Die Sünderin

 BRD 1950
Drama, Romanze 83 min.
6.80
Die Sünderin

Willi Forsts erster Film nach dem 2. Weltkrieg war - u.a. wegen Hildegard Knefs "Nacktszene" - einer der größten Skandalfälle des deutschen Nachkriegsfilms.

In den frühen Nachkriegsjahren wird Martina (Hildegard Knef), außergewöhnlich schön und verführerisch, zur Prostituierten. Sie lernt in einem Nachtclub den heruntergekommenen Maler Alexander (Gustav Fröhlich) kennen und verliebt sich in ihn. Er wird die große Liebe ihres Lebens. Leider ist der Geliebte schwerkrank: Ein Tumor wuchert in seinem Gehirn. Um Geld für eine teure Operation zusammenzubekommen, die ihn vielleicht retten könnte, geht Martina wieder ihrem einstigen Gewerbe nach. Alexander wird in Wien operiert. Seine Kopfschmerzen lassen zwar nach, aber Martina und der Arzt wissen, dass dies nur eine vorübergehende Linderung der Schmerzen bedeutet, aber keine Heilung. Weil sie ihn nicht mehr leiden sehen will, erspart Martina ihm die letzten Qualen und bringt ihn mit Schlaftabletten um. Dann folgt sie dem Geliebten freiwillig in den Tod.

Details

Hildegard Knef, Gustav Fröhlich, Benno Gellenbeck, Anne Bruck, Andreas Wolf, Karl Kramer
Willi Forst
Theo Mackeben
Vaclav Vich
Willi Forst, Gerhard Menzel

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Der blinde Maler
    Allein der Titel kommt eigentlich nur in kirchlichen Kreisen vor. Dass der Film in den 50er Jahren von maßgeblicher Stelle als gesellschaftlicher und moralischer Skandal empfunden wurde, zeigt wie verklemmt die damalige Zeit war.
    Inhaltlich hat Regisseur Willi Forst aber schon eine ganze Menge hineingepackt: Prostitution, Vergewaltigung, aktive Sterbehilfe, einen Doppelsuizid und ein Leben in ‘Wilder Ehe‘. Dagegen ist vor allem die katholische Kirche Sturm gelaufen. Fest gemacht wurde das Ganze dann aber an der wenige Sekunden dauernden Nacktszene mit Hildegard Knef, während sie – weit entfernt und etwas überblendet - als Aktmodell für ihren Freund Alexander (Gustav Fröhlich)posiert. Dagegen ist die ‘Nackte Maja‘ von Goya in ihrer ganzen Deutlichkeit der reinste Porno.
    Fest steht heute allerdings, dass der Film ein Kassenerfolg und für die Knef der Beginn einer Weltkarriere wurde. Die Reaktionen fundamentalistischer Christen (Stinkbomben und weiße Mäuse im Kino) waren vergleichbar mit den Demonstrationen gegen die Aufführung der ‘Letzten Versuchung Christi‘ von Scorsese in den späten 80er Jahren.
    Fest steht aber auch, dass Hildes Off-Kommentar heute recht pathetisch wirkt und die Darsteller ziemlich hölzern vor der Kamera agieren. Etwas Einzigartiges hat dieser Film allerdings immer noch: er ist an Melodramatik und Altruismus nicht mehr zu überbieten. Prostitution zur finanziellen Lebensrettung des erblindeten Malers, Sterbehilfe aus Liebe mit Selbstbeteiligung.
    Filmtechnisch fallen lediglich noch zwei Dinge auf: die Umsetzung von Alexanders auftretender Blindheit und seine Zeichnungen vom ‘Todesengel‘, der vorübergehend zum ‘ Engel des Lebens‘ wird.