La Baie des anges

 F 1962
Independent, Avantgarde 89 min.
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Die Idee zu diesem Film wurde aus Eindrücken geboren, die ich in Spielkasinos gewann, wo ich eine seltsame Gesellschaft entdeckte: eine abwesende Menschenmenge, wie verstört und besessen, deren Ausdruck von Angst und von moralischem Verfall zeugt. Ein Verfall, der durch Liebe wieder ins Lot gebracht werden kann, wie ich versucht habe am Beispiel dieses Spielerpaares zu zeigen, das sich gegenseitig hilft, wieder an die Oberfläche zu gelangen. Gerade dieser Kampf ist in meinen Augen wichtig. Durch ihn werden die beiden Figuren erst interessant. Das Roulette-Spiel ist nur der Anlass. Ich glaube, einen Film aus der Sicht eines Moralisten gemacht zu haben. Wobei ich diesem Terminus weder eine abwertende noch eine glorreiche Bedeutung geben möchte. Ich meine lediglich Folgendes: Es ist notwendig, dass die Liebe stärker ist und dass es gut ausgeht; man darf sich nicht gehen lassen, man muss ständig reagieren und sich unter Kontrolle haben. Jacques Demy «Arts», 1964 Die Irisblende ist das «Es war einmal» des Films. So beginnt "La Baie des anges" und so begann schon "Lola", Jacques Demys erster Spielfilm. Dann folgt in beiden Filmen eine schnelle Fahrt über eine Uferstraße und man fühlt sich plötzlich wie in einem Flugzeug, das sich vom Boden hebt. Es ist schwer zu beschreiben, wie Demy es macht, seine Filme der Schwerkraft zu entheben. Mit Sicherheit lässt sich zunächst nur feststellen, dass aus dem Material selbst, aus den puren Fakten seiner Geschichten diese Leichtigkeit nicht kommt. Die sind im Gegenteil sinnbeladen und bedeutungsschwer. "La Baie des anges" ist eine Spieler-Erzählung, und es lagern auf den Teilen, aus denen Demy seinen Film montiert, in vielen Schichten alle früheren Spieler-Erzählungen - er versucht beileibe nicht, sie wegzueskamotieren. Unsere Erinnerungen an alte Geschichten sind eingeplant in seine Geschichte. Erst mit unseren Erinnerungen kann er sie so erzählen, wie er es möchte. Was in seinem Film an Neuem frei wird, ergibt sich aus seiner Art, Altes miteinander in Beziehung zu setzen, Bekanntes gegeneinander zu führen. Frieda Grafe «Nur das Kino. 40 Jahre mit der Nouvelle Vague» Hrsg. von Enno Patalas, Berlin: Brinkmann & Bose, 2003

(Text: Viennale 2006)

Details

Jeanne Moreau, Claude Mann, Paul Guers, Henri Nassiet, André Certes, Nicole Chollet, Conchita Parodi, Georges Alban, Jacques Moreau, André Canter, Jean-Pierre Lorrain
Jacques Demy
Michel Legrand
Jean Rabier
Jacques Demy

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