Montag kommen die Fenster

 D 2005
Drama 88 min.
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Ein neues Haus, eine neue Stadt. Es könnte ein glücklicher Moment sein im Leben einer Kleinfamilie. Doch Nina zweifelt, steht entfremdet in den halbleeren Räumen und lässt ihre Familie ohne Nachricht zurück.

Eine neue Stadt, ein neues Haus - es könnte ein glücklicher Moment sein im Leben einer Kleinfamilie. Die Ärztin Nina hat ein paar Tage Urlaub genommen, ihr Mann Frieder legt Fliesen, und Tochter Charlotte spielt in ihrem Kinderzimmer. Auch die Anlieferung neuer Fenster wird bereits erwartet. Doch Nina steht entfremdet in den halbleeren Räumen - und lässt ihre Familie ohne Nachricht zurück. Sie besucht ihren Bruder im Ferienhaus der Eltern, streift ziellos durch eine surreale Mittelgebirgslandschaft und landet bei einem alternden Tennis-Star in einem Sporthotel, einem Beton-Ufo aus einer anderen Zeit. Ninas Ausbruchversuch gipfelt nicht in existentialistischer Revolte, sondern in der flüchtigen Begegnung zweier Menschen, die sich nicht mehr heimisch fühlen in ihrer Welt. Wie eine Schlafwandlerin kehrt sie Schritt für Schritt zu ihrer Familie zurück. Am Montag kommen die Fenster tatsächlich. Aber die falschen. Ulrich Köhlers zweiter Spielfilm erzählt von der Orientierungslosigkeit der Mittelklasse und verfolgt damit das Thema seines Debüts Bungalow weiter: Isabelle Menkes Nina ist gleichsam die große Schwester des spätpubertären Deserteurs Paul, der sich in passiver Auflehnung von der Truppe entfernt hatte. Doch was für Paul noch ein wenig verbindliches Spiel war, hat für Ninas Generation eine andere Tragweite: Ihr Dilemma entfaltet sich in radikaler Offenheit, frei von psychologisierendem Erklären. Die langen, schwebenden Bilder ziehen uns hinein in eine befremdende, unheimlich gewordene Welt, die doch erschreckend vertraut ist. Nina lässt nicht nur ihren Mann im Stich, sondern vor allem ihre Tochter. Sie ist bereit, Erwartungen zu enttäuschen, die an eine liebende Mutter gestellt werden. Letztlich interessiert mich wie auch bei Bungalow die Frage, was passiert, wenn gesellschaftlicher Konsens, wenn selbstverständlich geglaubte Handlungsnormen aufgekündigt werden. Darin besteht die Versuchsanordnung dieser beiden Filme. (Ulrich Köhler)

(Text: Viennale 2006)

Details

Isabelle Menke, Hans-Jochen Wagner, Amber Bongard, Trystan Wyn Pütter, Elisa Seydel
Ulrich KöHler
Patrick Orth
Ulrich Köhler

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