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10/23/2017

Viennale: Helle Nächte und analoge Träume

Das erste Wochenende der Viennale geht mit vielen deutschsprachigen Filmen im Programm zu Ende und macht Lust auf die kommenden Tage.

Wie erwartet, war Venedig-Gewinner „The Shape of Water“ eines der Highlights der Viennale. Die Hollywoodproduktion überzeugt auf allen Ebenen und zeigt, dass Guillermo del Torro noch immer der Meister des Fantastischen ist. Die in den USA der Nachkriegszeit angesiedelte Liebesgeschichte zwischen einer stummen Putzfrau und einem Unterwasserfabelwesen, ist der bisher beeindruckendste Film in der langen Karriere des spanischen Regisseurs. Neben Unterwasserakrobatik konnte man dieses Wochenende auch erstmals eine Vielzahl an deutschsprachigen Spielfilmen in den Kinos sehen.

Georg Friedrich

Die ersten deutschsprachigen Spielfilme feierten dieses Wochenende auf der Viennale ihre Österreichpremiere. In „Helle Nächte“ erzählt Thomas Arslan von einem Vater-Sohn Roadtrip durch Norwegen. In der Hauptrolle glänzt der Österreicher Georg Friedrich, der auf der Berlinale für seine Leistung mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde. Das Familiendrama verspielt das Potential des spannenden Generationskonflikts durch den Fokus auf die norwegische Landschaft, von deren Schönheit sich die Kamera nicht lösen kann, und deshalb in den entscheidenden Momenten emotional auf der Strecke bleibt.

Top-Schauspieler beim Casting

Barbara Albert meldet sich 5 Jahre nach "Die Lebenden" mit ihrer Romanverfilmung „Licht“ wieder zurück. Die wahre Geschichte über eine erblindete Pianistin Ende des 18. jahrhunderts, die langsam ihr Augenlicht wiedererhält, bleibt leider unter den Erwartungen. Die Frauenfiguren sind hervorragend geschrieben, aber schaffen es nicht. die ziellos vor sich hintreibende Handlung in geordnete Bahnen zu lenken. Der bisher beste deutschsprachige Film des Festivals ist „Casting“ von Nicolas Wackerbarth. Die fast gänzlich improvisierte Komödie erzählt vom Catingprozess eines fiktiven Fernsehfilms und beschränkt sich dabei nur auf eine halbfertige Kulisse in einem Filmstudio. „Casting“ sollte zunächst nur im Fernsehen ausgestrahlt werden, aber kann inzwischen auf eine beachtliche Festivalkarriere zurückblicken. Das deutsche Fernsehen könnte man oft als Paradebeispiel für schlechtes Schauspiel anführen, doch nicht so bei „Casting“. Selten waren deutsche Schauspieler so außer Rand und Band!

Analoge Träume

Das erste Festivalwochenende macht auch mit einer Vielzahl von analog gedrehten Filmen auf sich aufmerksam. Gleich drei US-Independent Filme wurden auf 16mm gedreht und auf 35mm im Gartenbaukino projiziert. „Person to Person“, „Beach Rats“ und „Golden Exits“ spielen alle in New York und drehen sich um junge Menschen an der Schwelle zum Erwachsenenleben. Die Auswahl der Filme liefert einen Querschnitt durch eine junge Generation an Filmemachern in New York, die mit unkonventionellen Methoden ihre Geschichten auf die Leinwand bringen.

Özgür Anil