Fever Pitch - Ballfieber

 GB 1997

Fever Pitch

Komödie, Literaturverfilmung 102 min.
6.70
film.at poster

Die erste Verfilmung des gleichnamigen Nick Hornby-Bestsellers - mit Colin Firth einmal wenig gentleman-like als fanatischer Arsenal-London Fan, der seiner Freundin das Leben schwer macht.

Eine geglückte Mischung aus Autobiographie, Fansoziologie, demokratischer Fußballphilosophie und Gebrauchsanweisung für den Artikel Mann, scheint Nick Hornbys Bestseller Fever Pitch mit den Gesetzen des Spielfilms formal kaum kompatibel zu sein. Die von David Evans inszenierte Adaption - das Skript hat Hornby selbst geschrieben - leitet den mäandernden Fluß der Aperçus und Reflexionen in dramaturgische Bahnen um. Fever Pitch, der Film, erzählt nicht die Geschichte einer abgründigen Leidenschaft, sondern die eines sanften Reifeprozesses.

Der junge Paul - Hornbys Alter ego - wächst in einem Londoner Vorort als typisches Scheidungskind der späten Sechziger auf. Mit dem Vater verbindet ihn wenig - bis zu jenem magischen Samstag, an dem die beiden ein Heimspiel von Arsenal besuchen. Nicht Paul hat den Club erwählt, der Club wählt ihn, und so leidet unser Held mit einer Mannschaft, die - abgesehen von der triumphalen Saison, in der Arsenal das Double gewann - jahrzehntelang für den ödesten Fußball der Insel berüchtigt war.

Das Leben des nie richtig erwachsen gewordenen Thirtysomethings, der als Englischlehrer seine Schüler über mehrere Anspielstationen zu Steinbeck führt und im übrigen seine Ambitionen an den Verein abgetreten hat, kompliziert sich, als er sich in die neue Kollegin Sarah verliebt. Sarah ist das genaue Gegenteil von Paul: Systematisch, verantwortungsbewußt und ein wenig steif, findet sie nicht nur seine roten Arsenal-Shorts degoutant, sondern sie erwartet auch von ihm, daß er über das nächste Cup Final hinausdenkt - erst recht, als sie schwanger wird. / Es beginnt ein zäher Kampf um Fußball und Familie, der mit Rückblenden auf Pauls Fankarriere unterlegt ist und schließlich mit dem Meisterschaftskampf von 1989 parallel geführt wird. Man braucht kein informierter Zuschauer zu sein, um sich zu denken, wie die Romanze endet. Fans wissen darüber hinaus, wie das entscheidende Spiel zwischen Arsenal und Liverpool seinerzeit ausgegangen ist. (Sabine Horst)

Details

Colin Firth, Ruth Gemmell, Neil Pearson, Lorraine Ashbourne, Mark Strong, Stephen Rea, u.a.
David Evans
Boo Hewerdine, Neil MacColl
Chris Seager
Nick Hornby, nach seinem gleichnamigen Roman

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Fußballwahn
    Für eine echte Komödie fehlt der Witz. Das kann Nick Hornby(Romanvorlage und Drehbuch) inzwischen besser. Und die Beziehung, um die es hier geht, ist unglaubwürdig, vor allem das Happy End. Die Frau (Ruth Gemmell) kommt hier besonders schlecht weg. Es wird der Eindruck erweckt als seien Fußballfans selbst noch im reiferen Alter Kindsköpfe und laufen mit einem Tunnelblick durchs Leben. Sie sind emotional stark behindert und beziehungsunfähig. Das Jahr besteht nur aus der Spielzeit der Liga und Sieg oder Niederlage sind ein Anlass zum Besäufnis. Die Beziehungen zum anderen Geschlecht werden nur als sexuelles Ventil gesehen, und völlig cool und verantwortungslos abgehandelt. Frauen sollten auch Fans sein, möglichst von Arsenal London. Der Beruf ist Nebensache, Aufstiegschancen unwichtig. Und selbst wenn das alles stimmen würde, wem soll da hier der Spiegel vorgehalten werden? Selbst eingefleischte Fußballfans reißt das nicht vom Hocker.