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© Sony Pictures

Filmkritik
12/30/2019

"3 Engel für Charlie": Frauen im Kampf gegen die Männerwelt

Elizabeth Banks hat ein schwer feministisches aber schwach umgesetztes Reboot der berühmten Fernsehserie gedreht.

von Franco Schedl

Auf diesen Film wird man richtig neugierig, denn seitdem er vor knapp einem Monat in Amerika gestartet ist, hat er von Zuschauerseite fast nur negative Kritiken erhalten und auf der Internet Movie Database bloß eine Wertung von 4,0 erreicht, was sich ja ziemlich beängstigend anhört, weil das schwer zu unterbieten ist.  Haben wir es also nach den beiden „Angels“-Filmen zu Beginn der 2000er mit Lucy Liu, Cameron Diaz und Drew Barrymore nun erneut mit einem grandios gescheiterten Versuch zu tun, die legendäre Krimiserie aus den 70ern fürs Kino wiederzubeleben? 

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 Engel und Bosleys

Zunächst bleibt aber die andere Frage, worum es hier eigentlich geht, zu klären. Elena (Naomi Scott) ist eine Wissenschaftlerin, die eine neue Energiequelle entwickelt hat, doch bei ihren Auftraggebern ist dieser so nutzbringende kleine gezackte Würfel in den falschen Händen und könnte sich in eine tödliche Waffe verwandeln. Daher wendet sich Elena an eine Agentur, deren Agentinnen Sabina (eine burschikose Kristen Stewart mit blondem Kurzhaarschnitt) und Jane (Ella Balinska) ihr beim Zurückholen der Erfindung helfen sollen.  Anweisungen erhalten die weiblichen James Bonds durch Vorgesetzte, die alle den Namen Bosley tragen. Einer der Bosleys wird durch Patrick Stewart verkörpert, geht aber bald in Pension; seine Nachfolgerin - gespielt von Elizabeth Banks - wird fortan alle gefährliche Einsätze der Frauen koordinieren und falls nötig, auch selber zur Waffe greifen.

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Starke Frauen als Verunsicherung?

Banks, die hier gleich in vierfacher Funktion als Regisseurin, Drehbuchautorin, Produzentin und Darstellerin tätig war, hat das Desinteresse oder die ablehnende Haltung des Publikums an ihrem "Engel"-Reboot darauf zurückgeführt, dass Männer keine von Frauen dominierte Action-Filme sehen möchten - abgesehen von Comic-Heldinnen wie „Captain Marvel“ oder „Wonder Woman“.  Klingt das nicht eher nach einer billigen Ausrede?  Wenn die Männer als mögliche Zielgruppe schon versagen, hätte nun eigentlich das weibliche Publikum die Kinos stürmen können.  Abgesehen davon müssten nach dieser Logik auch Werke wie "Nikita", "Lara Croft", "Salt", "Atomic Blonde" oder "Red Sparrow" gefloppt sein.  Banks würde jedoch einwenden, dass dabei stets Männer Regie geführt haben.  Was macht also ihren femininen Beitrag zu diesem Film aus?

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Keine Chance für Männer

In Betreff der Kampfszenen bleibt sie zumindest sehr rückwärtsgewandt und inszeniert geradezu altbackene Einheitsaction, die aus jedem beliebigen Agentenfilm stammen könnten. Den Genreregeln entsprechend, bekommen wir außerdem die üblichen internationalen Schauplätze geboten: über Rio, Hamburg, Berlin, London und Istanbul verlagert sich die Handlung auch nach Amerika und Frankreich. Banks legt dafür eine streng feministische Sicht der Dinge an den Tag, wobei sie aber leider nur die gängigen Klischees umkehrt: das stereotype Frauenbild aus alten Actionfilmen wurde nun auf die Männerwelt übertragen und es gibt keinen einzigen Protagonisten, der sympathisch wäre. Männer sind ausschließlich geldgierige, dümmliche, sexistische Feiglinge, Opportunisten oder Verräter bzw. hirnlose Kampfmaschinen und Killer. (Einzige Ausnahmen: ein harmloser junger Wissenschaftler, mit dem Jane zwischendurch mal kurz flirtet; ein Kollege der nur wenige Minuten überlebt; sowie ein Esoterikbursche und Waffenexperte namens Saint, der aber eher geschlechtslos wirkt.) Die Engel treten ausschließlich gegen männliche Bösewichte an und im Finale wird dieses Konzept dann geradezu übertrieben deutlich: alle Männer gehen zu Boden und es dominiert eine geheime Armee von Frauen, die inkognito praktisch über die ganze Welt verteilt ist. Sogar Charlies legendäre Stimme, die zweimal aus dem vertrauten Lautsprecher dringt, stellt sich zuletzt als weiblich heraus.

Die neuen Engel versprechen somit keine höllisch gute Unterhaltung, bieten jedoch zumindest halbwegs solide Action mit femininem Touch, der aber oft auch allzu penetrant eingesetzt wurde. Ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis hätte dem Film keinesfalls geschadet. Alles in allem wird sich durch Banks Reboot die Überzeugung verfestigen, dass diese Engel endlich dort bleiben sollten, wo sie hingehören: im Himmel der alten Fernsehserien.

2 1/2 von 5 Vorhangschlingen um Männerhälse

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Ein weiteres Reboot der Fernsehserie aus den 1970ern: drei neue Engel (darunter Kristen Stewart) nehmen vom mysteriösen Charlie gefährliche Aufträge entgegen.