demonstrantenschar, stürzen sich in den Straßenkampf. "

    In die Wirklichkeit zurückgeholt werden sie wohl eher durch den Scheck (und damit die Anwesenheit) der Eltern. Allerdings mit beinahe tragischen Ausgang.

    Daß sie zu Erwachsenen gereift, das Haus verlassen und sich in den "Straßenkampf stürzen", kann man auch nicht so stehenlassen:

    Vielmehr zerbricht die kleine Gemeinschaft an der Wirklichkeit. Zuerst der Mord- und Selbstmordversuch von Isabelle und dann der endgültige Split auf der Straße. Während Theo sich in den gewalttätigen Bereich der Demonstrationen flüchtet, erkennt Matthew das als falschen Weg, den er nicht mitgehen will. Und Isabelle entscheidet sich - wieder einmal - für ihren Bruder ...