Dancer in the Dark

 DK/D/NL/USA 2000
Drama, Independent, Musikfilm / Musical 26.10.2000 140 min.
8.00
Dancer in the Dark

Lars von Trier und Björk machen das Unmögliche möglich: Ein Musical über eine junge Fabriksarbeiterin, die langsam erblindet und singend und tanzend durch eine gnadenlose Welt schwebt.

Der Däne Lars von Trier, Mitbegründer von "Dogma '95", hat das cineastische Keuschheitsgelübde gebrochen und ein Musical gedreht: "Es ist so ein wunderbarer Cocktail - Gefühl und Musik." (Lars von Trier)

Die Geschichte ist, wie bei diesem "luftigsten und irrealsten aller Genres" (Peter Körte) üblich, herzzerreißend:
Die osteuropäische Immigrantin Selma (Björk) schlägt sich mit ihrem zehnjährigen Sohn Gene im ländlichen Amerika durch. Sie leidet an einer Krankheit, die zur unaufhaltsamen Erblindung führt. Selma arbeitet Tag und Nacht und spart jeden Cent für ihren Sohn, den eine Operation vor der Erblindung bewahren soll. Doch sie wird von freundlichen Nachbarn bestohlen und zudem fälschlich verurteilt. Die Energie zum (Über-)Leben zieht sie aus der wundervollen Welt der Musicals, in die sie flüchtet, wenn sie nicht mehr weiter weiß. Nichts im Leben kann Selma das geben, was sie in Musicals findet.

Details

Björk, Catherine Deneuve, Peter Stormare, David Morse, Cara Seymour, Udo Kier, u.a.
Lars von Trier
Björk
Robby Müller
Lars von Trier

Kritiken

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User Kritiken

  • Björg erblindet
    Einer der wenigen Filme des Lars von Trier, die keinen Skandal provozieren. Und er ist trotzdem Klasse. Spannend, in sich schlüssig und mit großartigen Hauptdarstellern. Er gliedert sich in drei Teile: beginnend mit einer Art Seifenoper geht es in einen Film der Arbeiterklasse mit Musical Einlagen, die sich völlig unaufdringlich nicht nur in die Handlung einfügen, sondern noch eine Art Verstärkung darstellen. Es folgt ein Krimi mit einem ungewöhnlichen Mord. Musik und Tanz sind ein Palliativ zur derben Realität. Mit Prozess und Hinrichtung zeigt der Film seinen erschütternden Höhepunkt und Abschluss.
    Im Mittelpunkt steht Selma (Björk). Sie dominiert mit Gesang (‘Time it takes a tear to fall, a heart to miss a beat…‘). Überzeugend ihre allmähliche Erblindung. Sie ist etwas schlicht, nicht besonders hübsch und krank. Erstaunlich unaufgeregt fügt sich Catherine Deneuve ins Ensemble ein und bildet die Antipode zu Selma. Sie ist schön, klug, eine reife Frau. Zwei Promis umrahmen Björk: der gute Jeff (Peter Stormare) ist fast selbstlos verliebt in das ‘häßliche Entlein‘ und Bill der geldgierige Polizist (David Morse). Er eröffnet das Drama. Genau genommen sind es zwei: ein menschliches und ein juristisches. Im letzteren gibt es sogar noch Überraschungen.
    Die unterschiedlichen Teile bieten Abwechslung und die dramatische Steigerung bringt die Spannung. Der Schluss schockiert. Musik und Tanz unterstreichen den poetischen Titel. Wunderbar.

  • Filmmusik
    Leider konnte die Filmmusik nicht das halten, was monatelang in den Medien gepriesen wurde. Auch der Film ist im Vergleich mit "Breaking the waves" um einiges schlechter. Leider bestätigt sich, dass mit Vorschußlorbeeren bedachte Filme nicht das halten können was versprochen wurde.

