Erbsen auf halb 6

 D 2003
Romanze, Komödie 27.08.2004 110 min.
7.10
Erbsen auf halb 6

Ein erblindeter Regisseur begibt sich mit einer seit Geburt blinden Frau auf eine große Reise.

Jakob Magnuson (Hilmir Snær Guðnason), ein erfolgreicher Theaterregisseur, verliert bei einem Verkehrsunfall sein Augenlicht - und damit auch jegliche Lebensperspektive. Er trifft auf Lilly Walter (Fritzi Haberlandt), die geburtsblind ist. Zusammen begeben sie sich auf eine Reise quer durch Europa. Eine Reise voll skuriller Begegnungen und liebenswerter Momente. Langsam entsteht eine Liebe zwischen zwei Menschen, die einander die Welt beschreiben und begreifbar machen. Ein Film voller tragikomischer Momente, der uns in eine andere Welt führt. Ein Film, der die Liebenden sehend macht.

Details

Fritzi Haberlandt, Hilmir Snaer Gudnason, Harald Schrott, Tina Engel, Jenny Gröllmann
Lars Büchel
Max Berghaus, Stefan Hansen, Dirk Reichardt
Judith Kaufmann
Ruth Toma, Lars Büchel
Senator Film / Constantin

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Deutscher Film - weggucken!
    Erzählt wird hier viel: Vom Theaterregisseur, der den "Sommernachtstraum" inszeniert. Der dann einen Autounfall hat und erblindet. Der seine Erblindung nicht akzeptieren will und Selbstmordversuche begeht. Und sich von seiner Freundin grundlos trennt. Dann gibt es die Abgesandte eines Blindenhilfswerks, die mit einem Sehenden zusammen ist. Bald werden sie heiraten, ihr zukünftiges Heim existiert als Modell, der Baubeginn steht knapp bevor. Weiters gibt es die todkranke Mutter des Regisseurs. Eine Künstlerin, die in Land-art macht und ihren Abschied mit einem Fest a la Fellini feiert. Dann: Der Regisseur reist zu seiner Mutter, die an der Ostsee in der ehemaligen Sowjetunion lebt. Diese Reise ist, natürlich für einen Neo-Blinden, eine Odyssee. Die Abgesandte der Blindenhilfsorganisation ist übrigens dabei, denn sie will dem Regisseur helfen, ihm zeigen, was Blinde können müssen, also sich anziehen, einen Stock verwenden etc. Schließlich sind da noch ihre Mutter und ihr Freund, der Schwiegersohn in spe, die den Verschwundenen nachreisen und sich ebenfalls rasch in den Weiten der Ex-SU verlieren. Dort gibt es ständig Anlässe für prächtige Begräbnisse, Feiern und Umzüge wie im Jugoslawien des Emir Kusturica. Und: Die Liebesgeschichte zwischen dem blinden Regisseur und seiner Betreuerin hebt an und mündet sehr rasch in einer heißen Nacht. Außerdem: Ein pubertierendes deutsches Mädchen will endlich sexuelle Erfahrungen sammeln und lädt sich einen Jungen ein, mit dem sie eine Sex-IG gründen will.
    Ja, was denn noch alles??
    Lars Büchels Film erzählt nicht nur viel, sondern ZU VIEL. Da wären ein paar interessante Filme dringewesen. Statt dessen wird alles mit einander vermantscht und deswegen jeweils nur oberflächlich behandelt. Und es gibt viele schöne Bilder wie aus der Werbung - schön, aber leer. Ein ernsthaftes Problem wie das Blind-Werden genügt als Filmsujet nicht. Es müssen auch noch sexuelle Untreue, das bittere Sterbenmüssen, erste sexuelle Erfahrungen, eine gern alkoholisierte Mutter, lustige Ex-Ostblock-Menschen samt chaotischer Lebensverhältnisse, die Theaterwelt mit ihren Proben, die schwierig zu überbrückende Kluft zwischen Sehenden und Nicht-Sehenden mit hinein gepackt werden.
    Man hätte sich durchaus für ein Melodram, leicht kitschig, entscheiden können. Hollywood hätte das gemacht, mit Richard Gere oder Brad Pitt als blindem Regisseur und Julia Roberts oder Julianne Moore als seiner Betreuerin. Aber dazu fehlte der Mut (zum bewussten Trivial-Sein). Statt dessen wollte man einen bedeutsamen Film drehen. Vielleicht einen Problemfilm. Aber dann hätte man sich Ecken und Kanten leisten müssen. Hier gibt es nur eine sterile, glatte Oberfläche.
    Das Niveau der Schauspieler ist völlig unterschiedlich. Der männliche Protagonist, also der Regisseur, ist ein gut aussehender, unglaublich uninteressanter Kleiderständer mit penetrantem Howard-Carpendale-Akzent, dessen Texte ziemlich auswendig gelernt klingen (komischerweise spricht seine sterbende Mutter perfektes Deutsch). Fritzi Haberlandt ist als blinde Helferin durchaus überzeugend, Annette Renneberg wird als (Ex-)Freundin des Regisseurs rasch verheizt, Tina Engel ist als Mutter mit Hang zum Alkohol aus kleinen Fläschchen eine reizende Nebenfigur (von der man gerne mehr gesehen hätte und die durchaus eine interessante Hauptdarstellerin eines anderen, besseren Films sein hätte können).
    Da dreht man in Cinemascope, will also KINO PUR bieten. Aber wählt einen lächerlichen Titel. Und bietet ständig visuelle Ästhetik, die für Werbung okay ist, aber in einem Spielfilm nichts - oder wenig - zu suchen hat. Man hätte lieber eine kompakte Story entwickeln sollen.
    Kurz: Das Leiden des deutschen Films geht weiter. Einzelne Ausnahmen wie Tykwer oder Akin bestätigen nur, dass der Mainstream weiterhin von Blödsinn a la Bully Herbig und bedeutend sein wollendem Pseudo-Kino geprägt ist.