Filmkritiken
16.03.2015

"The Boy next Door" : EIN PSYCHOPATH, WIE ER IM DREHBUCH STEHT

Jennifer Lopez trifft auf einen Psycho wie aus dem Lehrbuch (allerdings eines, das von einem amerikanischen Drehbuchautor verfasst wurde). In einem schwachen Moment landet die Professorin für klassische Literatur, in deren Ehe es soeben monatelang gekriselt hat, mit einem jungen knackigen Nachbarsburschen im Bett. Als sie am nächsten Morgen von Schuldgefühlen geplagt ihrem Bettgenossen erklärt, die Affäre werde keine Fortsetzung finden, entpuppt sich der muskelbepackte Jüngling als durchgeknallter Stalker, der fortan keine Gelegenheit auslässt, um seinem Love-Interest mit obsessiver Vehemenz nachzustellen. Allerlei Psychoterror und -spielchen sind das Ergebnis: er sitzt plötzlich als Schüler in der Literaturklasse seiner Angebeteten, hackt ihr Mail-Account, spielt ihren Sohn gegen dessen Vater aus, verbreitet pikante Fotos und hat noch ein paar wirklich brutale Überraschungen parat.

Was als halbwegs subtiler Psychothriller beginnt, läuft immer mehr aus dem Ruder, denn der Drehbuchautor ist der Thematik offenbar nicht im geringsten gewachsen und verlässt sich in seiner Not bloß noch auf ein eingespieltes Muster - der Film gipfelt nämlich in einem jener typisch hirnlosen Hau-Drauf-Finale nach US-Geschmack, das trotz oder gerade wegen allem Gewaltaufkommen nur unfreiwillige Komik verbreitet. Man fragt sich ziemlich entgeistert, ob das tatsächlich ernst gemeint sein soll (natürlich soll es das, aber man wird ja noch Illusionen haben dürfen!) oder ob wir nicht doch in einer Szene aus "Scary Movie Nr. 102" gelandet sind. Immerhin ist die etwa 2 minütige Bettszene mit J.Lo und dem schweren Jungen sexyer als die kompletten 120 Filmminuten von "Fifty Shades of Grey". Aber das ist auch nicht weiter schwierig - sogar das Gießen einer Topfpflanze wäre da noch erotischer. "The Boy next Door" wird von uns jedenfalls zu Hausarrest verdonnert und sollte sich besser nicht im Kino blicken lassen. 4 von 10 Psycho-Patenschaften.

franco schedl