  • Selmasongs
    Der intensivste Film, den ich in meinem Leben gesehen habe, der erste, der mich zum Weinen gebracht hat. Und glaubt mir, ich habe schon viele Filme gesehen. Allerdings: Wenn ihr den Film gesehen habt, kauft euch ja nicht den Soundtrack "Selmasongs" von Björk. Obwohl musikalisch "wertvoll" sind nur weniger als die Hälfte der Songs auf der Scheibe, und zweitens sind die meisten nicht "original". Besonders geärgert hat mich das bei I

  • Daumen hoch!!!
    Ein Wahnsinn von Film! Klar, mir ist im ersten Teil auch ein wenig übel geworden von der ständigen Wackelkamera. Aber wie sich dieser Film steigert ist unglaublich! Und Björk ist ebenfalls erstklassig. Wer aus diesem Film kommt, nimmt die Welt anders wahr.

  • ganz seltsam...
    ...irgendwie scheine ich der einzige Mensch auf Erden zu sein, der nicht nach "richtiger Kunst" strebt. Wieso ist es engstirnig Freude statt Leid zu wünschen? Wie kommt coke27 eigentlich zu der Behauptung das Ziel der Kunst wäre es Emotionen zu wecken? Ist das nicht ebenfalls eine extreme Beschneidung dieser Ausdrucksform? Aber ich muß wohl wirklich ein Schmalspurdenker sein wenn ich die Freude an der Qual nicht verstehen kann. (Auf eine Diskussion über die Aufgaben der Kunst lasse ich mich erst gar nicht ein, da ich damit sowieso ins Kreuzfeuer der diktatorisch verfochtenen Ansichten der Anhänger der Moderne geraten würde.) Vielleicht ist es ja nur selbstverständlich, daß sich bei diesem Film - bis auf mich und noch eine einzige weitere Person - anscheinend ausschließlich Fans der Hauptdarstellerin zu Wort melden.
    Aus meiner Perspektive wurde der Film von Minute zu Minute unangenehmer. Schon allein deshalb, weil die Hoffnung auf ein wenig Erholung immer mehr schwindet und schließlich ganz enttäuscht wird. Aber ich glaube ab jetzt überlasse ich den Freunden dieses Werkes das Feld, da ich bestimmt schon mehr als genug Kritik beigetragen habe.
    film.at mit seiner Möglichkeit zur "Endverbraucherkritik" ist eine wirklich tolle Einrichtung, die mir immer wieder einen Überblick über das aktuelle Filmangebot verschaffen kann!

    Re:ganz seltsam... (Fortsetz.)
    Wenn Du die "Freude an der Qual" (ich würde es eher als eine Art von "Faszination" bezeichnen) nicht verstehen kannst, dann bist du deswegen kein Schmalspurdenker, hab ich nicht gesagt. Was ich gesagt habe war, daß es Schmalspurdenken ist, wenn man jeden Künstler als "krank im Kopf" bezeichnet. Es behauptet auch niemand, daß Komödien und dergleichen keine Kunst wären, denn auch sie rufen Emotionen hervor, wenn sie gut sind. Bei Filmen wie eben zB "Dancer in the Dark" überwiegt bei mir eben einfach nur die Faszination, ein derart dichtes gefühlsstarkes Leben, im wahrsten Sinne des Wortes, auf die Leindwand bannen zu können, daß man sich nur noch wünscht die Augen zu schliessen ... und es aber trotzdem nicht tut. Du selbst sagst, daß der Film Minute für Minute unangenehmer wurde. Genau so ist es. Und das ist das faszinierende. Es geschieht nicht oft, daß ich im Kino sitze und mir selbst leise zusprechen muß "es ist nur ein Film" ...

    Re:Re:ganz seltsam... 3
    "krank im Kopf" habe ich achtlos nur so dahin geschrieben und möchte es durch "pervers" ersetzen weil ich im Grunde nur zum Ausdruck bringen wollte, daß Lars von Trier sich auch bisher durch stark von der Norm abweichende Filme hervorgetan hat...

