© Sony Pictures

Filmkritiken
06/28/2019

"Spider-Man: Far From Home": Liebestoller Superheld auf Europa-Trip

Gute Action, aber flacher Humor zum Abschluss der Phase 3 des Marvel Cinematic Universe (MCU).

Peter Parker (Tom Holland) weilt wieder unter den Lebenden. Doch dafür hat Iron Man in "Avengers: Endgame" sein Leben gelassen. "Far From Home" ist daher weniger eine Fortsetzung von "Spider-Man: Homecoming" als vielmehr der Abschluss der Marvel-Geschichte nach "Endgame".

Peter war wie die Hälfte der Weltbevölkerung durch den "Thanos-Snap" für fünf Jahre ausgelöscht. Nun sind alle zu Asche zerfallenen Menschen wieder zurück. Die Medien im Marvel Cinematic Universe (MCU) nennen dieses Phänomen den "Blip". Menschen, die "geblibt" wurden, sind im selben Alter wieder zurückgekehrt, während alle anderen um fünf Jahre gealtert sind.

Ein interessantes Phänomen, das im MCU vielleicht in Zukunft noch thematisiert wird. Hier dient es vor allem als gelungener Einstieg in den Film, der den aktuellen Status des MCU äußert witzig und auf menschlicher Ebene nachvollziehbar darstellt.

Peter Parker ist jedenfalls zurück und mit ihm auch seine gesamte Schulklasse, die offensichtlich allesamt "geblibt" wurden – denn alle sind noch im selben Alter. Der Tod von Tony Stark, der für Peter ein Mentor war, lastet schwer auf dem jugendlichen Helden. Noch dazu hat ihm Tony den Zugang zur hochentwickelten Stark-Technologie vererbt. Auf seinen Schultern lastet somit das Vermächtnis von Iron Man. Ginge es nach ihm, würde Spider-Man ein bodenständiger Superheld in der New Yorker Nachbarschaft bleiben. Aber auch die Medien sehen in ihm jetzt einen Superhelden auf "Avengers"-Niveau. Kein Wunder, dass Peter ein wenig gestresst ist.

 

Romantische Superhelden-Komödie

Noch dazu hat Peter vor allem MJ (Zendaya) im Kopf. Da kommt ihm der Europa-Trip seiner Schulklasse gerade recht. Urlaub vom Superhelden-Dasein ist angesagt. Und natürlich soll es auf der Klassenfahrt zwischen ihm und MJ endlich funken.

Doch natürlich kommt alles anders als geplant. Nicht nur in der Liebe, sondern auch in Sachen Superhelden-Urlaub. Denn kaum in Venedig angekommen wird die Stadt von einem gigantischen Wassermonster attackiert. Rettung kommt jedoch in Form eines neuen Helden, der von den italienischen Medien gleich den Namen Mysterio (Jake Gyllenhaal) verpasst bekommt. Dann taucht auch noch Nick Fury (Samuel L. Jackson) auf und rekrutiert Spider-Man für den Kampf gegen die neue Bedrohung.

Wie es weitergeht, ist nur schwer ohne Spoiler zu beschreiben. Doch so viel sei verraten: "Spider-Man: Far From Home" hält abgesehen vom Trip quer durch Europa auch noch ein paar sehenswerte Action-Szenen und bis ganz zum Schluss noch mehr als eine Überraschung bereit.

 

Gute Action, flacher Humor, vorhersehbarer Plot

Wenig Überraschungen gibt es hingegen beim Humor. "Far From Home" setzt wieder auf einen Genre-Mix aus Highschool-Komödie und Superhelden-Action. Das passt zu Spider-Man, der ja auch von Marvel-Legende Stan Lee als Teenage-Superheld für eine junge Zielgruppe gedacht war (auch wenn Peter Parker im Comic schon in die Jahre gekommen ist). In der ersten Hälfte ist der neue "Spider-Man"-Film eine romantische Komödie, die an einen 80er-Jahre-Mix aus John-Hughes-Filmen wie "Hilfe, die Amis kommen" und "Ferris macht blau" erinnert. Peter führt sich wie ein liebestoller Teenager auf, was er ja auch ist. Aber dabei bleibt der Humor eher flach.

Bis sich endlich der Schurke des Films aus der Deckung wagt (auch wenig überraschend), entstehen einige Längen. Dann dominiert aber wieder die Action: Diese wirkt zwar teilweise ein wenig generisch (z.B. die "Vier-Elemente-Monster"), schafft aber auch einige fantastische Sequenzen, die an "Matrix" und "Inception" erinnern. Auch der Plot überzeugt nicht wirklich. Oder glaubt im Ernst jemand, dass Nick Fury sich so einfach täuschen lässt?

Marvel setzt einmal mehr auf Genre-Variationen, um seinen Superheldenfilmen neue Facetten abzugewinnen. Das ist allerdings in der Vergangenheit schon besser gelungen. Trotzdem hat "Spider-Man: Far From Home" alles, um Marvel-Fans und vor allem ein jüngeres Publikum zu begeistern. Somit ist wohl auch für die nächsten Jahre dafür gesorgt, dass Marvel-Superhelden für klingelnde Kinokassen sorgen.