Das wilde Schaf

 F/I 1973

Le Mouton enragé (Love at the Top)

Romanze 95 min.
7.50
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Ein kleiner Bankangestellter macht Karriere, indem er einflußreiche Frauen verführt.

Aus einer Laune heraus spricht der Pariser Bankangestellte Nicolas Mallet eines Tages in seiner Mittagspause ein hübsches Mädchen an. Marie-Paule trägt ihre Haare lang und ihren Rock kurz, mit ihrem heftigen englischen Akzent verkündet sie zunächst, sich mit armen Schluckern nicht abgeben zu wollen. Doch dabei soll es nicht bleiben, denn Marie-Paule wird nicht nur zu seinem ersten Erfolg, sondern steht auch am Beginn eines wahren Eroberungsfeldzugs, den Nicolas mit Hilfe seines Freundes Claude nach genauem Plan startet. Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen in Le Mouton enragé kann man getrost verkorkst nennen, es ist geprägt von Machtinteressen, Manipulation und Ausbeutung. Im Hintergrund zieht ein Schriftsteller namens Claude Fabre die Fäden, der sehr wahrscheinlich der Teufel ist: Er stellt seinem Freund Nicolas die Aufgaben, deren Erfüllung ihn am Ende reich und einflussreich, aber nicht unbedingt glücklich macht. Das Aufbäumen des «wilden Schafs» führt nur in eine andere Abteilung des Schlachthofs, in der die Wände vielleicht etwas bunter gestrichen sind. Von den Verhältnissen zwischen den Geschlechtern ebenso wie von den verkommenen Machenschaften der herrschenden Klasse entwirft Deville ein recht realistisches, wenngleich leicht überzeichnetes Bild, eben ganz so, wie sich das für eine tragikomische Farce gehört. Folgerichtig fällt die möglicherweise einzig wahre Liebe einem dramaturgischen Einfall zum Opfer, den der Regisseur zynisch aus der Tiefe der Boulevard-Trickkiste holt und kaltlächelnd hinknallt. Und wenn Marie-Paule Nicolas küsst, dann macht sie den Hals ganz lang, wie ein scheues Tier, das seine Neugier nicht beherrschen kann und um die Gefährlichkeit dieses Mangels an Beherrschung weiß. Die Unbeschwertheit, mit der sie durch den Pariser Sonnenschein treibt, und immer wieder mal in Nicolas Leben hinein, das eigenen Pfaden folgt, wird ganz allmählich brüchig. (Alexandra Seitz)

(Text: Viennale 2005)

Details

Jean-Louis Trintignant, Romy Schneider, Jean-Pierre Cassel, Jane Birkin, Florinda Bolkan, Georges Wilson, Henri Garcin
Michel Deville
Camille Saint-Saëns, José Berghmans
Claude Lecomte
Christopher Frank nach einer Vorlage von Roger Blondel

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Escort-Service als Aufstieg
    Eine Gesellschaftssatire aus den wilden 70er Jahren, die einen sozialen Aufstieg aufgrund von sexueller Überzeugungskraft zum Thema hat. Auftragsgemäß verführt Nicolas Mallet (Jean-Louis Trintignant) jede Frau, die nicht bei drei auf dem Baum ist. Sein gehandikapter Freund Claude (Jean-Pierre Cassel) macht hier auf Kirkegaard, ohne ein Tagebuch zu schreiben.
    Wenn man am munteren sexuellen Treiben von Mallet Gefallen findet, kann einem die schwer nachvollziehbare Logik dieser Erfolgsstory egal sein. Dann kann man höchstens noch zwischen den einzelnen Mädels differenzieren. Jane Birkin ist das willige, blonde Dummchen, Romy Schneider die Rasierklinge mit Emotionen, Nichte Sabine (Dominique Constanza) macht auf läufige Hündin und Flora die Tigerin (Florinda Bolkan) spielt mit ihm.
    Mallet ist der Womanizer, der ‘ein Dessert bestellt und immer ein ganzes Menü bekommt‘. Sex und wirtschaftlicher Erfolg laufen parallel. Ersteres ist ja ganz unterhaltsam, zumal es auch noch Tote gibt, aber der zweite Aspekt kommt nicht so ganz als Satire rüber, wenn die Schlusssequenz eine konventionelle Bilderfolge von Suizid, Beerdigung, Nachruf und Hochzeitszeremonie ist. Kann als Joke gemeint sein, ist aber zu lammfromm und hausbacken. Wild ist der Mallet schon, aber ein Schaf? Eher ein Vertreter aus der Hasenfamilie.