    Re:Re:ganz seltsam... 2
    Es wird immer ein für sich stehendes Produkt geschaffen für dessen Schöpfung bestimmtes handwerkliches Können notwendig ist. Die Qualität des selben orientiert sich am Unterschied zwischen Plan und dem erreichten Ergebnis. Je besser der Künstler es geschafft hat seine Zielvorstellung zu verwirklichen umso gelungener ist seine Arbeit. Das ist aber noch nicht alles, denn auch der Nutzen für die Allgemeinheit spielt eine Rolle. Da ich davon ausgehe, daß jeder letztendlich glücklich sein will beurteile ich Dancer in the Dark als schlechte Schöpfung. (Ich habe ihm ja auch einen Bonus für die Erreichung seines offenbaren Zieles gegeben. Das ändert aber dennoch nichts an dem Umstand, daß er im zweiten Punkt völlig durchgefallen ist.) Ich bin tatsächlich der Ansicht die Kunst sollte sich dem Schönen widmen. Natürlich ist mir dabei klar, daß auch das Schöne bei dieser Behauptung genauer erklärt sein müßte. Ich hoffe aber auch so reicht Dir meine Antwort einstweilen.

    Re:Re:ganz seltsam... 1
    Kanz kurz weils gestern nicht funktioniert hat und ich keine Lust habe alles noch mal zu schreiben: Es gibt auch Publikumslose Kunst, die nur der Schöpfer selbst erfahren kann. Das ist zwar etwas von dem ich persönlich nicht viel halte, aber in diesem Fall könnte das Werk nach Deiner Definition ausschließlich für den Künstler selbst Kunst sein. Was ist so etwas für die anderen - wo sie sich doch gar keine Gefhle dazu bilden können. Und wo ist überhaupt die Grenze zwischen einer so weiträumigen Definition der Kunst und dem normalen Alltag? Meinst Du auch alles ist Kunst? Solche unsinnigen Verwicklungen gibt es bei meinem Kunstverständnis nicht, da sich für mich Kunst als Handwerk definiert.

    Re:ganz seltsam...
    Da Du mich direkt ansprichst möchte ich die Diskussion doch noch ein wenig weiter spinnen. Mich würde jetzt doch auch (auch wenn Du Dich dagegen verwehrst) Deine Interpretation von "Kunst" interessieren. Warum ist meine Definition eine "extreme Beschneidung"? Mit dem Satz wollte ich es auf den Punkt bringen und das ist es für mich. Kunst will eine Aussage formulieren, in welcher Art und Weise auch immer. Wenn ich jetzt auf einen Zettel das Wort "Eingang" schreibe und über eine Tür hänge und sonst nichts weiter unternehme, dann ist das auch eine Aussage, aber das Stimmungsbarometer des Betrachters wird so ziemlich bei Null bleiben. Wenn ich den gleichen Zettel an eine Wand hänge wo weit und breit kein Eingang auszumachen ist, wird es zumindest kurzfristig Verwirrung (= eine Emotion) hervorrufen und wir befinden uns schon in einem Bereich von "Kunst". Über die Qualität der selben kann man jetzt natürlich stundenlang diskutieren, aber Tatsache ist, ich habe damit eine Emotion hervorgerufen. Siehst Du das nicht so?

  • Meine 5 Cent...
    Einfach ist dieser Film wahrlich nicht. Aber
    großartig und zutiefst bewegend. Björk ist einfach
    Spitze. Sowohl in Musik als auch im Film. Ihre
    eigenwillige Art läßt sich mit nichts vergleichen.
    Nur eine Warnung: Auch wenn ich ein Kinofan bin
    und mich von der Leinwand gerne "erschlagen" lasse,
    aber hier wäre ein Platz in den hinteren Reihen
    doch angebracht gewesen :-( Die verwackelte Kamera
    zusammen mit den sichtbaren Videozeilen bei schnellen
    Bewegungen haben bei mir ziemliches Kopfweh
    verursacht...

