Kunst-Stücke: Spass ohne Grenzen

1998

IndependentDokumentation

"Spass ohne Grenzen" von Ulrich Seidl begleitet Frau Dorothee Spohler-Claußen aus Hannover, die Freizeitpark-Weltmeisterin, einen Tag lang durch den Europapark.

Min.45

Spaß ist bei Ulrich Seidl kein Problem. Zumindest handeln seine Filme oft davon, dass sich Spaß automatisch einstellt. So führt uns der Fernsehfilm SPASS OHNE GRENZEN (1998) in einen Vergnü-
gungspark und zeigt zu Beginn eine Attraktion in der Geisterbahn: Eine Puppe mit verzerrter Fratze sitzt auf einem elektrischen Stuhl; auf Knopfdruck zwingt der Strom den starren Körper zu gequältem Leben: Licht blitzt, aus dem gerösteten Hirn steigt Rauch auf, die Puppe wackelt und schreit vor Schmerz. So ein Spaß! Etwas später lässt uns der Film in die verzerrten Gesichter von Parkbesuchern blicken, bei denen der Spaß ebenfalls auf Knopfdruck funktioniert. Das zwanghafte Lachen, unter dem sie sich schier endlos krümmen, hat etwas von Schmerzenslauten und wird offenkundig auf Kommando der Regie abgesondert. Dieses Lachen ist, wie fast alles in Seidls Dokumentationen, im emphatischen Sinn gestellt. Aber gibt es ein Lachen im Vergnügungspark, das nicht gestellt, mit apparativem Kalkül hergestellt wäre? Zum Lachen sind wir ja da; der Spaß ist Teil und Produkt eines funktionierenden Systems. (Drehli Robnik)

  • Schauspieler:Dorothea Spohler-Claußen

  • Regie:Ulrich Seidl

  • Kamera:Wolfgang Thaler

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