© Twentieth Century Fox

filmkritik
03/29/2018

"Unsane - Ausgeliefert": Gefangen in der Psychiatrie

Steven Soderbergh drehte den Horror-Thriller mit seinem I-Phone!

Sawyer (Claire Foy) ist frisch nach Pennsylvania gezogen und arbeitet als Datenanalystin in einer Bank. Andere Menschen lernt sie hauptsächlich online kennen. Um jeglicher emotionaler Bindung zu entgehen, beschränken sich ihre Liebschaften nur auf One-Night Stands. Als sie eines Tages ein Date mit nach Hause nimmt, bekommt sie einen Panikanfall. Sawyer wurde vor ihrem Umzug zwei Jahre lang von einem Stalker namens David Strine (Joshua Leonard) verfolgt und glaubt, ihn nun wieder gesehen zu haben. Sie geht zu einer Psychologin und lässt sich daraufhin unabsichtlich für 24 Stunden in eine Psychiatrie einweisen. Wegen einer Attacke auf einen Mitarbeiter wird ihr Aufenthalt verlängert und sie beginnt ihren Stalker wieder zusehen. Kann sie ihrer Wahrnehmung noch trauen?

Logiklücken

Die Handlung von „Unsane“ ist nicht besonders originell und schnell zusammengefasst. Die Suche nach dem Verrückten in der Geschichte, hat Martin Scorsese mit seinem Meisterwerk „Shutter Island“ bereits eindrücklich inszeniert, jetzt wagt sich der versierte Starregisseur Steven Soderbergh an das Thema. Dabei verlässt er stellenweise den selbstgesteckten Rahmen der realen Welt und stellt Behauptungen auf, die mehr als nur suspekt wirken. Die Krankenpfleger und Ärzte in der Psychiatrie lassen jegliches Maß an logischem Denken vermissen und reiten Sawyer durch ihre Untätigkeit ins Verderben. Ärgerlich.

Multitalent

Soderbergh hat die wohl abwechslungsreichste Filmografie der Filmgeschichte. Mit 26 galt er mit seinem Debutfilm „Sex, Lies and Videotape“ als Vorreiter des amerikanischen Independent Kinos und erhielt als jüngster Regisseur aller Zeiten dafür sogar die Goldene Palme. Nach einigen Misserfolgen als Drehbuchautor beschloss er nur noch fremde Drehbücher zu verfilmen, woraus Klassiker wie "Traffic" oder "Erin Brokovich" entstanden. Daraufhin war er sowohl als Regisseur als auch als Kameramann für die weltweit erfolgreiche Oceans-Trilogie verantwortlich. 2012 inszenierte er den Stripper-Film „Magic Mike“, womit er dem Independent Kino endgültig den Rückengekehrt zu haben schien. Kurz darauf beendete er mit 50 seine Karriere, um dann drei Jahre später mit dem großartigen „Logan Lucky“ auf die Leinwand zurück zu kehren. Mit „Unsane“ driftet das Multitalent stellenweise ins Horrorgenre ab und versucht mit einem I-Phone neue visuelle Maßstäbe zu setzen.

Handykamera

Der gesamte Horror-Thriller wurde trotz einem Budget von 1.5 Millionen Dollar auf einem I-Phone 7 gedreht. Das verzerrte Bild der Handykamera war jedoch mehr als nur eine Notlösung. Die weitwinkligen Objektive geben dem Geschehen eine gespenstische Perspektive, die den Wahnsinn der Figuren untermalt. Mit einer klassischen Filmkamera würde die Geschichte einiges an Atmosphäre und Spannung einbüßen. Soderbergh ist zwar nicht der erste, aber der bekannteste Filmemacher, der einen Kinofilm auf einer Handykamera gedreht hat. Sein nächstes Projekt „High Flying Bird“ soll ebenfalls auf dem I-Phone gedreht werden. Wir bleiben gespannt.

Unsane“ ist ein unterhaltsames Kinoerlebnis, aber hat außer technischen Spielereien keine nennenswerten Höhepunkte. Wer abschalten und einen spannenden Thriller ohne viel Tiefgang sehen will, der ist hier richtig.

7 von 10 Einzelzellen

Özgür Anil

Eine Frau wird gegen ihren Willen in eine Nervenheilanstalt gebacht, wo sie sich mit ihren größten Ängsten konfrontiert sieht. Oder spielt sich das alles nur in ihrer Phantasie ab?