  • traurig, traurig....
    Mit Björk in der Hauptrolle, schuf Lars van Trier einen äußerst gewöhnungsbedürftigen Film....Lässt man sich aber darauf ein, so erlebt man einen Film, der von
    Minute zu Minute besser wird, und wahrlich tragisch endet....8/10.....eine ausführliche Kritik zu dem Film gibts übrigens auf http://beam.to/filmkritik

  • Fortsetzung
    Björk ist nur noch Björk, wenn die Videokamera erbarmungslos auf sie zugeht, ihre Augen, Lippen, Finger in Großaufnahme einzoomt, sie nicht wieder losläßt, bis sie nicht das allerletzte gegeben haben, was zu geben da war. Allein diese alles durchdringende Nähe, daß man sich wünscht endlich wieder etwas mehr Distanz haben zu dürfen, macht dieses Erlebnis so unerhört faszinierend. Natürlich setz ich mich da nicht mit Popcorn in die erste Reihe, in der Hoffnung einen angenehmen Abend zu haben. Bin ich deswegen (und mit mir unzählige andere) masochistisch-pervers veranlagt, weil ich mich von derartiger Gefühlsdarstellung faszinieren lasse? Gefühle zu erleben ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Und das hat nichts mit der "heutigen Zeit" oder der "Unfähigkeit selbst Gefühle zu entwickeln" zu tun. Wer sich auf solcherlei Kost nicht einläßt ist deswegen nicht unbedingt gefühlskalt. Er hat nur entweder einen dicken Panzer, sich selbst noch nicht genügend erforscht oder einfach nur keine Lust dazu. Soll so sein.

    DANCER IN ... wow wow wow
    Natürlich ist DANCER IN THE DARK ein Film, der das Publikum spaltet. Und das ist ja kein Zufall. Lars von Triers Filme sind umstritten. Für die einen das einzig wahre Kino, für die anderen einfach nur ´Pseudokunstfilme´. Jetzt hat sich Lars von Trier für seinen neuesten Streifen auch noch Björk geholt, und die ist ja, ganz klar, auch nicht jedermanns Sache. Ich liebe den Film und eigentlich freut es mich ja, wenn es auch Leute gibt die ihn hassen. Denn genau darum gehts doch bei guter Kunst. DANCER IN THE DARK ist halt einfach anders! Über den Film lohnt es sich echt zu streiten! hehe

    DANCER IN ... wow wow wow
    Natürlich ist DANCER IN THE DARK ein Film, der das Publikum spaltet. Und das ist ja kein Zufall. Lars von Triers Filme sind umstritten. Für die einen das einzig wahre Kino, für die anderen einfach nur ´Pseudokunstfilme´. Jetzt hat sich Lars von Trier für seinen neuesten Streifen auch noch Björk geholt, und die ist ja, ganz klar, auch nicht jedermanns Sache. Ich liebe den Film und eigentlich freut es mich ja, wenn es auch Leute gibt die ihn hassen. Denn genau darum gehts doch bei guter Kunst. DANCER IN THE DARK ist halt einfach anders! Über den Film lohnt es sich echt zu streiten! hehe

  • Ich finde es schade ...
    ... dass man sich hier gegenseitig Herzlosigkeit vorwirft. Auch ist es doch müssig darüber zu diskutieren ob der Regisseur "krank im Kopf" ist. Ist denn jeder Künstler "krank im Kopf", nur weil er sich nicht der "positiven" Unterhaltung widmet? Das ist doch Schmalspurdenken oder? "Dancer in the Dark" ist ein Kunstwerk, im besten aller Sinne. Was ist denn das Wesen eines Kunstwerks? - Emotionen zu erzeugen, Gefühle die einen derart massiv überwältigen, dass man sie auch noch lange nach dem Betrachten nicht wieder vergisst. Das ist in diesem Fall zweifelsohne gelungen. Was "Dancer in the Dark" aber herausstreicht, ist die Intensität die hier zutage kommt. Und hier gibt es zumindest zwei Faktoren, die Lars von Trier definitv als Geniestreich anzurechnen sind: Zum einen die Wahl seiner Hauptdarstellerin, zum anderen die Wahl seiner (üblichen) filmischen Mittel. Von Trier hat einfach nach der aussagekräftigsten, intensivsten und eindringlichsten Ausdrucksform gesucht, die er sich nur vorstellen konnte - und hat sie gefunden.

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