Kirsten Stewart in "Underwater"

© Walt Disney Company

Filmkritik
08/13/2020

"Underwater": Vorhersehbarer Tiefsee-Thriller mit überzeugender Kirsten Stewart

Kirsten Stewart überzeugt als "Ellen Ripley unter Wasser", doch um sie herum tummeln sich generische Charaktere in einer vorhersehbaren Handlung.

von Erwin Schotzger

Tausende Kilometer vom Festland entfernt, über 11 Kilometer unter der Meeresoberfläche: Gleich zu Beginn von "Underwater" wird die Tiefsee-Station Kepler-822 am Grund des Marianengrabens von schweren Erschütterungen durchgebeutelt. Eine starke Druckwelle, vermutlich ausgelöst durch ein Seebeben, zerstört Teile der submarinen Forschungs- und Bohreinrichtung. Die junge Ingenieurin Norah Price (Kristen Stewart) ist gezwungen ein Schott zu schließen, um das Überleben im Rest der Station zu sichern. Norah und ihre beiden Kollegen Paul (T.J. Miller) und Rodrigo (Mamoudou Athie) schlagen sich ins Kontrollzentrum der Station durch, wo sie Captain Lucien (Vincent Cassel), die Meeresbiologin Emily (Jessica Henwick) und den Ingenieur Liam (John Gallagher Jr.) treffen. Der Kontakt zur Oberfläche ist abgebrochen und keine Rettungskapseln mehr verfügbar. Es sieht so aus, als ob die sechs Crew-Mitglieder die letzten Überlebenden auf der Station sind.  Sie beschließen die schwer beschädigte Station in Druckanzügen zu verlassen und am Meeresboden zu einer über einen Kilometer entfernten Nachbarstation zu gehen. Doch auf dem Weg lauern natürlich ungeahnte Gefahren.

 

Blasse Charaktere und vorhersehbare Handlung

"Underwater" hat in vielerlei Hinsicht das Zeug zu einem spannenden Sci-Fi-Horrorfilm im Stil von "Alien" oder "Cloverfield": Die Stimmung im Trailer weckt auf jeden Fall das Interesse von Genrefans, aber das will ja noch nichts heißen. Kirsten Stewart überzeugt als eine moderne Ellen Ripley in den Tiefen des Ozeans mit tougher Attitüde und cooler Kurzhaarfrisur. Auch das visuelle Setting schaut gut aus, was man bei einem Produktionsbudget von rund 80 Mio. Dollar auch durchaus erwarten kann.

Trotzdem schafft es "Underwater" nie an die offensichtlichen Vorbilder, allen voran "Alien" und "Cloverfield", heranzukommen. Das verwundert, wenn man bedenkt, dass Regisseur William Eubank mit "Love" (2011) und "The Signal" (2014) zwei sehr interessante Sci-Fi-Filme abgeliefert hat. Doch diesmal hat er nicht selbst das Drehbuch geschrieben. Und die Einfallslosigkeit, mit der die Drehbuchautoren diesen Genrefilm umgesetzt haben, ist das eigentliche Problem. Wenn schon ein Genrefilm nach bekannten Mustern, dann doch bitte einer mit weniger vorhersehbarer Handlung und interessanteren Charakteren. Dabei wäre die Besetzung gar nicht so schlecht. Doch rund um Norah Price, die mit Kirsten Stewart perfekt besetzt ist, tummeln sich in "Underwater" nur generische Figuren in den Tiefen des Ozeans: ein banaler Captain, der auf dem sinkenden Schiff bleibt, bis alles seine Schäfchen im Trockenen sind; zwei blasse Charaktere, die im Angesicht des Todes die Liebe zueinander entdecken; ein vermeintlich cooler Phrasendrescher (eine Rolle in der T.J. Miller inzwischen festgefahren scheint, obwohl er kaum noch darin überzeugt); ein Opfer. Lediglich Stewart glänzt in ihrer Hauptrolle, obwohl auch ihr das Drehbuch wenig Spielraum bietet. Doch sie ist in bester Form und zeigt, was rund um diese Actionheldin wider Willen alles abgehen könnte. Hätten die Drehbuchautoren ein wenig mehr Augenmerk auf die Charakterentwicklung gelegt, wären wohl einige andere Mängel des Films – vor allem der vorhersehbare Plot – weniger stark aufgefallen.

"Underwater – Es ist erwacht" ist ein Film, den man sich als Fan des Genres oder von Kirsten Stewart durchaus anschauen kann, aber nicht muss. Die Stimmung und die visuelle Umsetzung sind weitgehend gelungen, aber aufgrund der vorhersehbaren Handlung und der generischen Charaktere kommt nie wirklich Spannung auf. Und auch das Monster ist am Schluss dann ziemlich generisch und einfallslos wie der Film selbst. Ja, es gibt ein Monster. Aber auch das wird beim deutschen Untertitel "Es ist erwacht" niemanden wirklich überraschen.

"Underwater – Es ist erwacht" ist bei Amazon Prime Video zu sehen, aber nicht im Prime-Abo enthalten.

 

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