Die Faust der Rebellen

 USA 1972

Boxcar Bertha

Drama, Romanze, Krimi 92 min.
6.10
Die Faust der Rebellen

Amerika zur Depressionszeit: Bertha Thompson (Barbara Hershey) und ihr Freund, der Gewerkschaftler "Big" Bill Shelly (David Carradine), wollen gegen die profitgierigen Unternehmen vorgehen.

Auf den ersten Blick ein Roger-Corman-B-Picture, schnell, fulminant, gewalttätig bunt: Gelbgrün des Südens im Dialog mit dem Rot des aus Schusswunden spritzenden Bluts. Und doch: gegen­über Corman fallen Steigerungen ins Auge, das Hemmungslose der Emotion, Verrückte der Gewalt. Eine Sozialrebellen-Ballade aus der Ära der Depression mit veritablen Strophen, die durch Ellipsen und Montageflüsse voneinander abgesetzt sind. Wie aus kleinen Leuten Eisenbahnräuber werden. Wie von Killern der Ordnungsmacht noch das geringste Aufmucken gegen das Unrecht mit ­Knüppeln, Schrot und Blei ausgemerzt wird. Wie jedes soziale ­Engagement in den thirties notwendig in Gangstertum münden muss. Und wie drei junge Leute, der Gewerkschaftler, das Mädchen, der Schwarze, ihre Unschuld verlieren. Im Finale wird der eine wie Christus an den Frachtwaggon genagelt. Die andere beweint ihn gleich Maria. Der dritte setzt als farbiger Paulus die Mission mit der Flinte fort. (H.T.) (filmmuseum)

Details

Barbara Hershey, David Carradine, John Carradine, Barry Primus, Victor Argo, Harry Northup, u.a.
Martin Scorsese
Gib Guilbeau, Thad Maxwell
John M. Stephens
Joyce H., John William Corrington nach

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Güterwagen Bertha
    Einer der ersten Filme von Martin Scorsese aus den frühen 70er Jahren mit einer damals noch unbekannten Barbara Hershey. Aber sie beherrscht die Szene von Anfang bis Ende. Ihre deutsche Synchronstimme ist ein perfektes Spiegelbild dieser sonderbaren Persönlichkeit: etwas naiv, aber dennoch entschlossen, besitzt sie eine animalische Gefühlslage. Ein unbeschwertes Lächeln wird zu ihrem Markenzeichen. Der Ernst der Lage beeindruckt sie nie. So locker wie sie sich als kriminelle Gelegenheitshure durchschlägt, folgt sie unbeirrt ihrem Liebsten Big Bill (David Carradine). Beide geraten unversehens zwischen die Fronten von Ausbeutern und Ausgebeuteten. Verachtung und Verfolgung durch rassistische Kapitalisten machen ihnen den Garaus. Obwohl Big Bill immer betont, ein Gewerkschafter zu sein - was er auch im Grunde seines Herzens immer geblieben ist - wird er und sein Umfeld doch mit Beschimpfungen wie ’Huren’, ’Niggern’ und ’Trickbetrügern verunglimpft. Der Film bliebe weniger bedeutsam, wenn da nicht außer dem für Scorsese so furiosen Finale noch mit einer pseudo-christlichen Symbolik ein beeindruckendes Bild den Abschluss bilden würde. Der Zug wird zum Kreuz. Beachtliches Frühwerk, das geniale Züge erkennen lässt.