Brief einer Unbekannten

 USA 1948

Letter from an Unknown Woman

Drama, Literaturverfilmung 87 min.
8.00
Brief einer Unbekannten

Ein Konzertpianist bereitet sich vor, aus Wien zu fliehen, um einem Duell zu entgehen. Ein Brief erreicht ihn in dieser letzten Nacht, das Bekenntnis einer Frau, dessen Zuneigung er immer wieder zurückgewiesen hat.

Die Geschichte einer unerfüllten Liebe im Wien der Jahrhundertwende: Ein Konzertpianist bereitet sich vor, aus der Stadt zu fliehen, um einem Duell zu entgehen. Da erreicht ihn in der letzten verbleibenden Nacht ein Brief - es ist das Bekenntnis einer Frau, deren Zuneigung er immer wieder ignoriert hat. In Rückblenden wird ihr Leben erzählt - im Zeichen der unerwiderten Liebe und unerfüllten Sehnsucht. «Wenn du diesen Brief liest, bin ich schon tot.» - Regisseur Max Ophüls realisierte Letter from an Unknown Woman nach der Novelle von Stefan Zweig 1948 in Hollywood: ein funkelndes Melodram um eine Amour fou und zwei verpfuschte Leben. Joan Fontaine verliebt sich als junges Mädchen Lisa in ihren Nachbarn, den Konzertpianisten Stefan Brand (Louis Jourdan), und wird ihrer Obsession im Laufe ihres Lebens alles opfern. Brand hingegen verschleudert sein musikalisches Talent, um sich einem Leben als Playboy zu widmen. Jourdan gelingt es, seine Figur stets in einer interessanten Ambivalenz zu halten: Er ist oberflächlich, jedoch so charmant, dass man seinen routiniert vorgetragenen Galanterien manchmal beinahe glauben möchte. Fontaine dagegen ist ganz linkische Verlegenheit, dabei verströmt sie eine enorme Liebe, die der Pianist jedoch nie wahrnimmt. Dass Lisa für ihn nur irgendeine Frau ist, zeigt die vielleicht grausamste Kameraeinstellung der Filmgeschichte: Wenn Lisa mit Brand die Treppe zu seiner Wohnung hinaufsteigt, nimmt die Kamera genau jene Position im Treppenhaus ein, aus der Lisa als Jugendliche schon einmal beobachtet hatte, wie der Pianist mit einer anderen weiblichen Bekanntschaft nach Hause gekommen war. (Lars Penning)

(Text: Viennale 2006)

Details

Joan Fontaine, Louis Jourdan, Mady Christians, Marcel Journet, Art Smith, John Good, Carol Yorke, Howard Freeman
Max Ophüls
Daniele Amfitheatrof
Franz Planer
Howard Koch, Max Ophüls

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Eine tragische Liebe
    Der große Max Ophüls hat Stefan Zweig verfilmt. Herausgekommen ist ein menschliches Drama, dessen Tragik heute fast unerträglich erscheint und das es auch so heute nicht mehr geben könnte. Es liegt also etwas Staub auf der Handlung um eine unerfüllte große Liebe: Trennung nach einem One-Night-Stand, Schwangerschaft und Begegnung nach vielen Jahren. Der einst gefeierte Pianist und ehemaliger Womanizer Stefan Brand (Louis Jourdan) erkennt seine große Liebe Lisa (Joan Fontaine) nicht wieder. Sie kann und will die Unklarheiten nicht beseitigen und verlässt das improvisierte Souper. Erzählt wird in Briefen (Titel!) einer Verstorbenen mittels Retro. Das Wort Typhus schwingt im Raum. Doch es war wohl eher Lisas gebrochenes Herz. Und um die Schmerzgrenze zu überschreiten liest Stefan diese Briefe am Vorabend zu einem Duell (Wir sind um die Jahrhundertwende unterwegs.). Man kann den Duellanten erahnen, sieht ihn nur im Vorbeifahren. Thematisch fliegen die Motten aus der Kiste, filmtechnisch ist es nicht schlecht, bedenkt man, dass 1948 gedreht wurde. Man wird daran erinnert zu welchen Emotionen der Mensch fähig ist/war.
    Und die beiden Protagonisten sind in Höchstform. Joan-Rebecca-Fontaine liegt Frauenschwarm Jourdan, dem Unwiderstehlichen, zu Füssen. Nur wenige können die Verletzlichkeit und Unsicherheit mit bedingungsloser Unerbittlichkeit spielen. Selbst das junge Mädchen nimmt man ihr ab und kann sogar wie sie ins Schwärmen geraten oder am Schmerz zerbrechen. Romantische Nostalgiker können sich daran laben.